06.04.2017, 08:34 Uhr

06.04.2017 - Pflanze des Tages - Waldsauerklee

Waldsauerklee (Oxalis acetosella), Lichteinfall © Angelika Ficenc

Bleichmittel und Fleckensalz

Der Waldsauerklee (Oxalis acetosella) ist eine ausdauernde krautige Schattenpflanze, mit Wuchshöhen bis 15 cm und gehört zur Familie der Sauerkleegewächse (Oxalidaceae). Seine Laubblätter sind langgestielt und kleeartig gefiedert. Die Blätter haben einen säuerlichen Geschmack, daher auch dein Name. Botanisch hat der Sauerklee mit der Kleepflanze nichts gemeinsam.

Die lang gestielten fünfzähligen Blüten sind radiär symmetrisch mit doppelten Perianth. Die fünf Kelchblätter sind grün. Die fünf Kronblätter besitzen eine weiße oder blassrosa Farbgebung mit einer deutlich zu sehenden rötlich-violetten Aderung. Am Grund der Kronblätter ist ein gelblicher Fleck erkennbar. Es sind zwei Kreise mit je fünf weißen Staubblättern vorhanden. Auf dem länglichen Fruchtknoten befinden sich fünf Griffel. Der Waldsauerklee blüht von April bis Juni.
Bei hoher Luftfeuchtigkeit wird aktiv Wasserabscheidung durchgeführt.

Der Sauerklee hat zwei Blütenarten:
Eine glockige Blüte, die für Bienen und Hummeln zugänglich ist. Diese ist aufgrund der überwiegend schattigen Standorte selten und wird meist bei den ersten Frühlingsblüten ausgebildet. Die Samenentwicklung ist hier eher gering. Die violette Aderung und die gelblichen Flecken der Kronblätter begünstigen die Bestäubung. Als Saftmale locken sie die Insekten zu der Basis der Kronblätter, wo süßer Nektar angeboten wird.

Eine geschlossene Blüte, bei der Selbstbestäubung (Kleistogamie) stattfindet. Diese Form wird in der Regel bei den später, kurzstielig in Bodennähe aufblühenden Blüten entwickelt. Im Vergleich zur glockigen Blüte werden deutlich mehr Samen gebildet.

Wissenswertes
Der Waldsauerklee enthält Oxalsäure. Bei Einnahme größerer Mengen kann es zu Erbrechen, Durchfall und anderen Vergiftungserscheinungen führen. Die Pflanze findet in der Heilkunde keine Anwendung.
Bis zum 19. JH wurde das Sauerklee-Salz (Sal Acetosellae) hergestellt. Dieses Salz, diente früher als Bleichmittel und Fleckensalz, welches früher zum Entfernen von Rost-, Blut- und Tintenflecken in der Wäsche verwendet wurde Es ist ein starkes Gift, das in verdünntem Zustande schneller als Arsenik und Sublimat, indem es resorbiert wird, durch Nervenlähmung tötet.

Vorkommen & Verbreitung
Waldsauerklee wächst auf sauren Waldböden an ausgesprochen schattigen und frischen bis feuchten Stellen in Laubmischwäldern und Nadelwäldern. Auf seinen genauen Standort, passt er sich mit unterschiedlichen Blattgrößen an. Größere Blätter weisen auf weniger Lichteinfall hin als kleinere, bei einer größeren Oberfläche hat das Blatt auch schon bei wenig Licht eine hohe Fotosyntheserate. Außerdem kann der Waldsauerklee bei zu viel Licht seine Blätter einklappen, was sie vor Vertrocknen schützt.
Damit nutzt der Sauerklee eine ökologische Nische, die sonst von nur wenigen Pflanzen genutzt wird, denn die meisten Pflanzen bevorzugen Standorte mit viel Licht. Wegen des niedrigen Lichtkompensationspunktes kann sich die Pflanze an Schattenplätzen gegenüber Sonnenpflanzen durchsetzen.

Literatur: Exkursionsflora von Österreich (W. Adler, K. Oswald, R. Fischer), BLV Pflanzenführer, Biogene Gifte Verlag Springer
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Sylvia S. aus Favoriten | 06.04.2017 | 22:29   Melden
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