Stell dir vor, es ist Wahl und keinen interessiert’s

Die Lehrlinge Mike und Sascha (beide 18) bei der Probewahl in der Berufsschule im 15. Bezirk.
  • Die Lehrlinge Mike und Sascha (beide 18) bei der Probewahl in der Berufsschule im 15. Bezirk.
  • hochgeladen von Agnes Preusser

WIEN. Ein paar Jugendliche sitzen auf Sofas, andere stehen daneben, wieder andere lehnen an der Wand. Stimmengewirr und Aufregung liegen in der Luft. Denn in der Berufsschule in der Hütteldorfer Straße wird heute gewählt.
Es ist eine Probewahl für Lehrlinge. Damit diese einmal sehen, wie eine Wahl funktioniert. So richtig, mit Wahlkommission, Wahlkabine und Wahlurne.
Ob die Aufregung von der Vorfreude kommt, auch endlich das Kreuzerl in der Wahlkabine machen zu dürfen? Unklar. Die Aufregung wirkt ganz ähnlich jener, die man als Schüler gemeinhin verspürt hat, wenn der reguläre Unterricht unterbrochen wurde. Egal, ob man kurz in den Hof Blätter sammeln ging, sich im muffigen Biologiesaal ein Video über die Fliegenpopulationen anschaute, einen Ausflug ins Technische Museum machte. Oder ob man eben kurz wählen geht.

Sprachrohr der Klasse

So wie an diesem Tag die angehende Chemie-Labortechnikerin Johanna. In die Runde gefragt, wer denn etwas über die Probewahl erzählen will, wird sie von ihren Klassenkollegen sofort nach vorne geschoben. "Die Johanna hat eh immer was zu sagen."
Bei der Nationalratswahl 2013 hätte die jetzt 21-Jährige mit den rot gefärbten Haaren schon wählen dürfen. Hat sie aber nicht. "Damals hat mich das nicht interessiert." Dieses Mal sei das jedoch anders. Am 11. Oktober will sie auf jeden Fall von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen. Mit den Probewahlen und der vorhergegangenen politischen Bildung in der Schule habe das aber nichts zu tun, sagt sie.
Sondern mit Facebook. "Da bekommt man jetzt so viel über das Flüchtlingsthema mit. Die vielen negativen Kommentare gefallen mir nicht. Darum habe ich mich informiert, wie die unterschiedlichen Parteien dazu stehen." Ob es dann nicht angenehm sei, vorher das Wählen schon einmal geübt zu haben? "Ach, ich würde mich auch so trauen."

Blick hinter die Kulissen

Sascha und Mike, beide 18, sehen das ähnlich. Die zwei zukünftigen Kfz-Lackiertechniker sind heute Teil der Wahlkommission. Das heißt, sie geben den anderen Schülern die Wahlzettel aus. "Ich glaube, aufgeregt ist von den anderen keiner." Selbst findet er die Aufgabe zumindest interessant. "Es ist schon ganz spannend, einmal hinter die Kulissen zu blicken."
Ob er sich deswegen freiwillig gemeldet habe? "Das habe ich gar nicht. Nein, ich bin eingeteilt, weil ich Klassensprecher bin. Aber wozu bin ich denn schließlich Klassensprecher?"
Selber habe er seinen Probewahltermin noch nicht ge-#+habt. "Aber das würde nicht viel ändern. Vielleicht nimmt das Vereinzelten die Angst vorm Wählen, aber ich habe keine."

"Nimmt die Scheu"

"Es ist auf jeden Fall wichtig, dass die Jugendlichen den Prozess des Wählens kennenlernen", sagt hingegen Bertram Füreder, zuständig für die Organisation der Probewahlen, an denen innerhalb von zwei Wochen rund 17.000 Wiener Lehrlinge teilnehmen werden. "Das nimmt ihnen die Scheu davor, zu richtigen Wahlen zu gehen."
Auch die Zahlen sprechen eine andere Sprache als so mancher Jugendlicher. Nach den vergangenen Wiener Landtagswahlen ergab eine Erhebung des Landesjugendreferats, dass politische Bildung im Vorfeld wichtig ist. Von jenen Schülern, die auf die Wahl vorbereitet wurden, gingen 62 Prozent zur Wahl. Von jenen, die vorher keinerlei schulische Informationen bekamen, beteiligten sich lediglich 55 Prozent an der Wahl.
Politische Bildung scheint also etwas zu bringen. Hoffentlich mehr als die alten Biologievideos über Fliegenpopulationen.

Zur Sache

Der Wiener Stadtschulrat führt mithilfe der ARGE Politische Bildung und dem KUS – Netzwerk für Bildung, Soziales, Sport und Kultur Probewahlen für Wiens Berufsschüler durch. Das Ziel ist, politisches Interesse zu fördern und die Wahlbeteiligung bei jungen Menschen zu erhöhen.

Autor:

Agnes Preusser aus Wien

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