08.02.2017, 11:47 Uhr

365 gute Dinge: "Die Welt ist nicht so schlecht"

Der Journalist und Blogger Dominik Leitner will zeigen, dass auf der Welt nicht alles schlecht ist.

Der Penzinger Journalist und Blogger Dominik Leitner will im Jahr 2017 jeden Tag ein positives Projekt vorstellen und zeigen, dass die Welt insgesamt nicht nur die reinste Hölle ist.

WIEN. "Zumindest einmal am Tag ist nicht alles schlecht", sagt Domink Leitner. Der Wiener Journalist und Blogger startete am 1. Jänner mit einem ambitionierten Projekt: Er will "365 gute Dinge" sammeln und auf seinem Blog jeden Tag eine gute Nachricht verbreiten. Dabei gehe es nicht um das Kätzchen, das von der Feuerwehr vom Baum gerettet wird, sondern um um Dinge, die die Menschheit bewegen könnten. Dominik Leitner ist unter anderem für die bz als freier Journalist tätig. Im bz-Interview erzählt der Penzinger von seiner Motivation.

Ist die Welt ein schlechter Ort?
DOMINIK LEITNER: Verfolgt man die tägliche Medienberichterstattung, könnte man sagen "ja". Doch ich bin überzeugt, dass das Zwischenmenschliche das Negative überwiegt.

Was ist deine Intention bei diesem Projekt?
Ein Anstoß war sicherlich das Jahr 2016. Es hat mich genervt, dass im vergangenen Jahr die negative Schlagzeilen überwogen haben. Und da habe ich mir gedacht: Es gibt sie ja, die guten Geschichten, nur tauchen sie in den Medien nicht auf. Eine weitere Motivation war eine Grafik, die auf Twitter viel geteilt wurde. Darauf ist zu sehen, dass sich die Welt seit dem Jahr 1800 ingesamt sehr positiv entwickelt hat. Ich glaube die Menschen sehen nicht, dass sich unser Lebensstandard insbesondere in den vergangenen 70 Jahren zum Besseren entwickelt hat. Die Medien zeigen ja auch oft ein negatives Bild der Welt, weil das einfacher ist. Ich möchte mit meinen "guten Dingen" eine Ergänzung zum täglichen Nachrichtenkonsum bieten.

Welche guten Dinge hast du in Wien bisher gefunden?
Durch Zufall bin ich über Währinger Schüler gestolpert, die gerade einen lokalen Lieferservice für Bücher entwickeln. Das ist berichtenswert. Und die Meldung, dass Wien mehr Öffi-Jahreskarten als PKWs zählt, habe ich auch übernommen. Im Jänner gab es noch die Geschichte mit der Armenspeisung im Restaurant Dresdnerhof. Die habe ich leider versäumt. Ich denke auch Einzelbeispiele können etwas verändern. Die müssen auch einmal gezeigt werden.

Wie gut oder schlecht ist Wien? Ist Wien das neue Chicago?
Definitv nein. Wien ist eine Großstadt wo Dinge passieren, die es am Land nicht gibt. Selber aus Oberösterreich kommend kann ich sagen, dass diese urbanen Phänomene von außen schwer einzuordnen sind. Da gibt es kein Verständnis dafür. Wenn man die Stadt dann aber besucht bzw. sich mit ihr auseinandersetzt, dann ändert sich diese Perspektive meist. Aber auch in Wien wird natürlich viel gesudert. Oft halt auf sehr hohem Niveau.

Wie schwer oder leicht ist es, gute Beispiele zu finden? Wieviel Zeit wendest du dafür auf?
An manchen Tagen finden sich fünf Geschichten auf einmal, an anderen Tagen vielleicht nur eine. Ich suche wirklich Geschichten, die einen Fortschritt für die Menschheit bringen könnten und nicht zu banale. Der Zeitaufwand liegt dabei sicher bei einer Stunde pro Tag – mit Blogbeitrag verfassen und in meinen Kanälen posten mehr.

Wie verfizierst du deine Quellen?
Ich kenne die Seiten, von denen ich nichts nehme, weil sie unseriös sind. Aber ich überprüfe auch das, was zum Beispiel Qualitätsmedien schreiben. Ich suche immer nach der Originalquelle. Bei neuen Forschungsergebnissen muss ja auch irgendwo der Forschungsbericht zu finden sein. Das gleiche ich dann mit dem ab, was die Medien geschrieben haben. Bei technischen oder medizinischen Themen ist das schwierig. Das muss man ja zuerst einmal verstehen und dann so übersetzen, dass es der Leser versteht.

Ist der durchschnittliche Leser überhaupt zugänglich für positive Geschichten? Der Boulevard und die Negativschlagzeilen sind ja nicht umsonst so beliebt.
Ja, ich glaube an den Leser. Positive Schlagzeilen können auch ziehen. Es gibt derzeit nur kein wirkliches Angebot, dass sich mit Positivem beschäftigt. Gäbe es das, würde es meiner Meinung nach gut angenommen werden.

Was ist das finale Ziel deines Projekts?
Ich freue mich zunächst, wenn ich die 365 Tage wirklich schaffe und die Website dann als abgeschlossenes Projekt im Netz steht – natürlich auch für später. Ich bekomme heute schon viele positive Rückmeldungen, dass es gerade jetzt so ein Projekt brauche. Wenn sich also einige später denken: „2017 hat sich einiges Gutes getan“, dann habe ich mein Ziel erreicht.


Diese Grafik ging Anfang des Jahres auf Twitter viral. Sie zeigt die Entwicklung der Welt seit dem Jahr 1800.
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