10.07.2017, 10:46 Uhr

Autorennen am Nürburgring: Wiener Thomas Jäger mischt die Eifel auf

Bereits mit vier Jahren drehte Jäger die ersten Runden - damals noch auf dem Schoß seines Vaters. (Foto: 1VIER.COM)

Bei 70 Grad im Cockpit und einer Strecke, die keinerlei Fehler verzeiht, gehen sowohl Mensch als auch Maschine an ihre Grenzen, erklärt Rennsportler Jäger im bz-Interview.

WIEDEN. Auf der Nordschleife am Nürburgring, in Motorsportkreisen die "schwierigste Strecke der Welt", dreht Rennfahrer Thomas Jäger regelmäßig seine Runden - und das zumeist deutlich schneller als die Konkurrenz. Zwei Siege und einen zweiten Platz konnte der 22-Jährige mit seinem Teamkollegen Rudi Adams im Team "Scheid-Honert Motorsport" bei den bisherigen drei Starts auf der Nordschleife bereits einfahren. Kurz vor seinem vierten Start bei der Langstreckenmeisterschaft empfing Jäger die bz in seiner Wohnung im Wiedner Freihausviertel.

Herr Jäger, Sie kommen gerade vom Laufen. Wie wichtig ist denn körperliche Fitness und Ausdauer im Rennsport - vor allem auf Ihrer Distanz?
Thomas JÄGER: Ich glaube, dass bei uns die Fitness extrem wichtig ist, was viele unterschätzen. Dadurch, dass Motorsport auch körperlich anstrengend ist, wie viele andere Sportarten. Erstens, wenn es draußen jetzt 30 Grad hat, kann's im Auto auch mal 60 bis 70 Grad warm werden. Wir haben keine Klimaanlage natürlich, damit Gewicht eingespart wird. Das Auto heizt sich aber extrem auf, der Motor sitzt knapp zum Cockpit, der Benzin auch. Alles sitzt knapp beim Fahrer und das erhitzt sich natürlich gewaltig - gerade wenn die Sonne scheint. Das Bremspedal zu betätigen funktioniert zudem nicht wie im Straßenverkehr, dass man das nur antippt. Da muss man mit über 100 Kilo reinsteigen und das macht man in der Runde halt mehrmals und über eine Distanz von zwei bis drei Stunden ist das schon sehr, sehr anstrengend. Wichtig ist es natürlich, generell Ausdauer zu haben, aber dann sind auch andere wichtige Sachen wie Reaktion und Kraft.

Sie starten dieses Jahr bei der Langstreckenmeisterschaft am Nürburgring. Dieser gilt bekanntlich als die schwierigste Rennstrecke der Welt. Was macht die Faszination an dieser Strecke aus?
Die Strecke ist erstens viel länger als die anderen Strecken. Da dauert eine Runde um die neun Minuten - auf den anderen Strecken zwischen einer Minute Dreißig und zwei Minuten Dreißig, da ist viel mehr Platz für Fehler. Dann ist die Strecke schon eine ältere Strecke, die nicht wie die neuen Strecken mit Auslaufzonen versehen sind und eigentlich nichts passiert, wenn man Fehler macht. Am Nürburgring sind die Leitplanken ganz knapp an der Strecke und es wird jeder Fehler bestraft. Dann hat die Strecke viele Bodenwellen, viele Unebenheiten. Ein Fehler endet meist mit einem Unfall.

Trotzdem scheint Ihnen die Strecke ganz gut zu liegen, zwei Siege und ein zweiter Platz bei drei Starts spricht wohl für sich. Kann man sagen, Sie und Ihr Team sind rundum zufrieden?
Also mit den zwei Siegen sind wir natürlich zufrieden gewesen. Beim letzten Mal haben wir leider ein Problem beim Boxenstopp gehabt, so ist es nochmal knapp geworden um den Sieg. Aber natürlich ist das Meckern auf hohem Niveau, man kann nie erwarten, dass alles so hinhaut, weil es ist auch viel von der Technik abhängig und davon, ob das Auto durchhält. Also eigentlich können wir uns nicht beschweren, wie das Jahr bis jetzt gelaufen ist.

Beim letzten Rennen verfehlte man den ersten Platz aufgrund eines Fehlers beim Boxenstopp. Wie wichtig ist es bei so einem Rennen, dass das ganze Team wirklich perfekt funktioniert?
Das ist viel wichtiger als man denkt, das hängt von so vielen Leuten ab. Aber es steht auch enorm unter Druck und die kämpfen um jede Sekunde und die wissen, dass man auf die anderen Teams jetzt schnell was verlieren kann, was die Fahrer dann wieder aufholen müssen. Solche Fehler passieren eigentlich jedem Team, uns ist es jetzt passiert und wir hoffen, dass es uns nicht mehr passiert. Vielleicht passiert's in dem kommenden Rennen wem anderen und dann haben wir das Glück auf unserer Seite.

Am Wochenende steht schon das nächste Rennen am Nürburgring an. Mit welchen Erwartungen geht man in das Rennen?
Natürlich will man immer vorne sein, aber man kann immer nur das beste aus jeder Situation machen. Ich gehe eigentlich in jedes Rennen und schau', dass ich das Beste gebe und dass ich das, was in den eigenen Händen liegt, so gut wie möglich mache. Und wenn das Glück dann noch mitspielt, ist bei uns immer einer vordere Platzierung mit drinnen. Aber es muss halt alles zusammenspielen und man kann jetzt nicht von vornherein sagen, dass man erwartet zu gewinnen. Das Feld ist dieses Jahr nochmal stärker geworden und ich konzentriere mich einfach auf die Sachen, die ich selber beeinflussen kann und hoffe, dass das Glück auch noch dazukommt, dann passt das schon.

Stehen Sie und Ihr Team am Saisonende ganz oben?
(lacht) Schwierig zu sagen. Letztes Jahr waren wir Zweiter. Wir haben jetzt noch sechs Rennwochenenden vor uns, die Meisterschaft ist sehr stark, das Ziel ist natürlich oben dabei zu sein. Ob wir dann Erster, Zweiter oder Dritter sind, hängt natürlich auch vom Rennglück ab. Wenn man einmal ausfällt oder irgendwelche technischen Probleme bekommt und eigentlich kein gutes Resultat einfährt, ist es eigentlich schon nicht mehr möglich, dass man die Meisterschaft gewinnt. Das ist alles so eng, dass es auf jede Kleinigkeit ankommt. Wir schauen eigentlich von Rennen zu Rennen, schauen, dass wir immer das Beste geben und dann erst, am Ende des Jahres, wollen wir beurteilen, woran hat's gelegen.

Vor allem aus Österreicher ist es sehr schwierig, dass man sich im Motorsport durchsetzt, da es gerade im Jugendbereich vergleichsweise wenig gefördert wird...
Es ist schwierig. Gerade im Motorsport sind die Kosten enorm, da ist man angewiesen auf die Unterstützung von heimischen Unternehmen oder Förderern. Aber es ist schwierig, so etwas in Österreich zu finden. Ich kenne viele österreichische Firmen, die sponsern lieber ausländische Fahrer, das kann ich zum Beispiel nicht verstehen. Ich finde das ist schon etwas bitter, da sollte etwas mehr Nationalstolz da sein. Für mich ist es schwer verständlich, warum es in Österreich so schwierig ist, jemand davon zu überzeugen, dass er im Motorsport Unterstützung bietet.

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