14.06.2017, 22:56 Uhr

Der Leidensweg eines Tiroler Landsmannes aus dem Dorf Pozuzo

Kurt Kluckner steht jeden Sonntag mit diesem Stand im CYTA-Flohmarkt – wer helfen will, ist hier willkommen! (Foto: privat)

Die ergreifende Geschichte des Josef Franz Schuler, der von einer Tiroler Familie aufopfernd unterstützt wird – derzeit gibt es aber trotzdem noch kein Happy End!

Nach vielen Schicksalsschlägen und einer erfolgreichen Operation im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Zams gibt Josef Franz Schuler aus dem Dorf Pozuzo die Hoffnung nicht auf, im Land seiner Vorfahren bleiben zu dürfen und seine Genesung mit der Unterstützung durch seine Landsleute aus Tirol fortzusetzen. So ist z.B. bereits vielen Menschen ein Stand am CYTA-Flohmarkt in Völs aufgefallen, an dem Kurt Kluckner aus Leutasch soicherart Spenden sammelt.
Am 25. Juni 2017 muss Josef Franz Schuler Köhle nach Peru zurückkehren, da seine Aufenthaltsbewilligung abläuft und die intensiven Versuche des Ehepaares Kluckner, eine Verlängerung dieses Aufenthalts gestattet zu bekommen, bisher nicht erfolgreich waren, obwohl Josefs Urgroßeltern aus Tirol stammten.


Bilderreise nach Pozuzo

Am Mittwoch, dem 21. Juni, laden Diana Mendoza und Mag. Joe Hammer um 19 Uhr im Kultursaal Birgitz zu einer Benefizveranstaltung. Geboten wird eine Bilderreise nach Pozuzo im peruanischen Regenwald, das vor 158 Jahren von Tiroler Auswanderern besiedelt wurde. Um freiwillige Spenden, die Josef Franz Schuler im Rahmen dieser Veranstaltung übergeben werden, wird gebeten.

Josef Franz Schuler
Josef Franz Schuler braucht dringend eine Therapie – aber seine Aufenthaltsgenehmigung läuft am 25. Juni aus (Foto: privat)


Die Leidensgeschichte des Josef Franz Schuler

Das Leben des Josef Franz Schuler, 53, verlief nicht ohne Schicksalsschläge. Vor sieben Jahren brach er sich beim Versuch, vor einem wild gewordenen Stier zu flüchten, die rechte Hüfte. So geschehen in Pozuzo (vor 158 Jahren von deutschen und österreichischen Auswanderern gegründeten Siedlung im Regenwald von Peru) beim Hüten einer Rinderherde.
In der drei Meter tiefen Grube, in die Schuler „mit geschlossenen Augen“ sprang, um sein Leben zu retten, lagen Baumstämme. Infolge des Hüftbruchs entwickelte sich im Lauf der Zeit eine schwere Arthrose.

Sieben Jahre Schmerzen

Es folgten sieben Jahre voller Schmerzen. Josef konnte sich nur mehr humpelnd fortbewegen, aber trotzdem kämpfte er, um seine Familie mit Gelegenheitsarbeiten erhalten zu können: er verdiente seinen Lebensunterhalt als Fremdenführer, Taxifahrer, Viehzüchter und Landwirt, ohne von der Regierung eine Invalidenrente oder sonstige Hilfe zu erhalten. Erst im November 2014 wendete sich sein Schicksal zum Besseren, als „ein europäischer Herr“ als Tourist in Pozuzo auftauchte und sich Josef und einer anwesenden Gruppe von Pozuzinern näherte, um Informationen über die Sehenswürdigkeiten des Ortes einzuholen.

Hilfe aus Leutasch

Der "europäische Herr" war Kurt Kluckner aus Leutasch. Er befand sich damals gerade auf einer halbjährigen Reise durch mehrere Staaten Südamerikas und nahm viele Strapazen auf sich, um die Tiroler Siedlung im peruanischen Regenwald kennenzulernen. „Ich bot ihm meine Dienste als Fremdenführer an, und wir stöberten innerhalb einer Woche jeden Winkel von Pozuzo und seiner Umgebung auf. Dabei wurden wir zu engen Freunden," berichtet Josef Franz Schuler. "Kurt fiel natürlich sofort auf, dass ich arg humpelte und unter starken Schmerzen in der rechten Hüfte litt!"
Kluckner, ein 58-jähriger Schlossermeister, bot seine Hilfe an und versprach, alles Erdenkliche zu unternehmen. Nach seiner Rückkehr setzte er alle Hebel in Bewegung, um Geld für seinen Freund zu beschaffen.

Stand am CYTA-Flohmarkt

Kurt Kluckner mietete einen Stand am bekannten Flohmarkt auf dem CYTA-Gelände, der an jedem Sonntag dort stattfindet. Dort bietet er seitdem Einrichtungsgegenstände, allerlei Tiroler Kuriositäten, Werkzeuge, Maschinen und vieles andere mehr an! „Die Pozuziner brauchen unsere Hilfe. Sie knnen sich wirklich nur das Allernotwendigste leisten. Für mehr reicht es nicht“, erklärt Kluckner.

Spendenerlöse für Flugtickets

Durch den Verkaufserlös und die Spenden verschiedener Vereine schaffte es Kurt Kluckner, das Geld für das Flugticket nach Innsbruck aufzutreiben. Aus seiner eigenen Tasche kam der Leutascher weitere, für verschiedene Behördengänge anfallende Kosten auf und unterstützte darüber hinaus die zu Hause gebliebene Familie. Schulers Gattin Norma Chamorro Salcedo und seiner Kinder Hillary (16) und Adolf (6) wurden so versorgt.

Depression und weiterer Schicksalsschlag

Trotz der großen Hilfe litt Josef Franz Schuler anfänglich unter Depressionen – just in dieser traurigen Lebensphase gab es einen weiteren schweren Schlag: Während eines Bauernfestes im Oktober des vergangenen Jahres explodierte ein Feuerwerkskörper in den Händen seines Sohnes Adolf. Im Spital von La Merced wollte man dem Kind beide Hände amputieren – zudem schien auch das Augenlicht gefährdet. Im Spital von Lima gelang es schließlich, sowohl Finger als auch Sehkraft zu retten – die Operationen verliefen erfolgreich!

Adolf Schuler
Ein weiterer schwerer Schlag: Sohn Adolf wurde bei einer Explosion schwer verletzt!" (Foto: privat)


Hüftoperation

Der Stand am CYTA-Flohmarkt blieb bestehen, es gab weitere Spenden – für die notwenige Hüftoperation reichte das Geld trotzdem nicht. Im Juli 2016 war Kluckner bei der Vorstellung eines neuen Pozuzo-Buches durch dessen Autor, Professor Dr. Wilfried Schabus, im Stift Stams dabei. Aus diesem Werk erfuhr er von der Existenz des „Freundeskreises für Pozuzo“ mit Sitz in Silz/Tirol. Obmann Rudi Heinz organisierte die Hüftoperation, die erfolgreich verlief. Jetzt braucht es eine physiotherapeutische Nachbehandlung – aber die Zeit läuft Schuler davon!

Aufenthaltsbewilligung abgelaufen

Am 25. Juni 2017 muss Josef Franz Schuler nach Peru zurückkehren, da seine Aufenthaltsbewilligung abläuf. Die intensiven Versuche des Ehepaares Kurt und Elinor Kluckner, eine Verlängerung dieses Aufenthalts zu erhalten, waren bisher nicht von Erfolg gekrönt.
Die behandelnden Ärzte haben außerdem den Termin für eine notwendige Nachuntersuchung auf den kommenden Oktober festgesetzt und eine weitere physiotherapeutische Behandlung dringend nahegelegt, die nach der Rückkehr nach Pozuzo nur mehr sehr schwer zu bewerkstelligen wäre.

Hoffnung für "Bruder aus Pozuzo"

Kurt Kluckner hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sein „Bruder aus Pozuzo“ in Tirol bleiben darf, und verkauft weiterhin seine Sachen am CYTA-Flohmark in Völs, dessen Besucher auf einer dort angebrachten Tafel den karitativen Zweck erfahren können: „Wir sammeln für einen Tiroler aus Pozuzo (Peru). Danke!“
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.