Nach Anstieg bei Kirchenaustritten
Toni Faber: "Null Toleranz für Missbrauch"

Für den Dompfarrer sei jeder einzelne Austritt aus der Kirche schmerzvoll.
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Die Zahl der Katholikinnen und Katholiken ist in Österreich im vergangenen Jahr zurückgegangen. Insgesamt sind über 67.000 Menschen aus der Kirche ausgetreten. Dompfarrer Toni Faber plädiert für "Nulltoleranz für Missbrauch", um Kirchenaustritte zu verhindern. 

ÖSTERREICH. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Kirchenaustritte um 14,9 Prozent gestiegen. Gab es Ende 2018 noch 5,05 Millionen Katholiken in Österreich, waren es 2019 nur mehr 4,98 Millionen. Das berichtete "Kathpress" am Mittwoch. Insgesamt ist das ein Rückgang von 1,35 Prozent. "Jeder einzelne Kirchenaustritt ist sehr schmerzvoll", sagte Toni Faber, Dompfarrer des Wiener Stephansdoms, am Mittwoch im Gespräch mit meinbezirk. Einerseits habe man in den katholischen Schulen einen Boom mit immer mehr Anfragen. "Ich habe selbst 100 Wiedereintritte jedes Jahr. Und gleichzeitig lassen diese Gesamtzahlen nach, weil jedes Mal wenn ein kleiner Skandal, ein kleiner Streit in der Kirche passiert, die Kirchenaustrittszahlen steigen."

Bei den Gründen für die gestiegenen Kirchenaustritte vermutet man die Missbrauchsfälle in der Kirche und die Vorwürfe gegen den ehemaligen Kärntner Diözesanbischof Alois Schwarz wegen Untreueverdachts. In Kärnten meldete die Diözese nach der Causa Schwarz übers Jahr 5.815 Austritte aus der katholischen Kirche, also 1,6 Prozent. "Wenn sich da das Domkapitel mit dem Bischof gegenseitig alles erdenkliche an den Kopf wirft ist das kein Bild für die Öffentlichkeit", sagte Faber dazu. Interne Auseinandersetzungen müssten intern bleiben, so Faber weiter. "Da würde ich es eher mit der Sozialdemokratie halten: Am Balkon wird gelächelt und zu Hause wird gestritten."

"Haben unsere Hausaufgaben erledigt"

Bezüglich Missbrauch habe man "sehr schwierige Kapitel hinter uns", sagte der Dompfarrer. "Wir sind das in Österreich und gesamtkirchlich, glaube ich, sehr redlich angegangen", erklärte Toni Faber weiter, "da haben wir unsere Hausaufgaben aber erledigt." Es gebe keine neuen Fälle in Österreich. Man werde mit einer "Null-Toleranz-Politik gegen jede Form von Missbrauch" und Verdachtsfällen vorgehen. Faber halte das auch für den Staat für sinnvoll. Er kritisierte, dass in den städtischen Kinderheimen viele Kinder und Jugendliche misshandelt worden seien, wo niemand angeklagt oder dafür eingesperrt worden sei. "Diese Fälle sind mehr als alle Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche in Österreich der letzen 50 Jahre", so Faber. Ihm komme das Grauen, "dass wir das gesamtgesellschaftlich noch immer nicht gut behandeln." "Wir als Kirche haben da schwere Fehler gemacht, haben unsere Hausaufgaben gemacht, haben uns dem gestellt und haben jetzt eine sehr strenge Regelung." Natürlich werde die Kirche strenger beurteilt, weil "wir moralisch vorgegeben haben, mehr zu sein." Daher schmerze jeder Missbrauchsfall in der Kirche doppelt. Wenn in den Kinderheimen in Wien allerdings niemand verurteilt werde, schreie das zum Himmel, so Faber. Wiedergutmachungszahlungen alleine könnten verletzte Kinder nicht heilen.

Einladende Politik

Für eine Veränderung der Außenwirkung der Kirche braue es eine einladende Politik, wie sie Papst Franziskus lebe, so der Dompfarrer. "Jedem einfach zu begegnen. Du bist willkommen in unserer Kirche, du bist ein geliebtes Kind Gottes." Von den Zwei- bis Dreitausend Leuten, die Faber in den letzten Jahren wieder in die Kirche aufgenommen habe, mache er die Erfahrung, dass immer ein kleiner Anlass zum Wiedereintritt genüge. "Letzte Woche ist eine junge Dame bei mir eingetreten, die am Dreikönigstag Besuch von den Sternsingern bekommen hat", so Faber der weiter erzählt, dass dieser Anlass die Frau dazu veranlasst habe, wieder zur Kirche dazugehören zu wollen.

Vergleicht man die Austritte mit dem Vorjahr, ist diesmal ein überdurchschnittlich starker Anstieg zu verzeichnen. Im Jahr 2018 betrug dieser noch 8,7 Prozent. Einen historischen Höchststand gab es 2010 mit 85.960 Austritten. 

Bischof Glettler: Jugend verstärkt ins Boot holen
Für den Dompfarrer sei jeder einzelne Austritt aus der Kirche schmerzvoll.
Der Wiener Stephansdom bleibt ein Touristenhotspot. Die Zahl der Gläubigen geht in Österreich allerdings zurück.
Autor:

Julia Schmidbaur aus Wieden

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