31.10.2017, 20:09 Uhr

Die Rückkehr des Weißen Kemater Tirggens

Freunde des Weißen Kemater Tirggens: Hannelore Berger-Hamerle, Luis Kinzner, Toni Raitmair, Hannes Küng, Pepi Kinzner, Stefan Kinzner, Thomas Raitmair, Johann Ostermann (Foto: privat)

Der Gemeinschaft „Freunde des Weißen Kemater Tirggen“ ist es gelungen, der alten Landsorte wieder Leben einzuhauchen!

Wie seinerzeit berichtet, wurde in Kematen auf Initiative von Hannelore Berger-Hamerle durch den "Traditionsverein Scharfes Egg" im Jahr 2010 an einem Originalstandplatz bei der Maschinenhalle ein neues Tirggenhäusl errichtet. Der Tirggenanbau hat in Kematen schon lange Tradition.


Bäuerliches Kulturgut

Aus der Chronik geht hervor, dass bereits im 17. Jahrhundert Tirggen angebaut und auf Stangen an den Höfen getrocknet wurde. Um ca. 1860 wurden zur Trocknung eigene Tirggenhäuseln im ganzen Ort gebaut. Durch die Silowirtschaft verschwanden Ende der 1970er Jahre die Tirggenhäusl aus dem Ortsbild von Kematen – und damit auch die alte Landsorte „Weißer Kemater Tirggen. Luis Kinzner, Mitglied des "Scharfen Egg", spielte mit dem Gedanken, den weißen Kemater Tirggen als bäuerliches Kulturgut wiederzubeleben.

Eine Handvoll Korn

Mit einer Leihgabe der Genbank des Landes Tirol wurde im Privatgarten die Keimfähigkeit getestet. "So ist es gelungen, aus einer Handvoll Korn den weißen Kemater Tirggen durch Vermehrung wieder heimisch zu machen", berichtet Hannelore Berger-Hamerle. "Bald wurde eine größere Anbaufläche benötigt." Johann Ostermann vom "Schmied Hof" stellt jährlich eine geeignete Fläche zur Verfügung. Den erhöhten Arbeitsaufwand unterstützen viele helfende Hände von Idealisten. Die einzelnen Arbeitsschritte vom Stipfeln (Setzlöcher vorbereiten), Setzen, Abriebeln, Reinigen der Körner und dem Mahlen des Kemater Tirggen werden zum Teil händisch und mit Hilfe traditioneller Arbeitsgeräte von anno dazumal erledigt.

Nach der Ernte

... und dem Ausmachen (das Entfernen der Flietschen vom Kolben) werden die Kolben im Tirggenhäusl getrocknet und ein Jahr später weiterverarbeitet. Hannelore Berger-Hamerle: "Von Franz Wiedenhofer, der die Kunst des Kolbenbindens beherrscht, werden Kolben zur Zierde gebunden. Im Tennen des Roßlerhofs von Pepi Kinzner wurde die beinahe 80 Jahre alte Knapp-Mühle der Familie wieder aufgebaut, in der die Tirggenkörner zu Mehl und Grieß mit dem typisch süßlichen Aroma vermahlen werden. Die Produkte werden am Erntedank-Sonntag der Bevölkerung zum Kauf angeboten und sind saisonal vor Ort zu erwerben."
Auch in der heimischen Gastronomie (Rauthhof und Altwirt) wird saisonal mit dem Plenten-Grieß gekocht. Die Flietschen des Kemater Tirggen haben natürlich auch auf den Kostümen der Brauchtumsgruppen in Zirl und Breitenbach weiter Bestand.
Erfreuliches Resümee: Der Gemeinschaft „Freunde des weißen Kemater Tirggen“ ist es gelungen, der alten Landsorte weißer Kemater Tirggen wieder Leben einzuhauchen.

Junge "Tirggenbauern"

Seit zwei Jahren begleiten Schüler der 2. Klasse der Volksschule Kematen übergreifend in die 3. Klasse, die Arbeiten im Tirggenjahr. Nach einer Theoriestunde in der Schule, sind die Kinder aktiv beim Setzen und Ernten am Feld bis zum Abriebeln, Reinigen und Mahlen in der Tennen beteiligt. Am Ende gibt’s für die Kinder Kuchen und Kekse aus „ihrem“ Tirggenmehl (glutenfrei). In so manch elterlichen Privatgärten sind über den Sommer Tirggen aufgegangen. Das Ziel ist es, den ein oder anderen jungen „Tirggenbauer“ auch in Zukunft für diese regionalen Produkte zu begeistern.
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