Grund zur Sorge? Bürgerwehr patroulliert jetzt in Wien-Nord

Vereint mit Pfefferspray gegen mögliche Verbrecher: In Floridsdorf ist das zur Realität geworden.
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WIEN. Auf Facebook formierte sich die Gruppe "Bürgerwehr Wien/Wien-Umgebung" und hat prompt über 3.600 Likes. "Bürgerwehr ist Schutz von Bürgern, wahrnehmen und, wenn möglich, verhindern von Straftaten, aber einfach auch nur präsent sein", ist dort zu lesen. In den sozialen Medien sorgt die Bürgerwehr für viel Aufsehen - in den Kommentaren ist Zuspruch zu finden, aber es hagelt auch ordentlich Kritik. Über Facebook versuchen die besorgten Floridsdorfer, neue Hilfsheriffs zu rekrutieren.

Die bz hat mit dem Gruppengründer Christian S. (50) über Pläne, Bewaffnung und Gewaltmonopol gesprochen.

Warum gründet man überhaupt eine Bürgerwehr, Herr S.?
Möglicherweise ist es ein subjektives negatives Sicherheitsgefühl, aber ich beobachte in den letzten Jahren gerade auf Hotspots wie Bahnhöfen, dass sich die Situation wesentlich verschlechtert hat - Stichwort Franz-Jonas Platz und Praterstern. Dort sind nachts auch kaum Polizisten zu sehen. Die Polizeipräsenz sollte viel höher sein. Die Bevölkerung beschwert sich über mangelnde Sicherheit. Wir bäuchten in Wien mindestens 300 Polizisten mehr. Deswegen gehen wir spazieren.

Auf Facebook suchen Sie nach Menschen, die mit Ihnen auf die Straße sollen. Gehen Sie bereits auf Patrouille?
Ja, wir sind seit geraumer Zeit anonym unterwegs. In erster Linie im 21. Bezirk und in Wien-Nord allgemein. Derzeit sind wir zehn Personen, die in unterschiedlichen Konstellationen zwei- bis dreimal pro Woche eine Runde gehen. Wir haben jedoch keine fixen Routen oder fixe Zeitpläne. Wir sind alle berufstätig und investieren unsere Freizeit. Die meisten Leute sind aus Floridsdorf.

Wie wollen Sie auf der Straße eingreifen?
Wir machen nicht mehr, als jedem Österreicher zusteht: Bei Straftaten wollen wir die Polizei rufen und im Extremfall eingreifen. Wir sehen uns jedenfalls als Unterstützer der Polizei. Wir sind alle Bürger wie du und ich, haben normale Jobs und treffen uns in der Freizeit als Bürgerwehr. Wir sind auch parteilos. Also natürlich darf jeder wählen was er will, aber wir distanzieren uns von jeder Partei. Unsere Arbeit ist auch großteils präventiv: Wir informieren auf Facebook über Selbstverteidgungskurse und mehr.

Sie gehen aber dennoch als Privatperson "auf Streife". Wie können Sie eine gewisse Professionalität unter ihren Leuten garantieren? Exekutivbeamte sind ja besonders geschult, damit eine Situation eben nicht eskaliert.
Wir suchen die Personen genau aus und versuchen nur charakterfeste Menschen zu rekrutieren. Menschen aus dem Security-Bereich sind uns am liebsten. Die haben Erfahrung. Natürlich werden wir Notwehrsituationen erleben, aber jede Form der Selbstjustiz wird von uns nicht geduldet.

Hatten Sie bereits einen Vorfall, wo sie einschreiten mussten?
Nein. Aber warten wir was im Frühjahr/Sommer passieren wird. Derzeit ist es bestimmt auch wetterbedingt sehr ruhig auf den Straßen.

Muss ich jetzt Angst haben, vor selbsternannten Ordnungshütern Rechenschaft ablegen zu müssen?
Nein. Es wird von uns niemand angehalten. Das haben wir nicht vor. Natürlich werden wir auffällige Personen auf der Straße beobachten, aber das machen Mieter in einem Mehrparteienhaus doch auch, wenn sich ein nicht bekannter, auffälliger Mensch im Stiegenhaus befindet. Wir können maximal stehenbleiben, beobachten und im Fall des Falles den Notruf wählen.

Tragen Sie Waffen?
Wir sind nicht bewaffnet. Wir tragen keine Schlagringe, Schlagstöcke oder andere Waffen durch die Gegend. Aber Pfefferspray finde ich als Selbstverteidgungswaffe legitim. Den werden derzeit grundsätzlich sehr viele tragen.

Wie ist ihr Verhältnis zur Polizei? Wollen Sie das Gewaltmonopol des Staates in Frage stellen?
Wie gesagt, wir sehen uns als Unterstützer der Polizei. Doch wir wissen aus den Zeitungen, dass die Polizei gegen uns ist. Bisher hat sich aber noch niemand bei uns gemeldet. Die wissen ja, wie sie uns erreichen können.

Auf Facebook steht, sie wollen "Frauenbegleiter" auf Ihre Warnwesten drucken?
Frauenbegleiter war vielleicht ein Schnellschuss. Das klang anfangs nicht schlecht, wurde aber sehr ins Lächerliche gezogen. Wahrscheinlich provoziert der Begriff "Frauenbegleiter" auch unnötig. Das war ein Fehler unsererseits. Sollten wir die entsprechende Größe erreichen, wollen wir Warnwesten mit dem Label "Bürgerwache" tragen.

Vereint mit Pfefferspray gegen mögliche Verbrecher: In Floridsdorf ist das zur Realität geworden.

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