Interview Kathrin Gaál
Ist die Coronakrise eine Krise der Frauen?

Kathrin Gaál ist seit 24. Mai 2018 Stadträtin für Wohnbau und Frauen.
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  • Foto: Martin Votava/PID
  • hochgeladen von Nicole Gretz-Blanckenstein

Frauenstadträtin Kathrin Gaál (SPÖ) über veraltete Rollenbilder und den Weg zur Gleichberechtigung.

WIEN. In der Coronakrise wurden viele Frauen von ihrem Umfeld zurück in die Rolle der Hausfrau und Mutter gedrängt. War die bis dato gewonnene Gleichberechtigung ein Trugschluss? Müssen wir in der Frauenpolitik wieder bei Null anfangen? Die bz hat Frauenstadträtin Kathrin Gaál zum Interview gebeten.

Studien belegen, dass die Aufgaben zwischen Müttern und Vätern in der Coronakrise ungleich verteilt waren. War bzw. ist die aktuelle Situation eine Krise der Frauen?
KATHRIN GAÁL: Die Doppelbelastung durch Homeoffice und Homeschooling für Kinder traf und trifft Frauen stärker als Männer. Wir müssen aufpassen, dass es nicht zu einer Rückkehr zu alten, überholten Rollenbildern kommt und dass es keine "Krise der Frauen" wird.

Wie kann man dem entgegenwirken?
Die Stadt Wien unterstützt Menschen, die von der Coronakrise betroffen sind. Die Betreuungseinrichtungen in Wien waren die ganze Zeit über für die Kinder –und damit auch für ihre Eltern –da. Entgegenwirken können wir, indem wir Mädchen stärken, indem wir ihnen immer wieder sagen: Traut euch alles zu! Vorbilder sind da besonders wichtig. Wir wollen überholteRollenklischees schon im Kindergarten und in der Schule aufbrechen. Das machen wir zum Beispiel mit dem Projekt „Respekt: Gemeinsam Stärker“ in den Schulen.

Ist die bis dato gewonnene Gleichberechtigung in Wahrheit nur ein Trugschluss?
Nein, das nicht. Wir haben aber in der Coronakrise gesehen: Es gibt auf dem Weg zur Gleichstellung von Frauen und Männern noch viel zu tun. Wichtig ist, Mädchen Selbstbewusstsein zu vermitteln, ihnen immer wieder zu sagen: Ihr könnt alles!

Gesellschaftlich unterbewertete und unterbezahlte Jobs sind plötzlich systemrelevante Berufe, in denen mehrheitlich Frauen tätig sind. Doch von besseren Löhnen oder Arbeitsbedingungen ist keine Rede. Warum nicht?

Überdurchschnittlich viele Frauen arbeiten in sogenannten systemerhaltenden Berufen. Sie sorgen dafür, dass unsere Stadt so gut funktioniert und haben während der Coronakrise Unglaubliches geleistet. Dafür möchte ich allen Frauen und Männern, die jeden Tag ihr Bestes geben, von Herzen danken. Klar ist: Frauen verdienen reale Anerkennung. Die Lohnschere muss endlich geschlossen werden. In Wien verdienen Frauen im österreichweiten Bundesländervergleich zwar am besten, aber dort, wo wir hinwollen, sind wir noch lange nicht. Das Ziel ist: gleicher Lohn für gleiche Arbeit.

Sie sind selbst Mutter. Wie hat die Aufgabenverteilung bei Ihnen zu Hause funktioniert?
Während der Coronakrise war die Aufgabenverteilung zwischen meinem Mann und mir ziemlich ausgewogen. Dadurch dass ich selbst erkrankt war, war ich ja isoliert und abgeschottet. Mein Mann hat mir Essen vor die Zimmertür gestellt. Es war eine Situation, in der er eine Zeit lang die meisten Aufgaben zu Hause erledigt hat.

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