Volksanwaltschaft ermittelt
Bundesländer warnen vor "Original Play"

Der Verein "Original Play" weist die Vorwürfe zurück.
  • Der Verein "Original Play" weist die Vorwürfe zurück.
  • Foto: Jacqueline Schneider
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Nach den Missbrauchsvorwürfen gegen den Verein "Original Play" wurde am Montag auch die Volksanwaltschaft tätig. Der Verein nahm am Dienstag erneut Stellung zu den Vorwürfen.

ÖSTERREICH. Das Konzept der "körperbezogenen Arbeit" des Vereins im Umgang mit Kindergarten- und Schulkindern war nach schweren Kindesmissbrauchsvorwürfen in Deutschland unter Kritik geraten. Nachdem die Missbrauchsfälle von ARD und ORF aufgedeckt wurden, meldete sich am Montag die Volksanwaltschaft zu Wort. Mitglieder des auch in Österreich tätigen Vereins würden mit den Kindern „spielend raufen und rangeln“. Körperbetontes Spielen sei, wie Experten betonen, zwar für Kinder wichtig, jedoch mit Vertrauenspersonen, etwa den Eltern. Volksanwalt Walter Rosenkranz (FPÖ) kündigte per Aussendung ein Prüfverfahren an. "Der Grat zwischen Berühren und Belästigung ist ein schmaler, deshalb handelt es sich um einen äußerst sensiblen Bereich“, erklärte Rosenkranz. 

Verein weist Vorwürfe zurück

"Original Play" nahm am Dienstag per Aussendung Stellung: Man nehme die aktuellen Vorwürfe ernst, auch wenn in Österreich kein Fall von Übergriffen oder Missbrauch bekannt sei. Der Verein arbeite gemeinsam mit den zuständigen Behörden und mit Kinder- und Gewaltschutzeinrichtungen an der vollständigen Aufklärung. "Aber auch an Schritten und Rahmenbedingungen, die es braucht, um unsere und ähnliche Angebote sicherer zu machen", hieß es weiter.

Umfrage

Laut Volksanwaltschaft seien weitere Fakten bekannt geworden, dass das Personal des Vereins schon nach einer zweitägigen Ausbildung in Kindergärten und Schulen eingesetzt werde und der Umstand, dass der Verein bei Einstellungen keinen Strafregisterauszug verlange.

"Die Volksanwaltschaft wird sich daher an die Landeshauptleute hinsichtlich der Kindergärten und an die Bildungsministerin betreffend die Schulen wenden und sie um Auskunft ersuchen, wie viele Einsätze von "Original Play" es jeweils gegeben hat und ob es auch schon zu Beschwerden gekommen ist. Auch, ob die Eltern vorab über den Einsatz des Vereins an den betreffenden Bildungsstätten informiert wurden, würde uns interessieren", erklärt Volksanwalt Rosenkranz.

"Original Play" bestreitet eine zweitägige Ausbildungszeit: "Wir wiederholen, dass Workshop-TeilnehmerInnen nicht nach zweitägigen Workshops als zertifizierte 'Lehrlinge' gelten. Wir erteilen keine solchen Zertifizierungen." Man biete Einführungsworkshops an, Vertiefungsseminare und praktisches Training – alle unter Supervision von Fred Donaldson oder Jolanta Graczykowska. Alle gelisteten Lehrlinge seien seit Jahren aktiv und hätten großteils pädagogische, soziale oder Gesundheitsberufe.

Konsequenzen in den Bundesländern

Der Verein ist in zahlreichen Kindereinrichtungen in Österreich aktiv. In Salzburg hatte Bildungslandesrätin Maria Hutter (ÖVP) gemeinsam mit der Bildungsdirektion den Schulen am Montag ab sofort verboten, den umstrittenen Verein zu beschäftigen. 

„Das machen wir aus einem sehr guten Grund: Wir lernen alle unseren Kindern, dass man Vorsicht bei Fremden walten lassen muss", so Hutter. Es passe nicht, wenn "wildfremde Menschen innerhalb von Minuten mit Kindern anfangen sich zu berühren, zu kuscheln, oder was auch immer“, so die Landesrätin.

Auch in Niederösterreich darf der Verein nicht mehr tätig sein. Wien empfahl Kindergärten und Schulen, die Kooperation einzustellen. Der oberösterreichische Bildungsdirektor Alfred Klampfer sagte gegenüber Ö1, dass er den Fall genau prüfen und den Schulen empfehlen wolle, zumindest vorläufig nicht mehr mit dem Verein zu arbeiten. Ihm sei allerdings nicht bekannt, dass irgendetwas vorgefallen sei oder dass sich Eltern beschwert hätten.

In Vorarlberg bestätigte Heidemarie Thalhammer von der Abteilung Elementarpädagogik im Amt der Vorarlberger Landesregierung die Anwendung der Methode von Original Play in Vorarlberg. Beschwerden darüber habe es aber bisher keine gegeben.

Auch in Kärnten veranlasste Landeshauptmann Peter Kaiser, dass Kärntner Kindergärten vor "Original Play" gewarnt werden.

Autor:

Julia Schmidbaur aus Wieden

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