Verkehr der Zukunft
Gewessler: Toleranzgrenzen bei überhöhter Geschwindigkeit vereinheitlichen

Umwelt- und Infrastrukturministerin Leonore Gewessler (Grüne) im Gespräch mit Maria Jelenko, Chefredakteurin der Regionalmedien Austria.
  • Umwelt- und Infrastrukturministerin Leonore Gewessler (Grüne) im Gespräch mit Maria Jelenko, Chefredakteurin der Regionalmedien Austria.
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Umwelt- und Infrastrukturministerin Leonore Gewessler im Gespräch mit RMA-Chefredakteurin Maria Jelenko über "grüne" Verkehrsmodelle und zulässige Höchstgeschwindigkeiten auf den Straßen. 

RMA: Die Verkehrsanbindung zu Öffis, also der „letzte Kilometer“, ist oft ein Thema. Wie kann man diesen schließen?
LEONORE GEWESSLER: Ich komme selbst vom Land, aus einem kleinen Ort mit 1.000 EinwohnerInnen. Fakt ist: Es wird nicht in jedem Ort Schienen geben. Oft braucht man für die letzten Kilometer heute ein Auto. Unser Ziel ist es, dass jeder Ort wieder stündlich öffentlich erreichbar ist: Der Zug gilt dabei als Rückgrat des öffentlichen Verkehrs, daneben zählen Busse, aber auch Sammeltaxi-Systeme vor Ort. Zentrales Ziel ist es, den Anteil des öffentlichen und emissionsfreien Verkehrs möglichst hoch und effektiv zu halten, und die Beförderung für die Menschen möglichst bequem und leistbar zu machen. Künftig kann man zum Bahnhof wohl auch mit dem eigenen elektrisch betriebenen Auto fahren.

Soll das Ziel über die Nahverkehrsmilliarde realisiert werden?
Für das Ziel, das Infrastruktur-Angebot auszubauen, gibt es die Nahverkehrs- und die Regionalverkehrsmilliarde. Umgesetzt wird auch das 1-2-3-Ticket, mit dem Menschen den öffentlichen Verkehr um 1 Euro in einem Bundesland, um 2 Euro in zwei und um 3 Euro in ganz Österreich am Tag nutzen werden können. Dieses Projekt hat viel Rückenwind und wir führen bereits Gespräche mit den Ländern und Verbünden zur raschen Umsetzung.

Was kann man sich unter dem „Masterplan Radland Österreich“ vorstellen?
Viele Alltagswege betragen unter einem bis maximal fünf Kilometer. Wir wollen den Anteil der Wege, die mit dem Rad zurückgelegt werden, von derzeit sechs auf 13 Prozent erhöhen. Bei diesem ambitionierten Ziel muss man Straßenverkehrsregeln genauso berücksichtigen, wie die Rad-Infrastruktur, die Verkehrssicherheit, aber auch die Bewusstseinsbildung. Für viele Menschen, auch am Land, ist das E-Rad bereits für bestimmte Wege ein Ersatz zum Auto geworden, davon profitiert auch die eigene Gesundheit. Stellt man sich die Frage, welchen Anteil der Wege wir wie zurücklegen, kommt man übrigens darauf, dass wir ja eigentlich alle FußgängerInnen sind – denn auch AutofahrerInnen gehen zu Fuß zu ihrem Auto.

Sie wollen „intelligente“ Straßenlaternen“ einsetzen, die erst dann einschalten, wenn sich eine Person/Gegenstand nähert. Wo kommen diese konkret hin?
Wir prüfen derzeit Möglichkeiten von sensorgesteuerter Beleuchtung, die sich selbst einschaltet, wenn Verkehr auf der Straße ist oder jemand am Gehsteig geht. Diese smarte Beleuchtung hilft Energie zu sparen, vereint Verkehrssicherheit mit Umweltschutz. Sie ist derzeit noch in Pilotprojekten in der Testphase.

Sind E-Autos tatsächlich so viel mehr umweltschonend, wie Sprit-betriebene Fahrzeuge?
Betrachtet man den gesamten Zyklus, von der Produktion und den Betrieb mit Ökostrom bis zur Wiederverwertung der Batterien, so ist das E-Auto weniger umweltbelastend als herkömmlich mit Sprit betriebene Autos. Natürlich muss man sich dabei genau anschauen, wie die Batterien produziert oder entsorgt werden. Wer sich für das Thema interessiert, findet auf der Website des Klimafonds (www.klimafonds.gv.at) Infos.

Fährt die Polizei künftig mit E-Autos?
Generell wollen wir in der öffentlichen Verwaltung Vorbild sein. Wir stellen zum Beispiel die Fuhrparks um, beginnend mit emissionsfreien Fahrzeugen in den Ministerien und im öffentlichen Dienst. Bei schweren Einsatzfahrzeugen ist das noch nicht möglich. Aber ich bin zuversichtlich: Die Innovationskraft ist hier groß.

Werden die Spritpreise in Österreich steigen?
Die Ökosoziale Steuerreform hat zwei Ziele: Die Menschen entlasten, die Umwelt schützen. Grundidee ist, dass man schädlichen Emissionen einen Preis gibt und diesen auf der anderen Seite an die Menschen zurückverteilt. Jede Investition in ökologische Maßnahmen soll sich künftig rechnen. Die ersten Schritte dazu arbeitet die Task Force zur Steuerreform aus, die nächste Woche startet.

Sie wollen die Kulanz bei geringen Übertretungen der jeweils zulässigen Höchstgeschwindigkeiten abschaffen. Gestraft werden soll künftig bereits ab dem ersten Stundenkilometer zu viel am Tacho. Werden Messfehler berücksichtigt?
Klar ist: Je schneller man fährt, desto mehr Emissionen stößt man aus. Das hat auch Tempo 140 gezeigt. Darum kehren wir am 1. März zu Tempo 130 zurück. Für die österreichische Klimabilanz macht es laut Umweltbundesamt auch einen Unterschied, ob wir Tempo 130 einhalten oder nicht. Die Toleranzgrenzen bei Geschwindigkeitsmessungen sind derzeit je nach Bundesländer unterschiedlich. Wir haben im Regierungsprogramm verankert, sie zu vereinheitlichen.

Werden Sie die 100 km/h-Zonen auf den Autobahnen ausweiten?
Der sogenannte „Luft-100er“ wurde ganz klar deswegen geschaffen, um Menschen zu schützen, die wegen des erhöhten Transits unter Luftverschmutzung leiden. Das ist ein wichtiges Gesundheitsthema. Dort, wo die Vorschrift gilt, gehört sie eingehalten und entsprechend kontrolliert. Momentan gibt es keine Anzeichen dafür, dass es in den Bundesländern einen weiteren Bedarf gibt. Sobald es aber erhöhte Schadstoffe in der Luft gibt, kann diese Maßnahme gesetzt werden.

"Aus für Tempo 140 km/h auf Österreichs Autobahnen"
Autor:

Maria Jelenko-Benedikt aus Wieden

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