02.07.2018, 09:35 Uhr

Wiener Achse: Unkonventionelle Kunst und Literatur aus Wien

Aram Haus von der Wiener Achse.

Aus dem Künstlernetzwerk Wiener Achse entstand 2017 der Achse Verlag, der nun seine Neuerscheinungen für 2018 verrät.

WIEDEN. Die 2012 gegründete "Wiener Achse", zählt mittlerweile 140 aktive Mitglieder und vernetzt Künstler und Kulturschaffende quer durch Europa. Im vergangenen Jahr gründete das Netzwerk, das seinen Sitz auf der Wieden hat, den Achse Verlag.  "Der Verlag hat sich aus dem Netzwerk entwickelt. Es sind viele Künstler mit Buchideen an uns herangetreten, das war fast ein organischer Prozeß", erklärt Achse-Direktor Aram Haus. "Ich weiß, es ist fast verrückt, einen Verlag zu gründen, während alle jungen Buchhandlungen und Verlage sterben. Aber wir haben das Ziel, die Diversität sicherzustellen." Dass dieses Bewahren der kulturellen Vielfältigkeit kein Schlagwort, sondern harte Arbeit ist, beweist Aram Haus mit fünf Büchern, die im Herbst im Achse Verlag, der am Rooseveltplatz am Alsergrund angesiedelt ist, erscheinen.

Die Auswahl der Themen und Autoren ist ebenso ungewöhnlich wie das Wirken der Achse, die ihre Lesungen, Konzerte und Ausstellungen an Orten veranstaltet, wo man normalerweise nicht mit dieser Kunst rechnet. "Wir veranstalten beispielsweise klassische, symphonische Konzerte in elektronischen Diskotheken wie des Volksgarten. Auch beim Food Festival im Museumsquartier sind wir Partner und bieten unsere Kunst in diesem ungewöhnlichen Ambiente." So erscheinen nun im Achse Verlag der erste Roman des "Vice"-Chefredakteurs Markus Lust und das "Infotainmentbuch" "BeMarkenswertes Wien", in dem Tragisches, Historisches und Absurdes rund um Wien als Briefmarken festgehalten sind, von "Bernd das Brot"-Erfinderin Cosima Reif ebenso wie ein Kochbuch mit 100 Rezepten für den Wasserkocher. "Wir bieten dem Publikum neue Kunstbereiche an. Ein Kochbuch kennt jeder, aber ein Kochbuch mit Rezepten ausschließlich für den Wasserkocher wie `Joy of Waterboiling´ist in dieser Form noch nie dagewesen", so Aram Haus.

Bedürfnisse der Leser wichtig

Dass ein Markt für einen neuen Verlag existiert, daran zweifelt der Konzeptkünstler keine Sekunde. "Es gibt einen Markt. Man muss nur Konzepte entwickeln, um gegen die zwei großen Buchmonopole bestehen zu können." Um den Buchmarkt zu verteidigen und weiterhin Nischenprodukte verlegen zu können, setzt Achse Verlag auf Vernetzung mit anderen Verlagen und Buchhandlungen, und zwar europaweit. "Wir haben zwei Kerngeschäfte: Unkonventionelle Bücher zu produzieren und den Fokus auf eine europäische Kapazitätenbildung mit Publikumsentwicklung zu legen. Das heißt konkret: Im November findet in Wien das erste Netzwerktreffen mit jungen und alten Verlagen und Buchhandlungen statt. Es sollen gemeinsam neue Modelle entwickelt werden, um gegen Riesen wie Amazon bestehen zu können."

Bedeutend für die Achse ist der Austausch mit dem Publikum. "Unsere Projekte sind wissenschaftlich begleitet mit Fragebögen, in denen wir beispielsweise das Buch- und Musikkonsumverhalten erfragen", erklärt Haus. "Wir müssen die Bedürfnisse der Leute kennen, um uns nach ihnen richten zu können. Wir produzieren die Bücher im direkten Austausch mit den Lesern, alles andere wäre Ressourcenverschwendung." Das Thema Ressourcen ist im Achse Verlag generell ein großes Thema. "Wir sind dabei, die erste CO2-freie Buchauslieferung Wiens gründen."

Der "kultivierten, leidenschaftlichen und ohne Konkurrenzdenken ausgestatteten" Buchbranche streut Aram Haus ebenso Rosen wie dem Wiedner Bezirksvorsteher Leo Plasch. "Seine humanistische Vision des Zusammenlebens ist für die Wiener Achse inspirierend. Es sind Zusammenarbeiten wie ein Schultheaterprojekt mit dem Bezirk geplant", verrät Aram Haus. "Wir werden `Die Verwirrungen des Zöglings Törleß´ von Robert Musil in den Schulen anbieten."

Bücher und weitere Infos finden Sie unter www.achseverlag.com
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