Baubeginn für Monsterprojekt im Stadtrandidyll

Entsetzt über Baubeginn: Gert Wolfram und Manfred Jiresch von der   Bürgerinitiative Paulinensteig fordern alternative Zufahrt.
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  • Entsetzt über Baubeginn: Gert Wolfram und Manfred Jiresch von der Bürgerinitiative Paulinensteig fordern alternative Zufahrt.
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(rb). Die Bäume auf dem Grundstück am Paulinensteig 31 wurden schon vor zwei Wochen gefällt, momentan bringen schwere Tieflader-LKWs Baumaschinen heran, der gelbe Baukran wird auf der frisch eröffneten Baustelle aufgestellt. Die Baubewilligung für ein fünfstöckiges Wohnhaus mit Tiefgarage wurde bereits 2007 erteilt, laut Verkaufsprospekt der „DaVinci Bauträger GmbH“ sollten die geplanten 35 Wohneinheiten „in bester Grünlage“ mit „gediegener Ausstattung“ bereits im Frühjahr oder Sommer 2009 schlüsselfertig übergeben werden. Die Anrainer liefen gegen das Monsterprojekt sturm, schlossen sich zu einer Bürgerinitiative zusammen und legten bei Gericht Rekurs ein, der Baubeginn auf unbestimmte Zeit verschoben (Die BZ berichtete). Das Verfahren läuft noch, der ursprüngliche Bauträger hat mittlerweile den Baugrund und die Konzession an die Baugesellschaft „SÜBA“ verkauft. Diese hat nun mit der Errichtung begonnen, obwohl ein endgültiger Bescheid über das Bauvorhaben noch aussteht.

Bauen auf Risiko
„Es wird eben das Risiko in Kauf genommen bei einem ungünstigen Ausgang des Verfahrens zurückbauen zu müssen“ erklärt Manfred Jiresch, der mit seinem Nachbar und Mitstreiter Gert Wolfram der Bürgerinitiative Paulinensteig vorsteht. Dass ein fast fertiggestelltes Projekt nach einem negativen Bescheid dann auch tatsächlich abgerissen wird, daran glaubt Jiresch nicht. Deshalb sucht man gemeinsam mit dem Bauträger nach einer Kompromisslösung. Den Bau letztendlich nicht verhindern zu können, sehen die Vertreter der Bürgerinitiative übrigens nicht als Niederlage. Die Grünen strichen den „Fall Paulinensteig“ besonders hervor und zeigten Schwachstellen in der Gesetzgebung auf, und erreichten schließlich 2008 eine lange geforderte Novelle der Wiener Bauordnung. „Mit der neuen Gesetzeslage wäre ein Bau wie dieser nicht mehr möglich – leider fällt das Projekt noch unter die alte Gesetzgebung“ so Jiresch.

Belastung für Infrastruktur
Besonders ungünstig wirkt sich der überproportionierte Bau auf die Infrastruktur des Paulinensteigs aus, der auf kleine Einfamilienhäuschen ausgerichtet ist. Bereits jetzt ist der Kanal bei längeren Regenperioden überfordert, Abwässer werden zurück in die Häuser gedrückt berichten Nachbarn. Seit Eröffnung der Baustelle wurde der Straßenbelag von den schwer beladenen LKWs in Mitleidenschaft gezogen. Im Asphalt tun sich Risse auf. Unter den Nachbarn werden Erinnerungen an ein Gasgebrechen in den 1980er Jahren wach. Ein unter der Fahrbahn verlegtes Rohr wurde damals beschädigt, Gas trat aus – daraufhin wurde der Paulinensteig für den Schwerverkehr vorerst gesperrt.

Entlastung durch neue Zufahrt
Außerdem rechnen die alteingesessenen Bewohner des Paulinensteigs mit einem Anstieg des Verkehrsaufkommens durch die neuen Anrainer. Dabei könnte der Neubau auch über die Pschorngasse beziehungsweise Starkenburggasse erschlossen werden. Die zwei kleinen Gassen verlaufen am Südende des Baugrundstücks, enden aber beide knapp vor der Grundstücksgrenze als Sackgasse. Die Idee der Bürgerinitiative: die beiden Gassen zusammenführen und so eine zweite Zufahrt für den Neubau entstehen lassen. Damit wäre dann ein Teil der Wohnungen auch über die Pschorngasse zu erreichen. Öffentliche Straßen errichten kann aber nur der Bezirk, der laut O-Ton der Bürgerinitiative allerdings bisher eher „durch auffallende Passivität glänzte“.

Unterschriftensammlung läuft
Eigentlich steht der Verbindung der Gassen nichts entgegen, der Grund auf dem die neue Trasse entstehen soll, gehört schon mehrheitlich der Stadt Wien. Es fehlt aber ein Beschluss der Bezirksvorstehung. Um ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen und die Bezirksverwaltung zum Handeln zu zwingen, sammelt die Bürgerinitiative Paulinensteig Unterschriften, die Bezriskvorsteher Prokop vorgelegt werden sollen.

Autor:

Richard Bernato aus Wieden

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