Tiertransport-Gipfel
Anschober: Absurd, dass Österreich Kälber exportiert

Das Verbot von Lebend-Tiertransporten ist eine der zentralen Forderungen des Tierschutz-Volksbegehrens.
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  • Das Verbot von Lebend-Tiertransporten ist eine der zentralen Forderungen des Tierschutz-Volksbegehrens.
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Der Tiertransporte-Gipfel von Minister Anschober ist am Montag nach mehrstündigem Austausch zu Ende gegangen. Die Initiatoren des Tierschutzvolksbegehren waren neben Experten ebenfalls vertreten. Sie bekamen dabei Rückenwind von den Mitwirkenden des Gipfels.

ÖSTERREICH. „So wenig wie möglich, so kurz wie möglich, so gut wie möglich“, das sind die Ziele von Gesundheitsminister Rudi Anschober, der auch für Tierschutz zuständig ist, beim Thema Tiertransporte. Diese waren das Hauptthema des gestrigen ersten Tierschutzgipfels, zu dem Anschober 40 Fachexperten, Vertreter aller Parteien und Bundesländer, Behörden,Landwirtschaft und Tierschutzorganisationen eingeladen hat.

EU-U-Ausschuss zu Tiertransporten

Große Hoffnung legt Anschober dabei in den nächsten Wochen startenden Untersuchungsausschuss des Europaparlaments zum Thema Tiertransporte, der kontrollieren soll, ob von den Mitgliedsstaaten die Gesetze eingehalten werden, warum es gravierende Unterschiede zwischen Mitgliedsstaaten bei Kontrollstellen, Kontrolldichte und Strafen gibt und welche Verbesserungen bei den Standards für Tierwohl erforderlich sind.

50.000 Kälber werden exportiert

Anschober: „Wir brauchen vor allem Alternativen zu Lebendtiertransporten über weite Distanzen und zum überregionalen Transport junger Kälber. Es ist doch absurd, dass Österreich über 50.000 Kälber innerhalb der EU exportiert - 40 Prozent davon sind jünger als 28 Tage - und eine noch größere Zahl nach Österreich importiert wird. Vieles an Tierleid würde sich vermeiden lassen.“ (Konkret wird nach Österreich gleichzeitig das Fleisch von über 100.000 Kälbern importiert, Anm.)

Kennzeichnung verbessern

Ein wichtiger Schlüssel dafür sei auch die verbesserte Kennzeichnung nach Regionalität und Tierwohl und die verstärkte regionale Beschaffung in öffentlichen Küchen. Anschober: „An der regionalen Kennzeichnung im Handel arbeiten wir bereits, aber mein Ziel ist es, diese - ähnlich wie in der Schweiz - auch auf die Gastronomie und auch auf das Tierwohl auszudehnen.“

Kennzeichnung auch in der Gastronomie

Um eine lückenlose Kennzeichnung tierischer Lebensmittel auch in der Gastronomie komme Österreich nicht mehr herum, meint Vier Pfoten-Direktorin Eva Rosenberg: „Das Thema wurde breit diskutiert. Von unserer Seite ist klar: Niemand versteht mehr, warum wir nicht wissen dürfen, woher unser Essen kommt. Es gibt einfach keine Ausreden mehr“, so Rosenberg. Genauso wichtig sei es aber, neben der Herkunft auch die Haltungsbedingungen der Tiere zu kennzeichnen, damit sich Konsumentinnen und Konsumenten bewusst für Tierwohl und Qualität entscheiden können. 

Der erste Tierschutzgipfel war der Start eines gemeinsamen Arbeitsprozesses, der nun einmal pro Quartal umgesetzt werden soll - mit dem Ziel, Schritt für Schritt mit neuen Allianzen mehr Tierwohl zu erreichen.

Bauernbund-Präsident: mehr Regionalität

"Mehr Regionalität heißt weniger Tiertransporte", stellt Bauernbund-Präsident Georg Strasser anlässlich des von Bundesminister Rudolf Anschober initiierten Tierschutz-Gipfels fest. Strasser begrüßt das Engagement für mehr Tierwohl, sieht Bundesminister Anschober selbst aber in der Pflicht, eine transparentere Herkunftskennzeichnung in der öffentlichen Beschaffung und bei verarbeiteten Produkten umzusetzen. "Nur mit transparenter Kennzeichnung haben wir eine Chance, österreichischen Produkten den Vorrang zu geben", hält Strasser fest.

"Wir wollen, dass in öffentlichen und privaten Gemeinschaftsverpflegungen wie Mensen oder Kantinen eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung für die Primärzutaten Milch, Fleisch und Eier eingeführt wird. Denn dort können sich die Konsumentinnen und Konsumenten bis jetzt nicht für Lebensmittel aus Österreich entscheiden, weil das System intransparent ist", sagt Strasser. Derzeit essen viele Konsumenten importierte Lebensmittel, ohne es zu wissen. Eine transparentere Kennzeichnung ist im Regierungsprogramm klar vereinbart und soll 2021 kommen. "Bundesminister Anschober ist gefordert, die Herkunftskennzeichnung so rasch wie möglich umzusetzen", so Strasser.

Tierschutz-Volksbegehren

Das Tierschutz-Volksbegehren hat seine Unterstützungsphase mit Ende Juni erfolgreich beendet und startet mit dem Rückenwind von über 200.000 Unterstützungserklärungen in seine finale Phase. Die Eintragungswoche wird vermutlich im Januar 2021 stattfinden.

Tierschutz-Volksbegehren läuft noch bis 29. Juni
Das Verbot von Lebend-Tiertransporten ist eine der zentralen Forderungen des Tierschutz-Volksbegehrens.
Österreich importiert mehr Kälber, als es exportiert.

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