02.11.2017, 09:16 Uhr

Demenz: Zuhören statt Phrasen dreschen

Hanna Fiedler bietet psychosoziale Begleitung für pflegende Angehörige. (Foto: Christian Mari)

Hanna Fiedler begleitet pflegende Angehörigen von Demenzkranken

WIEDEN. Wenn jemand an Demenz erkrankt, leidet meist das familiäre Umfeld ebenso wie der Erkrankte. Das Verständnis für die Überforderung der pflegenden Angehörigen besteht meist aus Floskeln wie "Ich bewundere dich", eine Burn-Out-Gefährdung hingegen wird nicht ernst genommen. Aus diesem Grund hat Hanna Fiedler nun in der Waaggasse 14 im 4. Bezirk eine Praxis eröffnet. Sie bietet Angehörigen eine psychosoziale Begleitung samt psychologischer Beratung.

"Es ist keine Beratung für die Erkrankten, sondern ich biete ausschließlich Hilfe für die überforderten Angehörigen an", so Fiedler, die weiß, wovon sie spricht. Fünf Jahre war die diplomierte Lebens- und Sozialberaterin ausschließlich mit der Pflege ihres erkrankten Ehemanns beschäftigt. "Ich habe 36 Kilo abgenommen und mein Magen war kaputt. Ratschläge von Bekannten wie `Du musst auf dich schauen´sind für Angehörige, die durch die Pflege schwere gesundheitliche Probleme bekommen, eher ein Hohn," so Fiedler.

Schwere Erkrankungen der Angehörigen

Und diese gut gemeinten Ratschlägen hören in Österreich hunderttausende Menschen. Bei 130.000 Personen ist Demenz diagnostiziert, beachtet man die Dunkelziffer, dürfte die Anzahl doppelt so hoch sein. "Diese Angehörigen sind suchtgefährdet, neigen zu Herzrhytmusstörungen, Zahnproblemen und Burn Out. Auch Routineuntersuchungen wie etwa beim Frauenarzt werden aus Zeitmangel ausgelassen."Hinzu kommen die Selbstvorwürfe: Nicht selten verlieren Familienmitglieder die Nerven und schreien den Kranken an. "Ich biete sowohl eine Beratung in Akutfällen als auch eine dauerhafte Begleitung alle drei bis vier Wochen. Mein Ziel ist, dass der Angehörige wieder atmen kann, wenn er bei der Türe hinaus geht", so Fiedler, die pflegende Angehörige auch über ihre Rechte aufklärt. "Pflegende Angehörige können entweder mit dem Erkrankten ein bis zwei Wochen auf Reha fahren oder für sich selber eine Auszeit nehmen. Vom Sozialministerium gibt es für die Finanzierung einer Urlaubspflege Unterstützung."

Alle Infos unter www.hannafiedler.at oder Tel. 0650/3238138
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Monika Weiss aus Wieden | 03.11.2017 | 10:43   Melden
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