Süßes Handwerk: Zu Besuch in der Zuckerlwerkstatt in der Rainergasse

Christian Mayer im Schaubetrieb im Hochhaus in der Herrengasse.
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  • Christian Mayer im Schaubetrieb im Hochhaus in der Herrengasse.
  • Foto: Zuckerlwerkstatt
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WIEDEN. Oft verändert eine Reise das ganze Leben. Bestes Beispiel ist Christian Mayer. Der Sänger besuchte mit seiner Frau Maria Scholz, einer Juristin, bei einem Schwedenurlaub vor fünfeinhalb Jahren zufällig eine Zuckerlmanufaktur in Stockholm. "Uns hat es von der ersten Sekunde an erwischt. Es war sofort eine extreme Affinität da", berichtet Mayer. Die Faszination war so groß, dass Mayer und Scholz ihre bisherigen Berufe an den Nagel hängten und bereits zehn Monate nach dem schicksalshaften Besuch eine eigene Zuckerlmanufaktur im Hochhaus in der Herrengasse eröffneten. Seitdem ist ihr Unternehmen Zuckerlwerkstatt um eine Filiale in Salzburg, einen internationalen Kundenstock und einer weiteren Manufaktur im vierten Bezirk gewachsen.

"Wieden als Standort war eine bewußte Entscheidung. Wir haben vorher neben dem Schaubetrieb in der Herrengasse in Purkersdorf in einem Industriegebäude die Zuckerl hergestellt, wollten aber in die Stadt näher zum Kunden. Wir haben nichts zu verstecken. Deshalb können die Passanten auch durch die Fenster beim Zuckerlmachen zusehen",  so Mayer und blickt durch die Scheibe der ebenerdigen Manufaktur auf die Rainergasse hinaus. Wie im Zoo wird der Blick erwidert, neben einer älteren Dame beobachten auch eine Mutter mit einem Kleinkind Attila und Peter, die gerade mit dem Zuckeraufkochen beginnen.

Ausgestorbenes Handwerk wieder belebt

In der Werkstatt macht sich ein Erdbeerduft breit, als Attila mit dem Vermengen der Zutaten beginnt. Der Zuckerlmacher kommt aus Ungarn, wo das Handwerk noch nicht gänzlich verschwunden ist. "Unser größtes Problem beim Start der Zuckerlwerkstatt war neben einem passenden Geschäftslokal im Ersten und der Finanzierung die Frage: Wo lernt man ein Handwerk, das seit sechzig Jahren in Österreich ausgestorben ist?" Nach "Suchreisen", die Mayer nach Schweden, Spanien und Deutschland führten, wurde er in Österreich fündig. "Ich habe alte Zuckerlmacher, die zwischen 75 und 95 Jahre alt sind, gefunden, die mich monatelang unterrichteten. Es war eine Win-Win-Situation, da sich die Herren sehr gefreut haben, dass sich noch jemand für ihre Passion interessiert."

An dem Erfolg der Zuckerlwerkstatt haben Mayer und Scholz nicht eine Sekunde gezweifelt. "Wenn man mit voller Begeisterung in ein Projekt hineingeht und für eine Sache brennt, kommt auch der Erfolg. Und es gibt keine bessere Stadt als Wien für eine Zuckerlmanufaktur", erklärt Mayer, während er Attila beim Zuschneiden der unterschiedlichen Zuckerschichten zusieht, aus denen in den nächsten dreißig Minuten zwei Säcke mit Logoversehenen Zuckerl werden. "Unsere Kunden bestehen zu fünfzig Prozent aus Touristen, der Rest sind Einheimische quer durch alle Schichten. Heinz Fischer kauft ebenso regelmässig bei uns ein wie eine Arbeiterfamilie aus Mariahilf. Auch Christoph Waltz hat kürzlich mit seinen Kindern unsere Showproduktion besucht."

Handarbeit und pflanzliche Farben

Das Geheimnis hinter dem süßen Erfolg ist neben dem Nostalgiefaktor, dem auch die Jugend verfällt und Krachmandeln und Seidenzuckerl kauft, die hohe Qualität. Nur die besten heimischen Zulieferer wie Zotter oder das Mandelberggut in Radstadt kommen für Mayer in Frage. "Vom Kristallzucker bis zur Verpackung kommt fast alles aus Österreich. Gefärbt wird nicht mit Lebensmittelfarbe, sondern pflanzlich mit etwa Safran und Holunderextrakten", erklärt Mayer, während hinter ihm Attila mit dem Ausrollen der Zuckerlmasse beginnt. Wie goldene Rohre liegen die künftigen Zuckerl am großen Tisch ehe Peter händisch mit den Abtrennen in fingerkuppengroße Stückchen - die fertigen Zuckerl - beginnt.

"Wir haben Franchise-Anfragen aus aller Welt, aber ich stehe nicht mit meinem Namen für ein Produkt, das ich nicht mehr kontrollieren kann. Das Ziel ist nicht, in Europa flächendeckend Filialen zu eröffnen, sondern ich will in den besten Greißlereien in Europa vertreten sein," sagt Mayer und wirft einen prüfenden Blick auf die frisch geschnittenen Zuckerl, die bereits verpackt werden. Von dem Ziel ist der 39-Jährige nicht mehr weit entfernt - immerhin stehen seine Süßigkeiten bereits in den Regalen des Londoner Nobelkaufhauses Fortnum and Mason.

Alle weiteren infos unter zuckerlwerkstatt.at

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