Schutz für Kinder vor Gewalt
"die möwe" feiert 30 Jahre

In kindergerechten Therapien können die Kleinen das Erlebte verarbeiten.
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  • Foto: möwe
  • hochgeladen von Sabine Krammer

Wenn Kinderseelen weinen: Seit 30 Jahren kümmert sich die möwe um den Schutz von Kindern vor Gewalt und ihren Folgen.

WIEN. Anna traut sich nicht, sich gegen ihren Onkel zu stellen, Lara hat Angst, gegen ihren älteren Mitschüler vorzugehen, Jan wird von seinem Stiefvater brutal behandelt und Jonathans Trainer hat seine Vertrauensposition ausgenutzt. Laut dem europäischen Report über Kindesmisshandlung der WHO aus dem Jahr 2013 sind europaweit 13,4 Prozent der Mädchen und 5,7 Prozent der Burschen von Gewalt und Missbrauch betroffen. In jeder österreichischen Schulklasse sitzen ein bis zwei missbrauchte Kinder.

Mit diesem gesellschaftlichen Tabuthema brach "die möwe" mit ihrer Gründung als gemeinnütziger Verein und Familienberatungsstelle im Jahr 1989. Seit damals bietet "die möwe" Kindern, Jugendlichen und ihren Bezugspersonen kostenlos konkrete Unterstützung und professionelle Hilfe bei körperlichen, seelischen und sexuellen Gewalterfahrungen an. "Immer mehr Kinder und Jugendliche finden den Mut, sich an ein Kinderschutzzentrum zu wenden, wenn sie Gewalt oder Missbrauch erleben müssen", so Hedwig Wölfl, Geschäftsführerin der "möwe"-Kinderschutzzentren.

So kann Anna das Erlebte mit kindgerechter Spieltherapie verarbeiten, ihre Eltern werden im Prozess gegen den Onkel begleitet, Jan ist in einem Frauenhaus vor seinem gewalttätigen Stiefvater geschützt und Lara und Jonathan erhalten Gesprächshilfe von Psychotherapeuten.

Gewalt keine Chance bieten

In insgesamt fünf Kinderschutzzentren in Wien und Niederösterreich betreut und begleitet "die möwe" jährlich mehr als 4.000 Personen kostenlos und, wenn gewünscht, auch anonym. Das Angebot reicht von allgemeiner Beratung über Krisenintervention nach Gewalterfahrung bis zu Prozessbegleitung und nachhaltiger Aufarbeitung der traumatischen Erlebnisse in einer Psychotherapie.

Ein wesentliches Anliegen der Kinderschützer ist jedoch die Prävention. "Jeder Übergriff, den wir durch Aufklärung verhindern können, bedeutet ein Kind weniger, das unter Umständen ein Leben lang mit seinen seelischen Verletzungen zu kämpfen hat", ist Wölfl überzeugt. Die Vermittlung eines gesunden Verhältnisses zum eigenen Körper, die Wahrnehmung von Gefühlen und das Bewusstsein dafür, was angenehm und was unangenehm ist, werden in Workshops an Volksschulen gelehrt. Erwachsene erfahren in eigenen Kursen mehr über die Rechte der Kinder, über das Erkennen des Machtgefälles zwischen Kindern und Erwachsenen und über Zivilcourage, wenn für ein Kind Partei ergriffen werden soll.

Finanzierung durch Spenden

Ein großer Teil der Arbeit des Vereins wird von der öffentlichen Hand gefördert, darunter psychologische Beratung, Prozessbegleitung und Psychotherapie. Circa ein Drittel der Gesamtausgaben für die Kinderschutzarbeit wird durch Spenden von Privatpersonen und Unternehmen finanziert.

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