Aktive Senioren suchen Arbeit? Das Wiener Start-up WisR kann helfen

Erfolgreich vermittelt: Susanne Nebowitzky (65) unterstützt die Better-Agency von Kai Wichmann als Buchhalterin.
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  • Erfolgreich vermittelt: Susanne Nebowitzky (65) unterstützt die Better-Agency von Kai Wichmann als Buchhalterin.
  • Foto: Timar Ivo Batis
  • hochgeladen von Andreas Edler

WIEN. Von Start-ups hatte Klaudia Bachinger vor zwei Jahren noch keine Ahnung. Der 32-Jährigen war jedoch ein Problem bewusst – woraus ja oft die besten Geschäftsideen entstehen. "Ein 60-jähriger Mensch hat heute das biologische Alter eines 40-Jährigen von vor 100 Jahren", weiß Bachinger. "Alter" werde buchstäblich in veralteten Kategorien gedacht. Soziologen haben den Begriff "Silver Ager" geprägt, der Menschen über 50 als im besten Alter beschreibt. So sieht das auch Bachinger.

Ihre Idee: eine Plattform für arbeitswillige Pensionisten, um ihnen Jobs zu vermitteln. Zeitgleich soll es eine Plattform für Unternehmen geben, die sich das Wissen der "Silver Ager" zunutze machen wollen. "Der Wissenstransfer zwischen den Generationen ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor im Rahmen einer erfolgreichen und nachhaltigen Unternehmensführung", sagt Bachinger. Was derzeit allerorts passiere, sei nichts weniger als eine mangelnde Bereitschaft, sich mit anderen Generationen auszutauschen. Das hätte schwerwiegende Konsequenzen für den Wissenstransfer innerhalb eines Unternehmens. Die Jungen seien so sehr auf ihre digitale Welt fokussiert, dass sie die Erfahrung der Alten schlichtweg übersehen würden.

Gegründet im Juni 2017

Soweit die zugrunde liegende Theorie. Was Bachinger fehlte, war die Praxis. Mit ihrer Idee zog sie vor zwei Jahren durch die Wiener Start-up-Szene, um ein Team zu gründen. Im Juni 2017 lernte sie schließlich Carina Roth und Martin Melcher kennen. Gemeinsam legten sie den Grundstein für "WisR". Seit Ende vergangenen Jahres ist die Plattform www.wisr.eu online. "Deine Erfahrung ist Gold wert" ist auf der Webseite zu lesen. Man will erfahrene Talente mit passenden Unternehmen verbinden. "Ein LinkedIn für Silver Ager quasi", sagt Klaudia Bachinger. Für die Arbeitssuchenden soll die Plattform dabei kostenlos bleiben. Das Geschäftsmodell finanziert sich von der anderen Seite: Die Firmen bezahlen für Inserate. Das Profil auf "WisR" soll dabei möglichst simpel bleiben. Kein tabellarischer Lebenslauf ist auszufüllen, sondern einfache Fragen sind zu beantworten: "Was kann ich gut und warum?" steht dabei im Zentrum.

Derzeit läuft noch die Testphase des Projekts. Bis Juni soll die finale Version online gehen. "WisR" steckt auch schon in ersten Investment-Verhandlungen – Bachinger will in der ersten Runde eine mittlere sechsstellige Summe lukrieren: genug, um vorerst durchzustarten. "In einem Jahr wollen wir 30 Firmenpartnerschaften und 30.000 User generieren", sagt die Unternehmerin.

Tausende gehen in Pension

Kein Geheimnis: Die Baby-Boomer-Generation geht langsam in Pension. Allein bei der ÖBB betrifft das in den nächsten drei Jahren rund 10.000 Mitarbeiter – viele fühlen sich noch jung und wollen noch etwas tun, ist Klaudia Bachinger überzeugt: "Die Leute wollen eine sinnvolle Beschäftigung."

Mehr Infos zum Start-up "WisR" gibt es auf der Homepage und auf Facebook

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