18.09.2016, 16:21 Uhr

Wahlwiederholung in der Leopoldstadt: Das sagen die Bürger

Die NEOS legen es auf einen weiteren Durchgang an.

Die Leopoldstädter wählen heute eine neue Bezirksvertretung. Das Endergebnis der Wahl wird erst morgen, nach Auszählung der Wahlkarten, feststehen.

LEOPOLDSTADT. Zehn weiße VW Golf der MA 48 stechen vor dem Amtshaus in der Karmelitergasse ins Auge. Die Fahrer stehen in Gruppen zusammen, rauchen und tratschen. Man habe Kommunikationsverbot, heißt es. Dennoch stellt sich heraus: Das sind die Wahlkartenboten. Muss eine defekte Wahlkarte ausgetauscht werden, werden Sie direkt zum Wähler geschickt. Angesichts des Desasters mit den Kuverts ist das bei der heutigen Wahlwiederholung in der Leopoldstadt nötig. Einer der Boten sagt, dass heute sicher schon über 100 Wahlkarten getauscht wurden. Rund 40 Helfer würden dafür eingesetzt.

Wie im Bund, so auch im Zweiten. Nur dass hier die Wahl termingerecht stattfindet – selbst mit defekten Wahlkarten. Im Gegensatz zur Bundespräsidentenwahl gilt für die Wahl im 2. Bezirk das Wiener Landesgesetz: Hier ist man der Meinung, dass bereits ausgefüllte Wahlkarten sehr wohl getauscht werden können. Die Briefwahl ist ein zentrales Thema für die Leopoldstädter Wähler. "Es würde mich nicht wundern, wenn auch die Wiederholung der Wahl angefochten wird, da sich die Wahlkarten auflösen", sagt eine Wahlbeisitzerin. Für den Leopoldstädter Robert S. ist klar: "Ich glaube, dass die FPÖ bei dieser Wahl den zweiten Platz macht. Die Grünen werden sich jedoch nicht trauen, das zu beeinspruchen. Der Wählerverdruss ist schon zu hoch." Dennoch gäbe es sicherlich Spielraum für eine neuerliche Anfechtung, so der Selbständige.

Niedrige Wahlbeteiligung

Dass überhaupt wiederholt werden muss, sieht man mit gemischten Gefühlen. "Fehler passieren eben. Dann muss man eben wieder wählen. Aber es ärgert mich, weil es Steuergeld kostet", so der Unternehmer Markus W., während er sein Fahrrad vor dem Amtshaus abschließt. "In einer blauen Stadt möchte ich aber nicht wohnen", sagt er. Der Politikwissenschafter Laurenz Ennser-Jedevastik sieht das pragmatisch: "Wenn die Auszählung nicht funktioniert, muss eben wiederholt werden. Ich denke nur, dass die Wahlbeteiligung deutlich niedriger sein wird." Tatsächlich sprechen Wahlbeisitzer immer wieder von einer sehr niedrigen Wahlbeteiligung. Schwach sei sie, bestätigt auch Helmut Schuckert aus der Bezirksvorstehung.

Vor den Gemeindebauten in der Engerthstraße ist man sich der Verantwortung der Wählerstimme auch bewusst. Doch im Gegensatz zur Angst vor den Blauen im Karmeliterviertel, herrscht hier Angst vor der Grünen. "Wenn man hier wohnt, hat man sich anzupassen. Die Gemeindewohnung werden mit Ausländern besetzt, anstatt auf eigene Volk zu schauen", sagt die Angestellte Manuela T. In vielen Dingen hätten sie ja recht, die Blauen, so Erna S. "Reden ist jedoch leicht. Ob sie es dann wirklich können, müssten sie natürlich erst zeigen", sagt die Pensionistin. Von der FPÖ will Manuela Zainzinger nichts hören. "Es ist schon seltsam, dass gerade die FPÖ die Wahl angefochten hat, wo doch deren Beisitzer eine wesentliche Rolle bei den Unregelmäßigkeiten spielten. Ich gehe heute wählen, damit die, die das angefochten haben, nicht Recht bekommen", sagt die 49-Jährige.

Das Ergebnis der heutigen Wahl wird erst morgen feststehen. Bis 17 Uhr sind die Wahllokale geöffnet, danach werden die direkt abgegebenen Stimmen ausgezählt. Morgen folgt die Auszählung der Wahlkarten. Im Laufe des Abends wird es allerdings eine erste Hochrechnung geben.
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