Barrierefrei auf Konzerte: Das Wiener Start-up FullAccess macht's möglich

Frauenpower: Christina Riedler (l.) und Martina Gollner gründeten das Start-Up "FullAccess".
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WIEN. Gibt es einen persönlichen Hintergrund für Ihr Start-up?
MARTINA GOLLNER: Ich bin von Geburt an hochgradig sehbehindert. Deshalb waren große Konzertbesuche früher kein Thema. Bis mich Christina, die ich aus der Schule kenne, zu einem Konzert von Bad Religion mitgenommen hat.
CHRISTINA RIEDLER: Durch die Konzertbesuche mit Martina habe ich erst mitbekommen, wie viele Hürden es für Menschen mit Behinderung gibt. Etwa der Zugang zu WCs, nicht rollstuhlgerechte Wege, fehlende Plattformen oder wo man sich als behinderter Mensch hinstellt, damit man in der Menge nicht untergeht.

Gab es schon schlechte Erfahrungen bei Konzerten?

GOLLNER: Ja, leider. Meistens direkt bei Leuten am Einlass, die fragen, warum die Karte so billig ist, und ich meinen Behindertenpass vor allen herzeigen muss. Aber es gab auch viele schöne. Als ich etwa beim Metalfest in Wacken von Leuten nach vorne geschoben wurde, damit ich die Bühne besser sehen konnte.

Wie kam die Idee für die Gründung von "FullAccess"?
RIEDLER: Das war bei einem Iron-Maiden-Konzert in Knebworth. Dort war ein junger Mann auf einer Krankenliege. Er konnte sich überhaupt nicht bewegen, wurde künstlich ernährt und hatte zwei Pfleger dabei. Da dachte ich mir: Wenn dieser Mensch auf einer Krankenliege so etwas erleben kann, weil es ihm so wichtig ist, müssen wir was tun, damit auch jeder diese Chance hat.

Was bieten Sie mit Ihrem Start-up-Unternehmen genau an?
RIEDLER: Wir organisieren Tickets für Events, kümmern uns um Begleitpersonen und klären mit dem Veranstalter ab, wie die Location auch für behinderte Menschen ausgestattet ist. Wir beraten auch Veranstalter selbst, um mehr Verständnis für behinderte Fans aufzubauen.

Wo hatten Sie Ihren ersten großen Einsatz?

GOLLNER: Heuer beim Donauinselfest, wo wir auch mit einem eigenen Stand vertreten waren. Da kamen Leute schon im Vorfeld mit Fragen zu uns wie "Darf ich meine Matte oder meinen Taststock mitnehmen?" oder "Gibt es eine Rampe bei der Hauptbühne und wer darf dort alles rauf?". Da haben wir behinderte Menschen bei der Hauptbühne betreut und auch zwei Begleitpersonen für Besucher organisiert.

Hat schon mal ein Festival auf Sie als Berater zurückgegriffen?
RIEDLER: Ja, das große Metalfest in Wacken. Da durften wir vergangenes Jahr viele Interviews mit Menschen mit Behinderung machen und von ihnen lernen. Unsere Erfahrungen und Empfehlungen werden heuer beim Festival umgesetzt. Darauf sind wir sehr stolz.

Wer kann Ihre Hilfe in Anspruch nehmen?
RIEDLER: Alle Menschen mit Behinderung, chronischen oder psychischen Erkrankungen oder Lernschwierigkeiten. Wir sind auch kein Verein, sondern ein Start-up, das Dienstleistungen anbietet, für die man bezahlt. Das ist unseren Kunden wichtig, damit sie das Gefühl haben, als solche gesehen und behandelt zu werden.

Zur Sache:

Das Wiener Start-up-Unternehmen "FullAccess" von Christina Riedler und Martina Gollner bietet Hilfe für behinderte Menschen bei Besuchen von Veranstaltungen jeder Art an. Der Ticketshop "Aeon Tickets" inklusive Organisation von Begleitpersonen soll noch heuer online gehen. Die Idee von "FullAccess" ist weltweit einzigartig, weshalb es bereits internationale Anfragen zu dieser Dienstleistung unter anderem sogar aus Indien gibt.
Alle Informationen zur Betreuung durch "FullAccess" erhalten Sie unterwww.fullaccess.at oder via Mail an christina@fullaccess.at bzw. martina@fullaccess.at

Frauenpower: Christina Riedler (l.) und Martina Gollner gründeten das Start-Up "FullAccess".
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