Causa Sperl
Abriss bei Nacht und Nebel

Das Sperl wurde trotz verhängtem Baustopp abgerissen. Dem Eigentümer droht eine Verwaltungsstrafe.

WIEDEN. Das ehemalige Gasthaus Sperl in der Karolinengasse wurde vergangene Woche abgerissen. Bereits zwei Tage vor dem Abriss, am Samstag, wurden Halteverbotsschilder aufgestellt – allerdings mit einem abgelaufenen Bescheid der zuständigen Magistratsbehörde MA 46 (Verkehrsorganisation).

"Aufgrund eines Beschlusses des Verwaltungsgerichts Wien konnten wir die Abbrucharbeiten wieder aufnehmen", sagt Andreas Schneider, Sprecher des Eigentümers Martin Hirl. Dieser hebt den Baustopp juristisch jedoch nicht auf.

Baupolizei stoppt Abriss

Um 4 Uhr Früh rollte der Bagger an. Zwei Stunden später waren auch die letzten Überreste des Sperls Geschichte. Bezirksvorsteherin Lea Halbwidl (SPÖ), die von Anrainern über den Abriss informiert wurde, verständigte umgehend die Baupolizei (MA 37). "Die Arbeiten wurden innerhalb von 30 Minuten gestoppt", so Halbwidl.

Geholfen hat das Eingreifen nicht mehr. Das Biedermeierhaus wurde fast vollständig abgerissen. "Die ganze Aktion war generalstabsmäßig geplant. Schon die Wintersicherung war ein Pseudo-Entgegenkommen", so Bezirksvorsteherin-Stellvertreterin Barbara Neuroth (Grüne). 

Runder Tisch 

ÖVP-Bezirksparteiobmann Johannes Pasquali sieht in der gegenwärtigen Situation das für alle Beteiligten denkbar schlechteste Ergebnis. "Die Bausubstanz des Hauses wurde gänzlich zerstört, statt neuen Wohnungen ziert nun eine Schutthalde den Bezirk." Pasquali fordert nun einen Runden Tisch mit Eigentümern, Anrainern und Bezirksmandataren, "um eine Lösung für diese inakzeptable Sachlage zu finden. So wie bisher kann es jedenfalls nicht weitergehen". 

Bezirkschefin Halbwidl sieht die Sache anders. "Ich bin immer offen für einen Dialog, egal zu welchem Thema. Aber hier sehe ich kein Ziel. Die Sache liegt beim Gericht und muss auch von diesem entschieden werden", so Halbwidl gegenüber der bz. Die Baupolizei stufte das Haus als erhaltungswürdig ein. Die tatsächliche Entscheidung liegt jedoch bei der Justiz.

Verwaltungsstrafe bis zu 100.000 Euro

Dem Eigentümer droht aufgrund der verfrühten Abrissarbeiten ein Verwaltungsstrafverfahren. "Es handelt sich hier um mehrere Straftatbestände", so Gerhard Cech, Leiter der MA 37. "Das Ausmaß der Strafe kann bis zu 100.000 Euro betragen. Für einen Abbruch ohne Bewilligung kann es sogar zu einer Haftstrafe kommen."

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