09.10.2017, 10:17 Uhr

Wiedner Gymnasium: Fairtrade macht im Vierten Schule

Professor Damien Agbogbe (Mitte) hat mit Schülern der dritten Klassen ein spanisches Lied einstudiert - Besucher Gregorio Méndez Moreno ist zu Tränen gerührt

Am Wiedner Gürtel 68 gab ein mexikanischer Kaffeebauer den Schülern einen Einblick in seinen Alltag.

WIEDEN. Klimawandel, faire Produktion, Bio-Produktion – diese Worte sind jedem geläufig, doch was steckt genau dahinter? Um alles über faire Produktion zu erfahren, lud das Wiedner Gymnasium am Gürtel, das eine von 39 Fairtrade-Schulen in Wien ist, einen „echten" Kaffeebauer aus Mexiko ein.

Gregorio Méndez Moreno erklärte den Schülern, wie Fairtrade in der Praxis gelebt wird: Von der Gründung einer Kooperative, über Startprobleme, Klimawandel, Anbau und Hindernisse seitens großer Konzerne, bis hin zur Umstellung auf Bio-Produktion und Zukunftsperspektiven für Fairtrade-Bauern. Erfahrung hat Moreno mehr als genug. Vor 33 Jahren gründete er gemeinsam mit anderen Kaffeebauern eine Kooperative in Palenque. Dadurch gelang es ihnen, den Zwischenhandel auszuschalten, der die Preise drückte und den direkten Kontakt zu Abnehmern verhinderte. „Natürlich gab es auch Drohungen, aber wir haben uns nicht beirren lassen. Das war uns unsere Unabhängigkeit wert!“. 1989 wurde auf Bio-Produktion umgestellt, die Böden erforscht und im eigenen, kleinen Labor Bio-Dünger und natürliche Mittel zur Schädlingsbekämpfung hergestellt.

Menschenwürde, statt Almosen

„Fairtrade hat für uns zwei große Vorteile: Einmal der garantierte Mindestpreis und dann die Zahlung einer zusätzlichen Sozialprämie, über deren Verwendung wir selbst entscheiden“, so Moreno. Damit werden unter anderem Schulen und Krankenstationen gebaut und Workshops für Weiterbildungen finanziert. 313 Bauern aus 39 umliegenden Gemeinden gehören zur Kooperative. 80 Prozent des Kaffees gehen in den Fairtrade-Export, der Rest ist für den lokalen Markt.

Im Anschluss an den Vortrag gab es eine ausgedehnte Fragerunde, an der auch die Professoren teilnahmen. "Wir haben im Unterricht viel recherchiert und diskutiert, was wir selbst tun können, um fairen Handel zu unterstützen,“ so Damian Agbogbe, Professor für Ethik und Religion. Die Antwort des Kaffeebauers war einfach: "Gute Produkte kaufen, die euch auch gut tun. Konsumiert Tee, Kaffee, Kakao, Schokolade und Bio-Bananen, die fair gehandelt werden! Wir Bauern wollen keine Spenden, sondern unsere Würde behalten. Und das geht nur, wenn wir eine faire Chance haben, unsere Familien mit unserer Arbeit ernähren zu können und unabhängig zu sein.“

Zum Abschluss gab es noch ein spanisches Lied, das Agbogbe mit seinen Schülern vorbereitet hat. „Ich habe mich noch nie so willkommen und verstanden gefühlt wie bei euch“, bedankte sich Gregorio Méndez Moreno unter Tränen.

Zur Sache

Fairtrade ist eine Fairhandelsbewegung, die für kontrollierten Handel steht. Sie ermöglicht Erzeugern einen Mindestpreis für ihre Produkte, unabhängig vom Marktpreis. Fairtrade-Produkte sind mit einem runden blau-grünen Siegel gekennzeichnet. Infos: www.fairtrade.at
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