Neue Studie
Kleine Atomkraftwerke für Stadt Wien keine Alternative

Die EU will unter gewissen Auflagen auch Atomkraft als „grün“ einstufen. Die Stadt Wien ist wenig begeistert und gab eine Studie zu alternativen Lösungen in Auftrag.
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  • Die EU will unter gewissen Auflagen auch Atomkraft als „grün“ einstufen. Die Stadt Wien ist wenig begeistert und gab eine Studie zu alternativen Lösungen in Auftrag.
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Sind "Small Modular Reactors", also kleinere Kernkraftwerke, eine alternative Lösung zu herkömmlichen Atomkraftwerken? Laut einer neuen Studie der Stadt Wien spricht vieles dagegen - sie sind teurer und riskant.

WIEN. Dass die EU-Kommission jetzt Atomkraft unter gewissen Voraussetzungen als "grün" einstufen möchte, stößt in der Stadt Wien auf Unverständnis. „Ich bin sehr enttäuscht, dass nun Gelder in Kernenergie und fossile Projekte fließen sollen und damit der Ausbau der erneuerbaren Energieprojekte verzögert wird“, so Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ).

„Mit dem – unzutreffenden – Vorwand der Treibhausgas-Neutralität, wird von der Atomwirtschaft erneut versucht, eine Art Renaissance für diese gefährliche und teure Technik zu erzielen, ist Stadtrat Czernohorszky verärgert. Eine neue Wiener Studie des Forums Wissenschaft & Umwelt hat jetzt untersucht, ob auch kleinere Kernkraftwerke eine Alternative darstellen können. Das Fazit ist aber ernüchternd.

„Atomenergie ist nicht nachhaltig“

Im Fokus der Studie stehen Konzepte sogenannter „Mini-Atomkraftwerke“ (englisch: "Small Modular Reactors", kurz: SMR). Dabei handelt es sich um Kernspaltungsreaktoren, die kleiner als herkömmliche Reaktoren sind. Sie werden in einer Fabrik hergestellt und dann an einen Montageort gebracht.

Besonders interessant: Laut der Wiener Studie existieren "Small Modular Reactors" bis dato eher auf dem Papier. Nur in Russland gibt es zwei dieser Reaktoren, welche auf einem Schiff im Einsatz sind, informiert Studienleiter Reinhold Christian. Deshalb müsse man sich insbesondere jenen Projekten widmen, welche sich aktuell noch in der Umsetzungsphase befinden.

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Konkret befasste sich das Forums Wissenschaft & Umwelt dabei mit Anlagen, deren Nennleistung unter 500 Megawatt beträgt. Dieser Wert sei laut Studienleiter Christian aber nicht wirklich gering und entspreche rund 40 Prozent der projektierten Leistung des nie ans Netz gegangenen Atomkraftwerks Zwentendorf. Dies deute darauf hin, dass sich die "Small Modular Reactors" wirtschaftlich nicht rechnen würden. 

Die Studie weist sogar auf das Gegenteil hin: Im Verhältnis zu herkömmlichen Reaktoren seien die Bau-, Betrieb- sowie Endkosten bei „Mini-Atomkraftwerke“ sogar deutlich höher. Auch deshalb, weil die Genehmigungsverfahren und Sicherheitsvorkehrungen zwar ähnlich, die Energieausbeute allerdings wesentlich geringer ist. Zudem seien angestrebte Wettbewerbsvorteile – wie etwa Serienproduktion, Modularisierung sowie kürzere Bauzeiten – nicht nachzuweisen.

"Große sicherheitstechnische Bedenken"

Um eine vergleichbare Energiemenge produzieren zu können, müssten unzählige der betreffenden Kraftwerke produziert werden. Laut Forums Wissenschaft & Umwelt ist es aber ein erhebliches Sicherheitsrisiko, viele Reaktoren in unmittlebarer Verbrauchernähe zu errichten. Zudem geben die veranschlagten Zeitpläne wenig Anlass für Zuversicht. Die "Small Modular Reactors" seien nicht serienreif und man könne sie deshalb nicht wirklich schneller umsetzen, so David Reinberger der Wiener Umweltanwaltschaft.

„Das Fazit: Neben großen sicherheitstechnischen Bedenken bleibt auch bei den SMR der wirtschaftliche Nachteil der Kernenergie aufrecht“, sagt Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ).
  • „Das Fazit: Neben großen sicherheitstechnischen Bedenken bleibt auch bei den SMR der wirtschaftliche Nachteil der Kernenergie aufrecht“, sagt Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ).
  • Foto: Markus Spitzauer
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Ganze 20 Jahre nehmen Entwicklungsprozess, Genehmigungs- sowie Bauphase mindestens in Anspruch. Hinzu kommt, dass die bestehenden Uranvorräte laut Berechnungen nur noch für weitere 100 Jahre reichen. Wolle man also den Anteil der Atomenergie erhöhen, baue man damit auch die Vorkommen wesentlich schneller ab. Die Folge seien wiederum eine relativ kurze Betriebsdauer der Kraftwerke. Ein weiterer Minuspunkt laut Reinberger: Es bestehe eine Abhängigkeit von den Ressourcen anderer Länder wie etwa Kasachstan.

„Neben großen sicherheitstechnischen Bedenken bleibt auch bei den SMR der wirtschaftliche Nachteil der Kernenergie aufrecht“, sagt Klimastadtrat Czernohorszky. Aktuell liege der finanzielle Gesamtaufwand für Atomenergie etwa beim dreifachen von Photovoltaik und Windkraft. "Umso wichtiger ist es, dass die Mittel sinnvoll und anders für wirklich klimaschutzrelevante Technologien verwendet werden.“

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