15.03.2017, 10:39 Uhr

Dieter Jank: "Eine Tischlerlehre zahlt sich aus"

Dieter Jank ist Geschäftsführer der Bundesinnung der Tischler und Holzgestalter in der Wirtschaftskammer Österreich.

Die Wiener Tischlerbetriebe erhalten viele Bewerbungen, doch nicht alle Jugendlichen sind auch geeignet für den Beruf.

WIEN. Neben handwerklichem Geschick sind auch gute Noten nötig, um die fachliche Theorie zu erlernen. Dieter Jank ist Geschäftsführer der Bundesinnung der Tischler und Holzgestalter in der Wirtschaftskammer Österreich. Im Interview mit der Bezirkzeitung spricht er sich für eine Lehre als Tischler aus, da der Beruf gute Zukunftschancen bereithält.

Ist der Beruf Tischler noch attraktiv als Lehrberuf
DIETER JANK:
"Ja durchaus, der Tischlerberuf zählt aufgrund seiner vielfältigen und umfangreichen Ausbildung zum Glück noch immer zu den gefragtesten Lehrberufen. Gut ausgebildete Tischlerfacharbeiter und -facharbeiterinnen sind immer noch sehr gefragt und haben auch entsprechend gute Aufstiegschancen. Seit einigen Jahren geht sogar der Trend dahin, dass unsere jährlichen Meisterkurse in Wien immer voll ausgelastet sind."

Gibt es in Wien genug Lehrbetriebe, die Lehrlinge ausbilden?
Leider hinterlässt die jahrelang überbordende Bürokratie, ein oftmals falsch verstandener Jugendschutz und eine viel zu geringe Anerkennung in Politik und Gesellschaft ihre Spuren bei den Betrieben. Nicht zuletzt zwingt auch die angespannte wirtschaftliche Situation so manchen Ausbildungsbetrieb zum Überdenken der Ausbildungsbereitschaft.

Gibt es genug interessierte Lehrlinge, um den Bedarf abzudecken?
An und für sich gibt es genug Bewerbungen in der Branche, jedoch fehlen bei sehr vielen Jugendlichen die Voraussetzung für eine erfolgreiche Ausbildung. Wir dürfen heute nicht mehr davon ausgehen, dass handwerkliche Geschicklichkeit alleine genügt. Im Tischlerberuf bedarf es aufgrund seiner breiten Angebotspalette auch entsprechend guter schulischer Vorkenntnisse, um auch den fachspezifisch-theoretischen Teil erfolgreich zu erlernen.

Interessieren sich auch Mädchen für den Beruf?
Hier wäre noch einiges an Potenzial vorhanden - sowohl bei den Jugendlichen selbst, als auch bei den Unternehmen. Tischlerbetriebe, die Mädchen oder Frauen beschäftigen, sprechen sehr positiv über deren besonderes Engagement. Leider bleiben jedoch langfristig gesehen zu wenige in der Branche. Natürlich ist es für junge Mädchen bzw. Frauen in einem doch körperlich herausfordernden Beruf nicht einfach - speziell in kleinen Betrieben, wo noch verstärkt händisch gearbeitet wird.

Wie viele Prozent in etwa decken die weiblichen Lehrlinge ab?
Rund fünf Prozent in den Betrieben und circa 15 Prozent in außerordentlichen Lehrwerkstätten sind weibliche Lehrlinge.

Sind die Wiener Tischler überhaupt auf weibliche Lehrlinge eingerichtet?
Die meist klein- bis kleinststrukturierten Wiener Tischlereibetriebe haben damit Probleme. Viele Werkstätten sind einfach zu klein, um entsprechend notwendige Trennungen im Garderoben- und Toilettenbereich zu schaffen. Oftmals wird zwar zu Beginn einer Lehre ein Kompromiss geschaffen, der aber langfristig zu Schwierigkeiten und Missstimmungen führen kann. Hier sind größere Tischlereien mit entsprechenden Betriebsflächen im Vorteil. Dennoch gibt es auch einige kleine Firmen, welche die Anforderungen optimal erfüllen.

Sind Möbelhäuser wie Ikea, Leiner und Co Konkurrenz für Wiener Tischler?
Natürlich sind diese großen Häuser eine enorme Konkurrenz. Schließlich haben wir europaweit gesehen in und um Wien die größte Dichte an Möbelhäusern. Beispielsweise ist der Küchensektor bei den Wiener Tischlern fast zur Gänze eingebrochen. Die Werbebudgets der Möbelhäuser scheinen schier unbegrenzt zu sein und die Postkästen der Haushalte quellen über mit Werbeprospekten. Eine Rabattschlacht sondergleichen wird dem Kunden suggeriert, um diesen in die Möbelhäuser zu locken.

Welche Strategien gibt es, dem entgegenzuwirken?
Der Nachteil der kleinstrukturierten Betriebe ist durchaus auch ein Vorteil und eine Chance. In diesen Betriebsgrößen ist es einfacher, auf entsprechende Marktveränderungen und Kundenwünsche zu reagieren. Diese Flexibilität hat die Wiener Tischlereibetriebe immer ausgezeichnet und am Leben erhalten. Natürlich muss man bereit sein, diese steten Veränderungen auch rasch zu erkennen und umzusetzen. Immer mehr Betriebe gehen ab vom klassischen Einzelkämpfer und versuchen betriebsspezifische Ressourcen mit anderen KollegInnen zu teilen. Hier ist die Nähe ein Vorteil und wird auch immer mehr genutzt. Der Konkurrent von gestern ist der Partner von morgen, mit dem auch entsprechend größere Aufträge abgewickelt werden können. Dem Druck der Massenmöbel können wir nur mit Qualität, Termintreue und Einzigartigkeit im Produkt entkommen. Warum müssen wir Möbel kaufen, die in China oder sonst wo in der weiten Welt produziert und anschließend tausende Kilometer transportiert werden? Der Tischler produziert regional, ökologisch und umweltfreundlich. Mit minimalen Anfahrtswegen und für jedem Kunden ein auf den Raum und auf die Person abgestimmtes Unikat. Diese Aspekte wird auch die neu geplante Bundeswerbung der Tischler besonders hervorheben.

Zu Sache

Am 23. und 24. Juni findet heuer nach neun Jahren wieder der Bundeslehrlingswettbewerb der Tischler in Wien statt. Hier gibt es vor allem am 24.6. am Vormittag die Möglichkeit, den Besten der Branche beim Wettbewerb in der Stadthalle über die Schulter zu schauen. Infos: www.wko.at/tischler

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