Ärzte klären auf
Coronavirus: Müssen wir uns fürchten?

Aktuell ist der Coronavirus nur in Wuhan bzw. bei Menschen, die aus dieser Metropole kommen, festgestellt worden.
2Bilder
  • Aktuell ist der Coronavirus nur in Wuhan bzw. bei Menschen, die aus dieser Metropole kommen, festgestellt worden.
  • Foto: pixabay
  • hochgeladen von Maria Jelenko-Benedikt

Bereits neun Menschen sind infolge einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus in China gestorben. Der Erreger dürfte sich schneller ausbreiten als bisher angenommen. Nun gibt es auch in den USA den ersten Fall. Die Regionalmedien Austria (RMA) beantworten die wichtigsten Fragen.

Eines vorweg: Wir müssen uns nicht fürchten, so der Virologe Stephan Aberle vom Zentrum für Virologie an der Meduni Wien. Laut dem Experten handelt es sich bei dem Coronavirus um einen SARS-ähnlichen Virus, das Lungenerkrankung hervorrufen kann. Die Erkrankung sei aber weniger schwer, als etwa bei SARS oder MERS (ebenfalls ein Corona-Virus, der aus Saudiarabien kommt und über Dromedare übertragen wird). Noch kenne man die Auswirkungen des Coronavirus noch nicht exakt, wisse auch noch zu wenig, wie viele infizierte Menschen die Krankheit, wenn sie einmal ausgebrochen ist, überstehen, so der Arzt weiter.

Insgesamt wurden bisher über 400 an der neuartigen Lungenkrankheit Infizierte innerhalb kürzester Zeit gezählt, die Dunkelziffer dürfte höher sein. Die geographische Ausbreitung ist aber relativ begrenzbar: 170 Patienten sind es alleine in der zentralchinesischen Metropole Wuhan, wo die Krankheit Ende Dezember zum ersten Mal auf einem Fisch- und Geflügelmarkt aufgetreten war. Der Markt wurde daraufhin am 1. Jänner 2020 geschlossen und desinfiziert. 

Zu den Symptomen der Lungenerkrankung zählen Fieber und eine Infektion der oberen Atemwege. Nun ist auch in den USA das Virus festgestellt worden, und zwar nahe der Großstadt Seattle, bei einem aus China eingereisten Mann, wie die US-Gesundheitsbehörde CDC mitteile. Der Mann, der in den USA lebt und nach Wuhan gereist war, wurde vorsichtshalber in einem Spital isoliert. Jetzt weiten die USA ihre Kontrollen an allen Flughäfen aus.

"Übertragung dürfte nicht allzu leicht sein"

Zwar sei eine Übertragung des Coronavirus von Mensch zu Mensch festgestellt worden, doch sei eine Ansteckung doch nicht allzu einfach, konstatiert Aberle im RMA-Gespräch. So seien von den ersten Fällen 900 Kontaktpersonen eruiert worden, diese seien aber nicht krank geworden, so der Experte. Auslöser dürften Tiere, nicht aber Fische sein. Um welche Tiere es sich konkret handelt, sei noch nicht exakt festgestellt worden. 

Coronoavirus: Müssen sich Reisende sorgen?

"Auch Menschen, die geschäftlich nach China reisen, müssen jetzt keine Angst haben", so Aberle. Meist kommen Geschäftsleute nur wenig mit Einheimischen in Berührung. In anderen asiatischen Ländern sei noch keine Ansteckung bekannt geworden.

Außenministerium: Hinweise, keine Reisewarnung

Auf der Seite des österreichischen Außenministeriums ist aktuell keine Reisewarnung herausgegeben worden, doch findet sich ein entsprechender Hinweis auf der Website. Dort heißt es: 

"Seit Dezember 2019 wurden in Wuhan (Hauptstadt der Provinz Hubei) und in weiteren Provinzen zahlreiche Fälle einer unbekannten Lungenkrankheit diagnostiziert. Bei den Erkrankten wurde eine Infektion mit einem neuartigen Coronavirus nachgewiesen. Die Fälle dürften mit dem Besuch eines inzwischen geschlossenen großen Fischmarkts in Wuhan in Zusammenhang stehen. Derzeit kann eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung nicht ausgeschlossen werden. Zu den Symptomen der Lungenerkrankung zählen Fieber und eine Infektion der oberen Atemwege. Reisende sollten häufig die Hände waschen, sicherheitshalber eine Maske tragen, offene Märkte, Tiere und rohes Fleisch meiden und bei Auftreten der beschriebenen Symptome einen Arzt aufsuchen."

Zudem verweist das Außenamt auf die Seite des Sozial- und Gesundheitsministeriums. Dort sind weitere Details zur Viruserkrankung zu finden:

"Im Zuge der Untersuchungen wurden zunächst verschiedene Erreger von Infektionskrankheiten mit ähnlicher Symptomatik ausgeschlossen werden, darunter u.a. Influenza, SARS und MERS. Nach Angaben der WHO wurde am 7. Jänner in China ein neuartiges Coronavirus identifiziert, das mittlerweile bei 295 Personen festgestellt werden konnte, darunter auch 4 aus China importierte Fälle in anderen Ländern in der Region (Stand: 21.01.2020). Alle Betroffenen werden laut den zuständigen Behörden in medizinischen Einrichtungen isoliert und behandelt.

Keine Direktflüge nach Österreich

Die meisten bisherigen Fälle zeigten Krankheitssymptome wie Fieber, Husten und Atembeschwerden. Laut WHO besteht basierend auf den bisher vorliegenden Informationen die Möglichkeit einer Mensch-zu-Mensch Übertragung. Derzeit wird seitens der WHO keine Reise- oder Handelseinschränkung empfohlen.

Zwischen Österreich und der primär betroffenen Region in China gibt es keine Direktflüge. Ein großflächiges Verbreitungsrisiko der Krankheit außerhalb Chinas werde laut Gesundheitsministerium derzeit als gering eingestuft, auf Grund der möglichen Mensch-zu-Mensch Übertragung kann das Auftreten von Fällen innerhalb der EU nicht ausgeschlossen werden. Um eine weitere Ausbreitung zu unterbinden, kappte China am Mittwoch alle Verkehrsverbindungen nach Wuhan. Dies betrifft Busse, U-Bahnen, Züge, Fähren und auch den Flugverkehr in der 11-Millionen-Stadt. Zuvor waren bereits intensive Überwachungsmaßnahmen für Reisende aus Wuhan implementiert worden, um Verdachtsfälle rechtzeitig zu identifizieren

Verhaltenstipps vom Gesundheitsministerium

Reisende nach Wuhan, China, sollten folgendes während Ihres Aufenthalts beachten:

• Vermeiden Sie den Kontakt zu kranken Menschen
• Vermeiden Sie Kontakt zu Tieren (lebend oder tot)
• Märkte mit lebenden Tieren oder tierischen Produkten sollten gemieden werden
• Waschen Sie Ihre Hände regelmäßig mit Wasser und Seife
• Bedecken Sie Mund und Nase mit einem Papiertaschentuch (nicht mit den Händen), wenn Sie husten oder niesen

Reisende aus Wuhan, China, die Fieber, Husten oder Atemprobleme bekommen, sollten Folgendes beachten:

  • Sollten Sie während Ihrer Reise oder 14 Tage nach Ihrer Rückkehr aus China erkranken, bleiben Sie bitte zu Hause und kontaktieren Sie einen Arzt
  • Informieren Sie den Arzt über Ihre Reise nach China
  • Bedecken Sie Mund und Nase mit einem Papiertaschentuch (nicht mit den Händen), wenn Sie husten oder niesen

Österreich ist vorbereitet

Laut Aberle ist man in Österreich gerüstet für eine etwaige Diagnose. Auf der Seite des Gesundheitsministeriums heißt es konkret:

Information für medizinisches Fachpersonal bezüglich 2019-nCoV: Bei Vorliegen einer akuten respiratorischen Symptomatik (Fieber, Atembeschwerden beliebiger Schwere) bzw. klinischem/radiologischem oder histopathologischem Nachweis einer Pneumonie UND vorangegangenem Kontakt zu einem wahrscheinlichen oder bestätigten 2019-nCoV-Fall und/oder Aufenthalt in Wuhan (China) bis max. 14 Tage vor Symptombeginn sollte rasch die Abklärung einer möglichen Erkrankung durch 2019-nCoV durchgeführt werden.

Ein entsprechender Virusnukleinsäure-Nachweis ist nach telefonischer Rücksprache (01 40160 65517) am Zentrum für Virologie an der medizinischen Universität Wien möglich.

Aktuell ist der Coronavirus nur in Wuhan bzw. bei Menschen, die aus dieser Metropole kommen, festgestellt worden.
Stephan ABERLE, MedUni Wien
Autor:

Maria Jelenko-Benedikt aus Wieden

following

Du möchtest diesem Profil folgen?

Verpasse nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melde Dich an, um neuen Inhalten von Profilen und Bezirken in Deinem persönlichen Feed zu folgen.

37 folgen diesem Profil

Regionaut werden!

Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?
Werde Regionaut!

Regionaut werden!



Kommentare

online discussion

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Du möchtest selbst beitragen?

Melde Dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.