03.11.2017, 16:34 Uhr

"Die Kümmerei": Mit Highspeed zurück in den Berufsalltag

Robert Otahal (Foto: Job-TransFair)

Das Beschäftigungsprojekt soll am Arbeitsmarkt Benachteiligten die Reintegration ins Berufsleben erleichtern.

MARGARETEN. Der Weg zum Traumjob ist oftmals lang und steinig und nicht selten von vielen Umwegen geprägt. Als Neuling in den Arbeitsmarkt einzusteigen, kann ein ebenso holpriges wie langwieriges Unterfangen sein. Viel schwieriger als der Neueinstieg gestaltet sich jedoch der Wiedereinstieg. Einmal weg vom Arbeitsmarkt kann die vielbeschworene "Lücke im Lebenslauf" zum unüberwindbaren Hindernis auf den Weg zurück in ein Beschäftigungsverhältnis werden. Besonders gefährdet sind hier Langzeitarbeitslose, Menschen über 50 und Asylberechtigte. Und um genau diese Personen geht es in der "Kümmerei", dem sozio-ökonomischen Betrieb der Job-TransFair GmbH.

Wie die Kümmerei entstanden ist? "Das war eine witzige Geschichte", erinnert sich Leiterin Bettina Schachinger. Das BFI Wien realisierte damals das Projekt "Arbeiten und Lernen" - "ein klassischer AMS-Kurs", so Schachinger. Im Zuge dieses Kurses renovierten Arbeitslose mehrere Schulen und Kindergärten. Irgendwann fasste man man bei der BFI-Tochter Job-TransFair den Entschluss: "Wir machen einfach eine interne Beschäftigung daraus". Gesagt, getan, im April 2013 öffnete die "Kümmerei" - zunächst mit 14 Personen. Mittels "Training-On-The-Job" sammeln Arbeitslose im Auftrag des Arbeitsmarktservice seither praktische Arbeitserfahrungen in gefragten Berufsfeldern.

153 Personen in neun Bereichen

„Das Ziel aller unserer Bemühungen besteht darin, am Arbeitsmarkt Benachteiligte nachhaltig in einen Job zu bringen“, erzählt Bettina Schachinger. Das Angebot der Kümmerei, ansässig am Margaretengürtel 138, richtet sich insbesondere an Menschen über 50 und Asylberechtigte. Je nach Beschäftigungsfeld erhalten Arbeitslose von der Kümmerei eine "Beschäftigung unter Anleitung", erwerben dabei praktische Erfahrung und - am aller wichtigsten - einen leichteren Einstieg in ein zukünftiges Beschäftigungsverhältnis. Neun Berufsfelder stehen den Teilnehmern dabei zur Verfügung. Mittlerweile beschäftigt die Kümmerei 153 Personen in verschiedensten Branchen, von der Gastronomie über IT bis hin zum Baugewerbe. "Die Entwicklung, die wir in den letzten Jahren gemacht haben, ist sehr stark", so Schachinger.

Mit der KANT_INE VIER ZEHN hält man beispielsweise einen eigenen Gastronomiebetrieb. Mit Juli 2015 übernahm man das Restaurant in der Sargfabrik, Menschen über 50 sind seitdem für den reibungslosen Ablauf zuständig, sammeln so wichtige Berufserfahrung und finden einen leichteren Wiedereinstieg ins Berufsleben. Denn, so ist man in der "Kümmerei" überzeugt, wer schon in einem Beschäftigungsverhältnis ist, der hat auch weniger Probleme damit, ein Neues zu finden.

Über die KANT_INE zurück in den Berufsalltag

Robert Otahal weiß genau hiervon ein Liedchen zu singen. Seine Leidenschaft fand der heute 53-Jährige in den Streichinstrumenten, arbeitete zehn Jahre selbstständig als Kunsttischler, Instrumentenbauer und Antiquitätenhändler ehe der Traum nach Scheidung und Konkurs ein jähes Ende fand. Seine eigene Werkstatt musste er im Zuge dessen aufgeben, Otahal stand wieder bei Null. Sechs Monate absolvierte er darauf als „Transitmitarbeiter“ in der KANT_INE VIER ZEHN. Nach einem halben Jahr als Kellner fand Otahal seinen Weg in den Familienbetrieb Schmauswaberl in Mariahilf. Dort ist er seither nicht nur als Kellner zur unverzichtbaren Kraft geworden, sondern kann nebenberuflich auch wieder seiner Leidenschaft, dem Instrumentebau, nachgehen.
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