Biergreissler in der Josefstadt: "Die Hopfung stirbt zuletzt"

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JOSEFSTADT. 13 Uhr in der Josefstadt. Für Interviewtermine um diese Uhrzeit gibt's für gewöhnlich ein Glas Wasser, vielleicht eine Tasse Kaffee. "Magst a Bier?", fragt Max Gaspar gleich zu Beginn des Gesprächs. Kaffee kann er zwar ebenso anbieten, in Sachen Bier fällt seine Auswahl jedoch deutlich umfangreicher aus. Gaspar blickt auf ein Sortiment von fast 400 Sorten - aus 20 verschiedenen Ländern. Was als Onlinehandel begann wurde in der Lederergasse 4 unlängst zum Biergreissler der Josefstadt.

Trugen Gaspars erste Brauversuche noch erheblich zum verfrühten Ableben seines Glühweinkochers bei, sieht die Lage heute schon ganz anders aus: Hell, dunkel, fruchtig, Pale Ale, Damfbier, limitierte Sondereditionen. Der 44-Jährige kennt sie alle, hat sie alle. Selbst veganes und glutenfreies Bier hat Gaspar auf Lager. Im Sommer werden traditionell leichtere und fruchtigere Bier gekauft, weiß der Experte. Für die Wiener Kundschaft seien insbesondere bayerische Biere attraktiv. Aber auch österreichische Brauereien seien stark im Kommen. Er selbst trinke am liebsten dunkle Biere, Stout oder Porter zum Beispiel. Sein Liebling für diese Jahreszeit: New England Indian Pale Ale. Klingt exotisch, schmeckt fruchtig und ist auch in Wien immer mehr auf dem Vormarsch, so Gaspar.

"Dieser Geruch nach Brauerei im Haus..."

Lange Zeit arbeitete der Biersommelier als Vertriebsmanager bei Shell, reiste viel durch die Welt. Das Souvenir für die Frau zu Hause war meist flüssig, ummantelt von braunem Glas. Eigentlich habe er lange mit dem Gedanken gespielt, im eigenen Keller ein Pub zu eröffnen, so Gaspar. Irgendwann habe er dann auch begonnen, selbst zu brauen und sei so - buchstäblich - auf den Geschmack gekommen. "Dieser Geruch nach Brauerei im Haus...", schwärmt Gaspar. Aus den ersten alkoholischen Geh- und Gärversuchen wurde schnell ein Hobby, darauf folgte die Sommeliersausbildung.

Als er dann beruflich ins Ausland wechseln sollte, kündigte er seinen Job und traf eine "Entscheidung zu Gunsten von Heimat und Familie", so Gaspars. "Ich suchte irgendwas, was mir wirklich Spaß macht", erklärt der 44-Jährige. Gesagt, getan: Im Mai 2014 eröffnete er seinen Onlineshop, bediente gleichzeitig in seiner oberösterreichischen Heimat mehrere Events. Am Spittelberger Weihnachtsmarkt folgte dann auch der erste Kontakt mit Wien. Für die Eröffnung eines Biergreisslers seien grundsätzlich drei bis vier Bezirke in Frage gekommen, die Josefstadt habe sich als am sympathischsten erwiesen.

Craft-Beer-Freaks und Unerfahrene

Seine Kundschaft lasse sich grob in drei Kategorien unterteilen: Da seien zum einen die "Craft-Beer-Freaks", jene also die von weit her kommen um ganz bestimmte Sorten zu erwerben. Die zweite Gruppe nennt Gaspar "die Unerfahrenen", jene die jungfräulich - um im Jargon zu bleiben - ins Lokal stolpern und sich mal umsehen. Die letzte Gruppe seien jene, die vor allem ob des Namens mal einen Blick ins Lokal werfen. Vor allem die erste Gruppe sei in der "Tendenz steigend", so Gaspar.

Zum Verkosten gibt's im Lokal verschiedene Fassbiere sowie Literatur rund ums Flüssiggold und dessen Herstellung. Essen wird im Lokal zwar keines angeboten, gerne könne man aber seine eigenen Speisen mitbringen, so Gaspar. Ab Herbst soll es im Nebenraum zudem ein eigenes kleines Lokal für Verkostungen und Vorträge über das Hopfengetränk geben. Und für alle Bierbrau-MacGyver bietet der Greissler eigene Kits zum Selberbrauen. Ob das Brauerlebnis für zu Hause auch gleich beim ersten Mal gelingt, sei zwar dahingestellt, aber so steht's zumindest im Lokal: "Die Hopfung stirb zuletzt!" Prost!

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