Casinos-Affäre
Hauptversammlung zu Sidlo-Abberufung fix

Casag-Finanzchef Peter Sidlo befindet sich derzeit auf Urlaub. Seine Rückkehr bleibt unklar.
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  • Foto: © Christof Wagner
  • hochgeladen von Julia Schmidbaur

Die Sazka Gruppe will dem Finanzchef der Casinos Austria in einer Hauptversammlung das Vertrauen entziehen. Die Casinos haben die Versammlung mittlerweile einberufen, wie ein Pressesprecher am Mittwoch mitteilte. Auch Norbert Hofer soll über die Personalaffäre rund um Peter Sidlo informiert gewesen sein. 

ÖSTERREICH. Nachdem die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) vergangene Woche bei Ex-Politikern und Managern in der Causa Casino Hausdurchsuchungen durchführte, macht der größte Casinos-Austria-Aktionär jetzt Druck. Die tschechischen Aktionäre, die Sazka Group, wollen Finanzchef Peter Sidlo (FPÖ) das Vertrauen entziehen.

Dem Glücksspielkonzern Novomatic sollen Casino-Lizenzen versprochen worden seien, wenn er im Gegenzug im Aufsichtsrat der Casinos Austria (Casag) seine Unterstützung für den FPÖ- Kandidaten Sidlo zusichere. Die Sazka Gruppe gab am Dienstag die Einberufung einer Hauptversammlung am 10. Dezember bekannt. „Einziger Tagesordnungsordnungspunkt dieser Hauptversammlung, die am 10. Dezember 2019 stattfinden soll, ist der Entzug des Vertrauens betreffend des Mag. Peter Sidlo“, teilte die Gruppe mit. 

Sidlo war zuvor einstimmig bestellt worden. Nur die Tschechen hatten sich als Einzige der Stimme enthalten. "Die Sazka Group hofft, dass die Miteigentümer der CASAG diesen wichtigen Schritt mittragen“, hieß es weiter. Der Pressesprecher der Casinos, Patrick Minar, teilte am Mittwoch mit, dass der Vorstand verpflichtet sei, dem Verlangen nachzukommen. Man habe die Hauptversammlung deshalb bereits einberufen.

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"Diese Situation ist untragbar"

Mit mit 38 Prozent ist die Sazka Gruppe der größte Casag-Auktionär. Dem "Standard" liegt ein Schreiben der tschechischen Aktionäre an die Casag-Vorstandsmitglieder Bettina Glatz-Kremsner und Martin Skopek vor, indem die Gründe für den Vertrauensentzug zu lesen sind: Es sei "unbestritten, dass das Ansehen der Gesellschaft durch die jüngsten Ereignisse erheblich leide". Solange Sidlo weiterhin Vorstandsmitglied bleibe, werde sich daran nichts ändern, zitiert der "Standard" weiter aus dem Schreiben.  

Die Aktionäre beziehen sich außerdem auf das Gutachten von Personalberater Egon Zehnder. Bekannterweise kam der Personalberater zu der Ansicht, dass Sidlo als Finanzvorstand der Casinos Austria ungeeignet sei.

Auch ein Gutachten, dass die Sazka Group beim Innsbrucker Universitätsgutachter Thomas Müller in Auftrag gab, stützt ihre Argumentation. Dieser sei zu dem Schluss gekommen, dass Sidlo aus glücksspielrechtlichter Sicht abberufen werden müsse. "Diese Situation ist untragbar", schreiben die Tschechen laut "Standard" an den Vorstand. Außerdem bezieht man sich auf ein Interview, das Sidlo der "Presse" gegeben habe. Dort soll er vertrauliche Interna der Gesellschaft publik gemacht haben.

"Personalentscheidungen transparent"

FPÖ-Chef Norbert Hofer verteidigt am Mittwoch per Aussendung alle Personalentscheidungen in seiner Zeit als Verkehrsminister: "Alle im BMVIT-Einflussbereich stehenden Personalentscheidungen wurden transparent durchgeführt. Bei allen Besetzungen kamen die nach dem Hearing bestgereihten Kandidaten zum Einsatz – in vielen und wesentlichen Gesellschaften gab es überhaupt keine Änderung an der Unternehmens-Spitze“, betont er.

Dass das wohl nicht der Fall gewesen ist, zeigt ein SMS-Austausch zwischen EX-FPÖ-Chef Heinz Christian Strache und dem ehemaligen Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP). In einer Nachricht von Strache an Löger heißt es laut „Presse“: "Wir haben bei der ÖBB; Asfinag, Donau, etc alle eure 30 AR (Aufsichtsräte Anm.) sofort umgesetzt … in euren Ressorts warten wir bis heute … auch Telekom! Ausgemacht war 2018/2019. das bitte sicherstellen und einhalten. Lg HC“.

Hofer über Sidlo informiert

Bisher hatte Hofer angegeben, von der Diskussion um die umstrittene Personalentscheidung rund um Peter Sidlo aus den Medien erfahren zu haben. Die von der Liste JETZT gegründete Online-Nachrichtenplattform ZackZack.at veröffentlichte am Mittwoch jedoch Chatprotokolle, die das in Frage stellen. Demnach informierte der designierter ÖBB-Finanzvorstand Arnold Schiefer am 6. Februar 2019 in einer SMS den damaligen Vizekanzler Strache und Infrastrukturminister Norbert Hofer: "Habe gehört, Sidlo kommt nicht durch.“ Strache habe Hofer daraufhin eine Nachricht weitergeleitet, in der ihm Novomatic-Chef Harald Neumann seine Unterstützung für den FPÖ-Deal versichert hatte: „Haben alles zur Unterstützung beigetragen. Barbara Kolm hat auch mit dem Headhunter gesprochen. Bettina Glatz-Kremsner ist auf unserer Seite. Thomas Schmid auch.“

In einem Interview hatte Norbert Hofer gegenüber der APA zuvor gesagt: "Das ist nicht über meinen Tisch gegangen im Rahmen der Koordinierung.“ Hofer erklärte weiter: "Ich habe es erst aus den Medien erfahren, welche Position wie besetzt ist.“

Mehr zum Thema lesen Sie hier: 

>> Neue Chatprotokolle erhärten Verdacht des Postenschachers
>> NEOS fordern Untersuchungsausschuss

Autor:

Julia Schmidbaur aus Wieden

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