30.10.2017, 17:29 Uhr

"Herminengasse" - Ein Holocaust-Mahnmal in der U-Bahnstation Schottenring!

Auf den ersten Blick denkt man an eine innovative Bleistiftzeichnung eines Jung-Künstlers oder an extravagante Brainstorming-Ideen eines Architekten. Tatsächlich steckt hinter dem Projekt im untersten Stockwerk der U-Bahn-Station Schottenring, am linken Donaukanal, eines der düstersten und grauenvollsten Vorfälle der nationalsozialistischen Kriegsherrschaft.

In den Jahren 1938 bis 1945 wurden nachweislich 800 Juden und Jüdinnen, die in der Herminengasse lebten, von den Nazis deportiert. Jener Durchgang, in dem die künstlerische Installation eingerichtet wurde, führt genau in diese Gasse des 2. Wiener Gemeindebezirks Leopoldstadt, in dem fast 60.000 uden lebten. Die Idee stammt von der deutschen Künstlerin und Sängerin Michaela Melian, die sich bereits bei ihren Werken "Memory Loops" und "Föhrenwald" mit dem Nationalsozialismus beschäftigte. Die traurigen Fakten wurden von der Historikerin Tina Walzer recherchiert.

Die 21 Häuser der Herminengasse, die teils in jüdischem Besitz waren und enteignet wurden, teils auch als Sammelquartiere verwendet wurden, werden von Melian als diagrammatische Informationsbalken dargestellt. 1322 jüdische Menschen lebten damals in diesen Häusern, 800 davon wurden in Konzentrationslagern ermordet. Das grausame Schicksal dieser Menschen wird veranschaulicht durch Linien zwischen den Balken und den am Rand namentlich angeführten Vernichtungslagern.

"Immer wieder packt mich dasselbe Grauen, wenn ich durch eine Unterführung gehe", so der Stadtentwicklungskritiker Siegfried Kracauer im Berlin der 60er. Grauen zu erwecken ist allerdings zuwenig. Die Intention liegt darin, dass solche Vorfälle nie mehr passieren dürfen. Und das soll jeder, der diese Passage durchschreitet, beherzigen und sich vehement aktiv gegen minderheitenfeindliche Initiativen einsetzen. Auch wenn er gerade das Bierchen für das Donaukanaltreiben öffnet, die Studienunterlagen durchblättert oder seinen neuen Lieblingssong auf dem Handy hört.

www.oliverplischek.at
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