17.03.2017, 09:04 Uhr

Vollgas durch den Schnee: Jakub Gora und Christian Adler auf dem Weg zu den Special Olympics Winter Games 2017

Jakub Gora (21) und Christian Adler (20) und Trainerin Susanne Müller (44)

Bei den Winter Games im Schneeschuhlauf in Schladming ist vor allem die Konkurrenz aus dem Norden gefürchtet - aber auch im schneefernen Gibraltar weiß man wie es geht. Die Wiener Jakub Gora und Christian Adler wollen ihr Bestes geben.

WIEN. Schon in der Jungsteinzeit, knapp 4000 Jahre vor Christi Geburt, gab es sie: Schneeschuhe. An die Verwendung als Sport- und Freizeitgerät dachte freilich noch keiner, damals galt es einzig und allein große Schneemassen möglichst energiesparend zu durchqueren.

Ganz Ähnliches haben auch Jakub Gora und Christian Adler im Sinn: 200 Meter, wenn möglich unter 50 Sekunden und im besten Fall schneller als die Konkurrenz. Bei den Special Olympic Winter Games in Schladming wollen die Beiden ganz vorne mitmischen. Dass sie ordentlich was in petto haben, haben sie bereits mehrmals bewiesen.

Bei den sogenannten Pre-Games im letzten Jahr erkämpfte sich der 21-jährige Gora den 2. Platz. Nach einem tadellosen ersten Durchgang löste sich im Finallauf unglücklicherweise der Schuh. "Deshalb hoffe ich, dass der Schuh dieses Mal einfach dran bleibt", dann stünden die Chancen auf eine Goldmedaille ganz gut, so Gora. Auch Kollege Adler liebäugelt mit einen der vorderen Ränge, "hoffentlich natürlich der 1. Platz". Ob sie Konkurrenten seien? Wohl eher nicht, ein bisschen vielleicht, aber auf alle Fälle sind sie "sehr gute Freunde". Konkurrenz kommt dabei insbesondere aus dem hohen Norden, Athleten aus Finnland und Russland seien besonders stark. "Aber die gehen auch schon mit Schneeschuhen in die Schule", merkt Trainerin Susanne Müller mit einem Schmunzeln an.

Auf Schneesuche

Daher hoffe man vor allem auf Konkurrenz aus dem Süden, also auf Athleten, welche auf dem Weg zur Schule eher zu Flip-Flops und Sandalen denn zu Schneeschuhen greifen. Aber auch diese seien nicht zu unterschätzen, erklärt Müller. So wirr das klingen mag, aber insbesondere Teilnehmer aus Gibraltar seien im Schneeschuhlauf immer gut vertreten. Zwar ist Schnee am südlichen Zipfel Europas eher Mangelware, doch auch der Sand am Strand eigne sich hervorragend zum Trainieren. Und das Problem mit dem Schnee ist auch Gora und Adler nicht fremd." Auf der ständigen Suche nach Schnee" tingelt man zwischen Wien, Semmering und der Ramsau umher. Ein guter Teil des Trainings besteht ohnehin aus Konditions- und Fitnesstraining, welches auch problemlos in Wien abgehalten werden kann.


Jakub Gora und Christian Adler mit Trainerin Susanne Müller (44)

Doch um die Fitness ist es bei den beiden wohl ohnehin nicht schlecht bestellt. Für Jakub ist es neben dem Schneeschuhlaufen vor allem Radfahren, Reiten, Skifahren, Schwimmen und der Fußball der ihn mit der nötigen Kondition versorgt. Sport steht bei ihm jeden Tag auf dem Programm. Neben seiner Kochlehre und Berufsschule hilft er dann noch einmal wöchentlich in einem Pensionistenwohnheim im Service mit. Alles in allem also "ganz schön viel zu tun", lacht Gora.

Auch sein 20-jähriger Teamkollege Adler ist mit Kickboxen, Fahrradfahren und Reiten ganz schön beschäftigt. Vor sechs Jahren konnte er bereits in Griechenland bei den Special Olympics World Summer Games im Dressurreiten zeigen, was er drauf hat. Mit einer Gold- und zwei Silbermedaillen im Gepäck kam er damals aus Athen zurück. Adlers Motto "Das Leben ist kein Wunschkonzert, aber manchmal spielt es dein Lieblingslied" könnte passender wohl nicht sein.

"Wieso eigentlich nicht?"

Der Rückhalt und die Unterstützung der Familie ist dabei bei beiden ein ganz besonders wichtiger Faktor. "Es freut mich einfach zu sehen, dass mein Sohn so viel Spaß hat", heißt es von Mutter Gora. "Und manchmal freuen sie sich, auch mal ihre Ruhe zu haben", lacht der Sohn. Dass es überhaupt zur Teilnahme an den Winter Games kam, haben sie Trainerin Müller zu verdanken. Als die Sonderschullehrerin hörte, dass die Vorbereitungswettkämpfe in der Nähe von Wien stattfinden, dachte sie sich: "Wieso eigentlich nicht?". Auch Gora und Adler, welche Müller vom Reitsport kannten, waren schnell von der Idee überzeugt. Vor drei Jahren habe man das Ganze "mal ausprobiert", so Gora und irgendwann dachte man sich, "wieso eigentlich nicht?".

Die Special Olympics im Internet:

Die Special Olympics Winter Games 2017 kann man umfangreich im Internet auf Facebook, Twitter, Instagram, Flickr und auf einem eigenen You-Tube-Channel verfolgen.


Hintergrund:

Bericht: Wiener Special Olympics Team im Rathaus verabschiedet
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