Künstlerhaus: Zerstörung oder Sanierung?

Das Künstlerhaus am Karlsplatz 5 wird derzeit saniert. Die Renovierung schießt für ehemalige Vereinsmitglieder weit über das Ziel hinaus.
  • Das Künstlerhaus am Karlsplatz 5 wird derzeit saniert. Die Renovierung schießt für ehemalige Vereinsmitglieder weit über das Ziel hinaus.
  • Foto: wikimedia/WienKuenstlerhaus
  • hochgeladen von Maria-Theresia Klenner

WIEN. Die Aufregung um den saloppen Umgang mit dem Denkmalschutz in Wien nimmt kein Ende. Nach Diskussionen um das neue Bürohochhaus am Heumarkt und der geplanten Aufstockung des Winterthurgebäudes am Karlsplatz neben der barocken Karlskirche erhitzt nun das Künstlerhaus die Gemüter. Genauer: Die Demontage des Glasdaches des 1865–1868 errichteten Ausstellungsortes am Karlsplatz 5.

Das alte Dach, bestehend aus einer Glas-Stahl-Konstruktion wurde einst errichtet, damit in den darunter liegenden Plastikersaal möglichst viel Licht fällt. Im Zuge des großen Umbaus des Hauses am Karlsplatz, deren Betrieb im Herbst 2016 an den Ersatzstandort Stolberggasse 26 übersiedelte, wurde nun dieses Dach abgetragen. Mit der Demontge des hohen Daches wird nun zusätzliche Fläche gewonnen, auf der ein neuer Ausstellungsraum, Studios und Büros geplant sind.

"Protest gegen die Zerstörung des Wiener Künstlerhauses"

Auf heftige Kritik stößt die große bauliche Veränderung bei einer Gruppe von Künstlern, die aufgrund ihrer Kritik aus dem Künstlerhaus-Verein ausgeschlossen wurden. Zu der Gruppe gehören auch die beiden ehemaligen Direktoren Joachim Lothar Gartner und Manfred Nehrer, ein Architekt. Nicht nur die Demolierung des Daches, sondern auch die Klagsandrohung an Mitglieder im Falle einer Veröffentlichung von Verinsinterna wird von den Künstlern heftig beanstandet. Diese öffentliche Kritik war der Anlass, die Künstler aus dem Verein auszuschließen.

Doch die in Ungnade gefallenen ehemaligen Mitglieder lassen sich den Mund nicht verbieten. Bei einer Pressekonferenz am Mittwoch, den 14. Juni prangerten sie die Zerstörung des historisch wertvollen Daches an und äußerten ihren "Protest gegen die Zerstörung des Wiener Künstlerhauses" - so der Name des Pressetermins. Der Streit schwillt schon seit der Neugründung des Vereins, die Ende 2015 beschlossen wurde. Eine Betreibergesellschaft für das Künstlerhaus wurde gegründet, an der das Künstlerhaus 26 Prozent hält. Der Rest gehört der Familienprivatstiftung von Hans-Peter Haselsteiner, der nicht nur den jährlichen Betrieb finanziell aufrecht erhält, sondern auch für die nötige Sanierung aufkommt. Ob diese Sanierung des Hauses, an dem Kaiser Franz Joseph I. den Schlussstein setzte, über das erforderliche Ziel hinausschießt, wird bis zu der Fertigstellung der Umbauarbeiten im Frühjahr 2019 noch für viel Diskussionstoff sorgen.

Zur Sache

Wie finden Sie den Umbau des Künstlerhauses? Wird in Ihren Augen zu wenig auf den Denkmalschutz Rücksicht genommen oder sollen alte Gebäude modernisiert werden? Schreiben Sie uns an innere-stadt.red@bezirkszeitung.at oder posten Sie unter den Artikel!

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