Porträts aus dem Gemeindebau: Von Rennbahnweg bis Rabenhof

Lajla Asujeva (l.) wohnt seit 2014 im Gemeindebau.
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  • Lajla Asujeva (l.) wohnt seit 2014 im Gemeindebau.
  • Foto: Mario Lang
  • hochgeladen von Christine Bazalka

WIEN. Nachbarschaft geht nicht immer glatt: So auch im Fall von Lajla Asujeva, die 2014 mit ihrer Familie in einen Gemeindebau an der Eipeldauer Straße in der Donaustadt gezogen ist. Nicht selten ist die tschetschenische Fernsehjournalistin mit Vorurteilen konfrontiert, wenn in der Nähe ein Einbruch oder eine Rauferei passiert ist. Das waren doch sicher die Tschetschenen! Doch abgesehen davon hat sich die Familie Asujeva, die 2004 aus Tschetschenien geflüchtet ist, gut eingelebt: Der älteste Sohn Hamzat wird für schwierige Wörter herbeigerufen, der Vater verdient genug, um die Familie zu erhalten, und Lajla selbst besucht eine Journalismusakademie bei der Zeitschrift biber, um an ihren früheren Beruf anzuknüpfen.

Die Geschichte von Lajla Asujeva ist eine von 23, die in "Im Gemeindebau" erzählt werden. Die Journalisten Uwe Mauch und Franz Zauner sind durch ganz Wien gereist, um sich in Küchen und Wohnzimmern vom Leben im Gemeindebau berichten zu lassen und die Bewohner zu porträtieren – besonders oft waren sie in der Donaustadt zu Gast, nämlich gleich viermal.

Herausgekommen sind 23 Einblicke in das Leben von Wienerinnen und Wienern, die zumeist schon viele Jahre im Gemeindebau leben. Analog zur Durchschnittsbevölkerung im Gemeindebau sind viele der Porträtierten schon älter, aber das macht nichts, so haben sie mehr zu erzählen.

Akrobatik und Jazz

Etwa Hildegard Schmiedinger-Thiele, das "Kautschuk-Girl", die mit drei Jahren das erste Mal auf der Bühne stand und gemeinsam mit ihrem Mann jahrelang als Zirkusduo Erfolge feierte. Heute, mit 90, gibt es dafür "kein Gelenk, das nicht entzündet ist" und tägliche Schmerzen. Oder der international bekannte Jazzmusiker Franz Koglmann, der auf der Margaretner "Ringstraße des Proletariats" daheim ist und dort nur zwischen 14 und 16 Uhr und mit Dämpfer Trompete übt. Oder Jian Li, in Peking geboren und der Musik wegen nach Wien gekommen, der als Solotänzer an der Volksoper reüssiert hat und jetzt als Qigong-Lehrer am Fiakerplatz in der Landstraße tätig ist.

Jedes Porträt birgt Spannendes und Überraschendes und eines haben die meisten gemein: Die Bewohner schätzen das Leben im Gemeindebau – die günstige Miete, die Grünflächen oder die gemütlichen Wohnungen. Und die Gemeinschaft, denn: Meistens klappt es dann doch ganz gut mit der Nachbarschaft.

Im Gemeindebau von Uwe Mauch und Franz Zauner mit Fotografien von Mario Lang ist im Promedia Verlag erschienen. Die Porträts der Bewohnerinnen und Bewohner werden mit Interviews mit Experten für den sozialen Wohnbau ergänzt. Preis: 19,90 Euro. ISBN: 978-3-85371-430-0.

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