Mit 27 im Seniorenheim: Wo Studenten und Pensionisten unter einem Dach wohnen

Gemeinsam besuchen Herta Moricz, Contreras Rodriguez und Alfred Czerny (v.l.) etwa Qigong-Kurse.
3Bilder
  • Gemeinsam besuchen Herta Moricz, Contreras Rodriguez und Alfred Czerny (v.l.) etwa Qigong-Kurse.
  • hochgeladen von Sabine Krammer

WIEN. Die 27-jährige Contreras Rodriguez bietet im Haus Augarten Hilfe bei Problemen am Handy und Computer an und nimmt gemeinsam mit Senioren an Qigong-Kursen teil. Im Haus Brigittenau unterhält eine Studentin mit Geigenmusik und ein anderer Student plaudert mit den Senioren beim Nachmittagskaffee: Eine neue innovative Wohnform des Kuratoriums Wiener Pensionisten-Wohnhäuser (KWP) bringt Jung und Alt zusammen. Seit 2017 werden freistehende Doppelwohnungen an Studenten vergeben, die als Gegenleistung für die kostengünstigen und zentralen Wohnungen ehrenamtliche Mitarbeit leisten.

Rodriguez, die in der letzten Phase des Studiums ist und ihre Masterarbeit schreibt, hält das für eine Bereicherung: „Ich habe nur mit jungen Studenten oder mit Geschäftsleuten zu tun und wollte auch andere Menschen kennenlernen und der Gesellschaft etwas zurückgeben.“

Obwohl das Projekt noch sehr jung ist, sehen die Bewohner die jungen Mitbewohner positiv. „Man hat hier neue Kommunikationsmöglichkeiten, denn wenn man einsam und alleine wohnt, wird man auch in der Seele krank", sagt Herta Moricz, die seit zwei Jahren hier lebt. Für den 64-jährigen Alfred Czerny war die Übersiedelung in das Wohnheim vor 18 Monaten auch eine Überlebenschance: „Ich war sehr krank, bin schwerer Diabetiker und konnte nicht mehr gehen. Heute habe ich auch dank der verschiedenen Kurse, der Hilfe von Mitbewohnern und dem regelmäßigen Essensrhythmus mein Leben gerettet.“ Czerny nimmt an einem Pilotkurs teil, bei dem die Studenten ihr Wissen weitergeben. Studentin Rodriguez ist über ihre älteren Mitbewohner ebenso überrascht: „Ich wusste nicht, wie organisiert Pensionisten sind und wie viel sie ständig zu tun haben.“ KWP-Geschäftsführerin Gabriele Graumann ist zufrieden: „Diversität wird bei uns sehr groß geschrieben. Projekte wie dieses fördern das Verständnis der Jungen und bereichern den Alltag unserer älteren Bewohnerinnen und Bewohner.“

Vergabe von Wohnungen

Die Vergabe der Wohnungen erfolgt durch den Verein WGE! gemeinsam wohnen in Kooperation mit dem Belagsmanagement des KWP, die damit für eine kostenneutrale Deckung von vorhandenen Leerständen sorgen. Die Miete besteht aus den Betriebskosten und den 20 Monatsstunden ehrenamtliche Tätigkeit. Für die Möblierung sorgen die jungen Bewohner selbst. Im Haus Brigittenau wird zurzeit ein junger Mensch gesucht. Die Voraussetzungen sind neben dem Studium eine soziale Ader und die Freude an der Kommunikation mit älteren Personen.

Zur Sache:

Das Projekt gibt es derzeit in den Pensionisten-Wohnhäusern Augarten in der Leopoldstadt, Maria Jacobi in der Landstraße, Margareten, Mariahilf und Brigittenau. Interessierte Studierende können unter www.wge-wien.org mehr erfahren.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen