Interview Kaup-Hasler
"Küssen kann man nicht alleine"

Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler will noch mehr Kultur in die Bezirke bringen.
  • Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler will noch mehr Kultur in die Bezirke bringen.
  • Foto: Markus Spitzauer
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Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler über die Relevanz der Bezirkskultur, das Vindobona und das Kinosterben.

WIEN. Die bz traf Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler im Café Eiles zum großen Interview. Bei grünem Tee wurde über das Kulturbudget, die Bezirksmuseen, die Wiener Festwochen, die Herausforderung der kleinen Programmkinos und darüber, was es mit Max Raabes Song "Küssen kann man nicht alleine" auf sich hat, geplaudert.

Das Kulturbudget wurde um 26 Millionen Euro erhöht. Wie stark profitieren die Bezirke davon?
VERONICA KAUP-HASLER: Sehr stark. Wir haben in Wien im Kulturbereich eine besondere, historisch gewachsene Situation. Die größten Kulturinstitutionen findet man großteils konzentriert im Zentrum. Die Stadt hat sich aber mit der Zeit unglaublich ausgedehnt und deswegen ist mir ganz wichtig, hier sehr starke Impulse in den Bezirken zu setzen und sie auf verschiedenste Art mit Kultur aufzuladen, neue soziale Räume zu schaffen und Initiativen zu setzen. Damit die Wienerinnen und Wiener spüren, dass Kultur für sie alle da ist und sie nicht nur Sache eines inneren Zirkels ist.

Gibt es konkrete Projekte für die Bezirke?
Die Bezirksmuseen sind ein gutes Beispiel für die Fülle von Initiativen, an denen zurzeit gearbeitet wird. Sie sind wahre Schätze, die sich mit der lokalen Geschichte und Geschichtsschreibung auseinandersetzen. Veränderungen, die der Bezirk durchgemacht hat, berühmte Persönlichkeiten, die aus den Bezirken stammen – all das wird dokumentiert. Das basiert wirklich zum allergrößten Teil auf toller Freiwilligenarbeit, die von der älteren Generation getragen wird. Und die wollen wir nicht alleine lassen. Daher haben wir das Wien Museum quasi zum Mutterschiff für die Bezirksmuseen ernannt, das den Leiterinnen und Leitern mit seiner Expertise zur Seite steht. Denn wir müssen uns dieses Bezirkswissen auch für die künftigen Generationen bewahren.

Das Vindobona ist insolvent. Gibt es Pläne dafür, die traditionsreiche Kleinbühne in der Brigittenau zu retten?
Wien hat eine Fülle an kleinen Bühnen und Kellertheatern. Man wird nicht jeden Standort halten können. Aber wir schauen uns das Vindobona auf jeden Fall an und überlegen uns, was eventuell daraus wachsen könnte.

Großer Aufschrei bei den Wienern: Nach 107 Jahren musste das Bellaria-Kino schließen.
Wenn all jene, die bei der Schließung aufgeschrien haben, früher einmal hingegangen wären, würde es das Bellaria-Kino meiner Meinung nach noch geben.

Wie kann man die Menschen ins Programmkino locken?
Das Erlebnis Kino ist mehr als Popcorn und eine große Leinwand. Es hat einen besonderen Charme, analog mit einer Fülle von Menschen im Dunkeln zu sitzen, gemeinsam zu lachen, gemeinsam zu erschrecken. Es gibt diesen wunderbaren Song von Max Raabe – "Küssen kann man nicht alleine". Kino kann man auch nicht alleine. Kinos müssen sich daher überlegen, wie sie die nächste Generation ansprechen.

Der designierte Direktor des Volkstheaters, Kay Voges, stellt die Finanzierung der Margaretner Außenstelle Volx infrage. Bleibt das Volx oder nicht?

Das sind Überlegungen in Zeiten der ersten Bestandsaufnahme. Und natürlich konzentriert er sich im ersten Moment – ob der Schwierigkeiten – auf das Haupthaus. Es kann durchaus auch sein, dass er eine andere Probebühne findet und dass dieser Standort überhaupt neu gedacht wird. Aber derzeit gibt es keine definitive Absage, von der ich wüsste.

Stichwort Kultur-Token …

Eine tolle Sache! Wir befinden uns derzeit in der Testphase. Fürs Erste gilt, dass man mit CO₂-sparendem Verhalten – sprich Rad- und Öffi-Fahren sowie Zufußgehen – Token sammeln kann. Hat man fünf gesammelt, können diese in einem teilnehmenden Kulturbetrieb gegen ein Ticket eingelöst werden. Ziel ist es, 2021 an den Start zu gehen. Ich bin überzeugt, dass das weltweit ein Vorzeigeprojekt ist.

Welches Programmhighlight sollte man bei den Wiener Festwochen auf keinen Fall verpassen?
Im Vorjahr haben die Wiener Festwochen die Donaustadt erkundet. Heuer laden sie dazu ein, Meidling kennenzulernen. Eine Reihe von Projekten poppt am 6. Juni zwischen Meidlinger Markt, Einkaufsstraße und Theresienbad auf und nimmt auf die speziellen lokalen Gegebenheiten Bezug.

Autor:

Nicole Gretz-Blanckenstein aus Wien

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