Gesundheitsstadtrat Hacker
"Coronavirus-Schnelltests sind zu unverlässlich"

Gesundheitsstadtrat Peter Hacker im Video-Chat mit der bz.

Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) über Schockmomente, pädagogische Effekte und seine Lehren aus der Coronakrise.

WIEN. Geplant war das Interview mit Gesundheitsstadtrat Peter Hacker bereits seit Wochen. Um ihn auch von seiner privaten Seite zu zeigen, wollten wir uns in einem seiner Lieblingslokale in seinem Grätzel treffen. Und dann kam Corona.

Technik sei Dank, konnten wir mittels Videochat mit Gesundheitsstadtrat Peter Hacker über die aktuelle Situation sprechen.

Die Regierung wird künftig auch Covid-19-Schnelltests durchführen. Wie stehen Sie dazu?
PETER HACKER:
Das Coronavirus ist der Menschheit erst wenige Monate bekannt. Es kann noch keine Impfung geben und es gibt auch noch keine Schnelltests, die uns verlässliche Informationen liefern. Die auf dem Markt befindlichen Schnelltests haben Unsicherheitsfaktoren von 70 Prozent und mehr. Sie führen daher zu einer viel zu hohen Wahrscheinlichkeit, dass wir Falschaussagen erhalten. Daher macht es Sinn, sich bei den Tests derzeit auf die wichtigsten Gruppen zu fokussieren, aber die Testkapazitäten nicht zu verschwenden.

Stichwort kollektive Hysterisierung. Haben die Spitäler diesen Schockmoment bereits überwunden?
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehen sehr professionell mit der Situation um, wir sind auf einem wirklich guten Weg. Es beginnt sich bereits eine gewisse Routine durchzusetzen, es werden aber noch neue Challenges kommen. Ich bin davon überzeugt, dass das Gesundheitssystem schon bald wieder zeigen kann, was es wirklich draufhat.

Wann und wie kommt es zu ein geregelten Start in den Alltag?
Das diskutieren wir gerade. Hier gibt es massiv andere Gegebenheiten in der Stadt als am Land. Es ist ein Unterschied, ob ich meine Quarantäne in einem netten Haus mit Garten absitze oder in einer 50-Quadratmeter-Wohnung im ersten Stock. Und daher muss man solche Entscheidungen auch mit großer Bedachtsamkeit treffen.

Nehmen die Wiener die Situation ernst genug?
Ich glaube, dass der pädagogische Effekt jedenfalls eingetreten ist. Alle haben die Ernsthaftigkeit der Situation verstanden. Alle wissen, dass man sich in so einer Zeit nicht die Hände gibt, dass man sich die Hände oft wäscht, sich nicht ins Gesicht fährt und niemanden anhustet.

Die psychischen Belastungen sind enorm. An wen können sich die Wiener wenden?
Es gibt ganz tolle Privatinitiativen junger Leute, die für die Risikogruppe einkaufen gehen. Die Helfer Wiens haben die Plattform "Soforthilfe Wien" unter www.diehelferwiens.at gestartet, wo sich Menschen melden und ihre Hilfe anbieten können. Wir haben das Gesundheitstelefon 1450 für Verdachtsfälle und die AGES-Infoline 0800/555 621 für allgemeine Fragen zum Coronavirus. Meine Bitte: Wer helfen kann, soll mitmachen. Wer Hilfe braucht, soll die zahlreichen Angebote nutzen.

Was bereitet Ihnen Sorge?
Es nutzt uns nichts, unsere Maßnahmen ausschließlich unter dem Fokus der Gesundheit aufrechtzuerhalten. Wir kämpfen um jedes Menschenleben, aber wir brauchen auch eine funktionierende Wirtschaft. Durch die Schließung der Grenzen kommt es zu Schwierigkeiten bei Lieferungen. Sorge bereitet mir die Botschaft "Rette sich jeder, der kann, in sein eigenes Land". Das hat fatale Auswirkungen, betrifft es doch die ausländischen Arbeitskräfte, die wir im Pflegebereich, in der Lebensmittelindustrie oder in der Landwirtschaft brauchen.

Welche Lehren können Sie schon heute aus der Coronakrise ziehen?
Die aktuelle Situation zeigt, wie relevant es ist, dass die öffentliche Hand direkten Zugriff auf die versorgungsrelevanten Sektoren hat. Das ist für mich eine der zentralen Lehren. Die zweite zentrale Lehre, die man ziehen kann – und ich glaube, dass das der Grund für die vielen Infektionen in Italien war –, ist: Die gesamte Bevölkerung muss in einem Sozialversicherungs- und Gesundheitssystem sein und nicht nur die, die es sich leisten können. Dann hat man auch das beste Monitoring über die Entwicklung von Epidemien.

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