30.08.2014, 22:19 Uhr

Kalkkögel-Erklärung der Staatspreisträger

Karlheinz Baumgartner, Peter Haßlacher, Fritz Gurgiser (Foto: Bürgerklub)

... der Tiroler Konrad Lorenz-Staatspreisträger für Natur- und Umweltschutz für ihren „Einsatz für das Unwiederbringliche in der Natur und in der Umwelt“
Karlheinz Baumgartner, Steeg, Anton Draxl, Lienz , Fritz Gurgiser, Vomp, Peter Haßlacher, Igls, Wolfgang Retter, Lienz

Wörtlich übernommene Aussendung:

Wir als die Tiroler Konrad Lorenz-Staatspreisträger für Natur- und Umweltschutz appellieren in unserer persönlichen Verantwortung an Politik, Interessensvertreter, Tourismusverantwortliche u. a., das von Eduard Wallnöfer ins Leben gerufene „Ruhegebiet Kalkkögel“ (Verordnung der Tiroler Landesregierung vom 26.07.1983; LGBl Nr 56/1983) in seiner Größe von 76.945 ha unverändert und unversehrt zu lassen und von Plänen eines „Zusammenschlusses Axamer Lizum – Schlick“ („Arge Brückenschlag“) ebenso Abstand zu nehmen wie von einer langfristig „geplanten und gewünschten Gesamterschließung“ (wie von TVB-Obmann Stubai, Sepp Rettenbacher, schriftlich festgehalten).

Im Besonderen appellieren wir daher an die Betreiber des Zusammenschlusses von Lizum-Schlick,
● das Ruhegebiet Kalkkögel und die damit verbundene Landes- und Bundesgesetzgebung sowie die internationalen Verpflichtungen zu respektieren und zu achten. Die Republik Österreich, das Bundesland Tirol und die Alpenkonventionshauptstadt Innsbruck haben alle geeigneten Maßnahmen zur Vermeidung von Zerstörungen dieses Schutzgebietes zu treffen, um nicht vertragsbrüchig zu werden;

● daraus ableitend mit den Umlandgemeinden eine intensive Diskussion mit dem Ziel zu führen, in verbindlichen langfristigen Vereinbarungen die Beibehaltung und Aufwertung der lokalen touristischen Angebote ebenso zu sichern wie eine Stärkung des ländlichen Raumes in allen arbeitsplatzsichernden Branchen in Gewerbe, Handel, Landwirtschaft und Industrie, damit die längst schleichende Entleerung gestoppt wird und jungen Menschen mit guten Ausbildungen die Chancen geboten werden, eine familiäre und wirtschaftliche Existenz in ihrer Heimatgemeinde aufzubauen, statt in den überfüllten Ballungsraum Inntal oder gar noch viel weiter auszupendeln oder abzusiedeln, wo die Perspektiven auch nicht rosig sind;

● daraus ableitend, sämtliche Inhalte und Verpflichtungen aus den Durchführungsprotokollen der Alpenkonvention in allen arbeitsplatzerhaltenden und –schaffenden Bereichen zu nutzen und als Grundlage für die längerfristig zu geltenden Vereinbarungen zu verwenden. Diese Protokolle der Alpenkonvention, ihre Alpenzustandsberichte und die zahlreich vorhandenen Ergebnisse aus Arbeitsgruppen und Workshops wären unter der Federführung des Generalsekretariats, welches als Alpen-Think tank par excellence zweifelsfrei über den besten Gesamtblick und die größte alpenweite Erfahrung verfügt, am vortrefflichsten geeignet, mit klugen Lösungen den Problemen und der Entleerung des alpinen ländlichen Gebirgsraumes entgegenzuwirken. Es wäre unklug, auf dieses Know-how zu verzichten und dieses Lösungspotenzial brach liegen zu lassen.

Begründung:
Wir sehen das Ruhegebiet Kalkkögel als unverzichtbaren Natur- und Erholungsraum für Jung und Alt, Einheimische und Gäste in unmittelbarer Nähe der Landes- und Alpenkonventionshauptstadt Innsbruck. Das Ruhegebiet Kalkkögel wird seit vielen Jahren von der Österreich-Werbung weltweit als einzigartiges Naturjuwel in Verbindung mit den Tiroler Qualitätskriterien „gesunde Luft, gesundes Wasser, Ruhe, Erholung und erstklassige Gastronomie“ beworben.
Uns allen, die wir mit diesem Staatspreis ausgezeichnet wurden, geht es in wie in der Vergangenheit darum, Vertragstreue – pacta sunt servanda – in Bezug auf Naturschutz einzufordern und mit dieser Vertragstreue auch ein klares Zeichen zu setzen:
Effektiver Naturschutz und effektiver Arbeitsplatz- und Wirtschaftsstandortschutz schließen sich nicht aus, sondern gehören im Bundesland Tirol auf Grund seiner einzigartigen Topografie und seiner natürlichen Enge und Begrenztheit zusammen wie siamesische Zwillinge. Dazu sei auch folgender Befund in Erinnerung gerufen:
„Es nützt der beste Arbeitsplatz nichts, wenn der Natur- und Lebensraum nicht intakt ist und es nützt der beste Naturschutz nichts, wenn die Menschen keine Arbeit und Beschäftigung haben“.
In diesem Spannungsfeld ist auch der politische Konflikt rund um das Ruhegebiet Kalkkögel zu sehen und er ist nicht damit zu lösen, dass im Jahr 2014 ff versucht wird, mit Modellen aus der Zeit der Wiederaufbauphase längst heranwachsende existenzielle Probleme der Bevölkerung und Wirtschaft im Stubaital wie im Westlichen Mittelgebirge zu lösen.
Die schleichende Entleerung unserer Täler von gut bezahlten Arbeitsplätzen, die Flucht junger, gut ausgebildeter Menschen in die Zentralräume, der Verkauf von Hotels an internationale Ketten oder private Investoren, die Beschäftigung von Personen mit geringen Einkommen können nicht mit der Veränderung eines bewährten und weltweit beworbenen Ruhegebietes gestoppt werden. Ebenso ist es angesichts der Budgetlagen und unter Beachtung des Gleichbehandlungsgrundsatzes nicht mehr zeitgemäß und gerecht, mit Millionen Euro an Steuergeldern und Zwangsbeiträgen eine einzelne Branche zu subventionieren, wo niemand für die „Wirtschaftlichkeit“ der eingesetzten Steuergelder garantieren kann. Es soll nach neuesten Aussagen mit diesen Steuergeldern de facto nur eine „Verschiebung bzw. Anlockung von Kunden“ aus verschiedenen umliegenden kleinen Familienschigebieten sowie weiter entfernten Schigebieten erreicht werden, weil sogar die Befürworter selbst (!) öffentlich erklären, dass es in Zukunft „weniger Schifahrer“ geben soll.
Ruhe- und Schutzgebiete stellen für uns „Staatpreisträger für Umweltschutz“ keine isolierten Inseln in der Region dar. Tirol setzt in vielen Schutzgebieten des Landes durch intensive Betreuung und Regionalentwicklung Maßstäbe im Schutzgebietsmanagement im gesamten Alpenraum. Diese Chance ist auch für dieses Ruhegebiet und seine Umgebung stärker zu ergreifen.
Eine Aufwertung der Ruhegebietsregion könnte durch die derzeit noch im Konsultationsverfahren stehende EU-Alpenraumstrategie und dabei insbesondere durch Maßnahmen der Säule 3 „Den Alpenraum ökologisch nachhaltig und attraktiv gestalten“ erreicht werden.

Schlussbemerkung;
Wir stellen diese „Kalkkögel-Erklärung“ allen Entscheidungsträgern zur Verfügung und werden mit unserem Fachwissen und Engagement allen zur Seite stehen, die sich so wie wir in Bezug auf das „Ruhegebiet Kalkkögel – Nordtiroler Dolomiten“ auf Vertragstreue im Umgang mit Naturschutz im Öffentlichen Interesse für Einheimische und Gäste verlassen. Und die sich damit klar FÜR den Schutz und Erhalt dieses einzigartigen und weltweit bekanntesten Nordtiroler „Ruhegebietes Kalkkögel – Nordtiroler Dolomiten“ einsetzen.

Alle Infos zum Brückenschlag auf einen Blick
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