bz-Interview
Christoph Wiederkehr (NEOS) über Wiens Probleme

Christoph Wiederkehr hat am 27. September das Amt des Neos-Wien-Klubchefs von Beate Meinl-Reisinger übernommen.
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  • Foto: Markus Spitzauer
  • hochgeladen von Nicole Gretz-Blanckenstein

Neos-Wien-Klubchef Christoph Wiederkehr über Bildungsmisere, Korruption, unabhängige Bürgermeister und die Öffis.

WIEN. Seit November 2015 ist Christoph Wiederkehr Abgeordneter zum Wiener Gemeinderat und Landtag. Am 5. Juli wurde er als Nachfolger von Beate Meinl-Reisinger als NEOS-Wien-Klubchef präsentiert. Die Übernahme erfolgte am 27. September.

Sie haben vor Kurzem die Klubführung übernommen. Welche Themen werden Sie jetzt in Angriff nehmen?
CHRISTOPH WIEDERKEHR: Es gibt in Wien drei große Problemfelder: die Gesundheit, wo wir immer stärker in Richtung Zwei-Klassen-Medizin gehen. Dann natürlich das Thema Zusammenleben und Integration in Wien und den Bildungsbereich. Hier wollen wir gemeinsam mit Experten und den Wienern zu guten Lösungsansätzen kommen.

Sie wollen Wiens Schulsystem auf Vordermann bringen. Wie?
Wir haben in Wien eine Bildungsmisere, wenn 61 Prozent der Pflichtschüler nicht ausreichend Deutsch können. Wir brauchen mehr Unterstützung für Schulen, auch in Form von Sozialarbeitern und Psychologen. Weiters ist die Anzahl der Volksschüler pro Klasse in Wien zu hoch. Wir haben im Bundesländervergleich die größten Klassen und gleichzeitig die größten Herausforderungen.

Sind verpflichtende Deutschklassen der richtige Weg?
Nein. Wir wollen, dass die Schulen selber entscheiden können, wo sie Deutschklassen brauchen und wie sie diese umsetzen. Denn die Schulen selbst können am besten entscheiden, welche Fördermaßnahmen sie brauchen.

Weiters fordern Sie Anti-Korruptionsmaßnahmen …
Wir haben ein massives Problem mit Korruption in dieser Stadt. Neben einer Whistleblowing-Plattform, auf der man anonym Hinweise bekannt geben kann, fordern wir auch eine Cooling-off-Phase für Politiker. Politiker wechseln nach dem Ende ihres Mandats direkt zu Firmen, mit denen sie geschäftliche Beziehungen hatten. Hier sollte es eine Sperre für ein Jahr geben.

Sie plädieren für einen unabhängigen Bürgermeister. Ist das in Wien realistisch?
Da stellt sich im Gegenzug die Frage, warum man sich das in Wien nicht vorstellen kann? In Bratislava gibt es einen unabhängigen Bürgermeister. Nicht das Parteibuch ist ausschlaggebend, sondern die Qualifikation. Wir haben so viele parteipolitische Verstrickungen in dieser Stadt, dass ein parteifreier Bürgermeister Transparenz in diese Stadt bringen könnte. Es gibt durchaus Personen, die kein Parteibuch haben und die Stadt gut regieren könnten.

Wer zum Beispiel?
Zuerst möchte ich die Idee diskutieren und zum richtigen Zeitpunkt kann man auch über Personen reden.

Aber in Ihrem Kopf schwirren Namen herum?
Es gibt durchaus anerkannte Persönlichkeiten, die in keinem politischen Lager sind. Aber natürlich sind auch sehr viele in Wien in einem politischen Umfeld. Gerade in der Sozialdemokratie, da Parteipolitik noch immer sehr viele Gesellschaftsbereiche dominiert. Das wollen wir ändern.

Sie kritisieren, dass Bürgermeister Michael Ludwig bei Aufträgen der Stadt Wiener Unternehmen bevorzugen will.
Ich halte es für sehr problematisch, Nicht-Wiener auf dem Wiener Arbeitsmarkt zu diskriminieren. Diese Mentalität à la Trump mit seinem „America First“ – jetzt beginnt Ludwig mit „Vienna First“. Das hat immer etwas Ausgrenzendes. Ich möchte in einem weltoffenen Wien leben, wo nicht zählt, woher man kommt, wo man lebt oder welches Parteibuch man hat, sondern was man in diese Stadt einbringen kann.

Gibt es auch etwas, das die Stadtregierung gut macht?
Ja, auf jeden Fall. Zum Beispiel den Ethikunterricht, für den sich die Stadtregierung starkmacht, ihn an den Schulen einzuführen. Was in Wien außerdem sehr gut funktioniert, ist der öffentliche Verkehr. Wien ist eine wunderschöne und lebenswerte Stadt. Wichtig ist, dass sie weltoffen und lebenswert bleibt.

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