Mama ist nicht in der U-Bahn!

Der Aufreger: Richard Jochums „Gesichtsschwund“-Videoinstallation spaltet die Geister.
  • Der Aufreger: Richard Jochums „Gesichtsschwund“-Videoinstallation spaltet die Geister.
  • hochgeladen von Petra Bukowsky

Die verzweifelten Mama-Rufe eines jungen Mannes irritieren und erschrecken Fahrgäste. Doch nicht „Mama“ wird gesucht, sondern Kindheitserinnerungen.

(sm/pb). Richard Jochums Kunstinstallation in der Passagegalerie des Künstlerhauses hat hohe Wellen geschlagen und ein großes mediales Echo hervorgerufen. Die Mama-Rufe des Mannes lösen in den Passanten Emotionen aus.

Emotionen pur
Beinahe im Sekundentakt reißt der lauthalse Ruf nach „Mama!“ die Passanten aus dem sturen Alltagseinerlei. Vom nackten Erschrecken über zutiefste Verwirrung bis hin zu Sorge, ob ein Mensch vielleicht Hilfe braucht ist jede Emotion greifbar. „Hört des denn nie auf“, fragte ein schnell vorbei hastender Mann genervt. Ein anderer U-Bahnbenutzer antwortet mit einem lachenden „Ja? Unheimlich.“ „Dieses panische ‚Mama‘ erweckt in mir Beschützerinstinkte“, ist eine Dame irritiert.

Aber ist Jochums „Unvorhergesehener Gewichtsschwund“ tatsächlich so skandalös? Und welche Absichten stecken wirklich hinter diesem Projekt? Die bz ist dieser Frage für Sie nachgegangen und hat sich vor Ort ein Bild gemacht, sowie den Künstler in seiner Wahlheimat New York aufgestöbert und ihn persönlich zum Thema befragt. (Interview weiter unten im Text).

Jochum selbst versteht die Aufregung um sein Werk nicht so ganz. „Es geht dabei um das Verhältnis zu unseren Eltern. Egal, wie alt wir sind, dieses Thema begleitet uns“, sagt er über seine Arbeit. Die Installation ist bis 20. Februar in der Passagengalerie zu sehen.

Interview mit Richard Jochum:
„Kunst muss konfrontieren!“
bz: Überrascht es Sie, dass Ihr „Gesichtsschwund“ solchen Wirbel auslöst?
RICHARD JOCHUM: „Das war für mich nicht vorhersehbar, und es war auch nicht meine Intention. Allerdings trägt der Karlsplatz mit seiner Drogenproblematik als Ort im öffentlichen Raum zu den Reaktionen bei. Kunst hat die Aufgabe zu konfrontieren. Provokation muss aber nicht sein.“

bz: Was wollten Sie mit der Installation erreichen?
RICHARD JOCHUM: „Das Konzept Mama ist für uns alle sehr emotional besetzt und weckt Kindheitserinnerungen. Die Eltern begleiten uns in irgendeiner Form ein Leben lang. Als Kinder sind wir von ihnen abhängig, im Laufe der Zeit, wenn sie alt werden, kehrt sich das Verhältnis oft um. Auch im Augenblick des Sterbens rufen viele Menschen nach ihrer Mutter. „Mama“ ist universell.“

bz: Ihre Zwischenbilanz zur Ausstellung in der Passage?
RICHARD JOCHUM: „Ich habe nicht beabsichtigt, dass die Wogen so hochgehen. Aber das zeigt auch, dass es eine Arbeit ist, die einen Nerv trifft und den Menschen unter die Haut geht.“

Wo: brut Künstlerhaus, Karlsplatz 5, 1010 Wien auf Karte anzeigen

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