Buch-Tipp
Die vergessenen Wörter der Habsburgermonarchie

<f>Tamara Scheer </f> ist Historikerin mit Leib und Seele. Ihr Forschungsgebiet ist die Habsburgermonarchie.
  • <f>Tamara Scheer </f> ist Historikerin mit Leib und Seele. Ihr Forschungsgebiet ist die Habsburgermonarchie.
  • Foto: Markus Spitzauer
  • hochgeladen von Nicole Gretz-Blanckenstein

Die Wiener Historikerin Tamara Scheer weiß, wie man zu Kaisers Zeiten gesprochen hat.

Mit ihrem Buch "Von Friedensfurien und dalmatinischen Küstenrehen" möchte die Ottakringerin Tamara Scheer die Habsurgermonarchie aus einem anderen Blickwinkel beleuchten.

Sie haben soeben das Buch „Von Friedensfurien und dalmatinischen Küstenrehen“ veröffentlicht. Wer war denn eine "Friedensfurie"?
Also die Friedensfurie war Bertha von Suttner. Weil sie nicht nur eine erfolgreiche Autorin war, sondern sich auch lautstark zur Politik geäußert hat – völlig unüblich zu dieser Zeit. Deswegen hat man sie dann despektierlich "Friedensfurie" genannt.

Nicht sehr charmant …
Nein, es ist jedoch aus Zeitungen ein Zitat von ihr überliefert, dass sie es als Ehrentitel angenommen hat. Aber es ist ihr wahrscheinlich auch nichts anderes übrig geblieben.

Und was ist ein "dalmatinisches Küstenreh"?

Über diesen Begriff stolpert man immer wieder. Sobald die Menschen aus dem nördlicheren Teil der Habsburgermo-narchie in den Süden gefahren sind – so ab der heutigen Grenze zu Slowenien –, wurde ihnen oft Hammelfleisch serviert. Das konnte der Rest der Monarchie überhaupt nicht leiden. Und deswegen findet man immer wieder in den Tagebüchern Zitate zu Schafen oder Hammeln, in denen man ihnen den Witznamen „dalmatinisches Küstenreh“ verliehen hat.

Was ist das Faszinierende an der Habsburgerzeit?

Was mich so fasziniert an dieser Zeit, ist die Vielfalt an Nationalitäten und Sprachen. Genau damit war dieses Land lange Zeit sehr erfolgreich – noch bevor nach 1918 das einsprachige Nationalstaatsmodell berühmt geworden ist.

Hätten Sie selbst gerne zu dieser Zeit gelebt?

Naja, also ohne Internet würde ich mich schon sehr einsam fühlen. Natürlich kam es auch darauf an, welchen Status man hatte. Denn Bauern haben sich – mit Ausnahme des Militärdienstes – keine 20 Kilometer von ihrem Haus entfernt. Wenn, dann war es wirklich nur interessant, wenn man einen Beruf hatte, bei dem man reisen konnte.

Wie kam es zu der Idee, dieses Buch zu verfassen?
Ich bin bei meinen Recherchen für meine Habilitation immer wieder über diese Begriffe und Unwörter gestolpert und habe begonnen, sie zu sammeln. Ich dachte mir, es ist eigentlich total schade, dass heutzutage niemand mehr weiß, was sie bedeuten, und es würde eigentlich ein schönes Buch ausmachen, mit dem man die Geschichte der Habsburgermonarchie einmal anders erzählen kann.

Gibt es denn einen Lieblingsbegriff?
Die Knopflochschmerzen. So hat man das genannt, wenn jemand unbedingt einen Orden haben wollte, den man ans Revers stecken kann – damit auch jeder auf der Straße schön sieht, wie wichtig man ist. Wenn jemand alles daran gesetzt und dennoch keine Auszeichnung bekommen hat, dann hat man gesagt: "Der hat Knopflochschmerzen."

Haben Sie sich schon immer für Geschichte interessiert?

Ich habe bereits als Kind gerne die alten historischen Schinken wie "Ben Hur" angesehen. Bei Verwandtenbesuchen hat man mich einfach auf den Dachboden gesetzt und ich war stundenlang beschäftigt. Ich habe von klein auf alte Sachen geliebt und nie damit aufgehört.

Zur Sache

Tamara Scheers Buch "Von Friedensfurien und dalmatinischen Küstenrehen" ist im Amalthea Verlag erschienen. Es umfasst 224 Seiten und kostet 25 Euro.
Hier gibt es alle Informationen zum Buch und eine Leseprobe.

Autor:

Nicole Gretz-Blanckenstein aus Wien

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