Psychologie und Coming Out
Begriffe und Selbstdefinitionen für Transidentität/Transgender/Transsexualität und intersexuelle Menschen

Begriffe und Selbstdefinitionen

Trans*
Der Stern * steht für ein breites Spektrum an Selbstdefinitionen von Menschen, die sich nicht (nur) mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren. Dies reicht von Selbstdefinitionen als Frau oder Mann, bis zu Positionen außerhalb der Zwei-Geschlechter-Norm. Auch umfasst der Begriff Trans* geschlechtliche Identitäten mit und ohne Bedürfnisse nach körperlichen Veränderungen.

Transgeschlechtlich / Transgender
Dies sind weitere Oberbegriffe für Menschen, die in einem anderen, als dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht leben. Sie werden teils in Abgrenzung zu medizinischen Begriffen verwendet (siehe auch Kapitel Transsexualität). Transgender (engl.) verweist auf den sozialen Aspekt von Geschlecht. Zum Teil verbindet sich mit dem Begriff Kritik an der Zwei-Geschlechter-Norm.

Transsexualität
Manche Trans*Personen verwenden den Begriff transsexuell als Selbstdefinition. Transsexualität ist jedoch auch eine medizinische Diagnose und gilt in diesem Kontext als „Identitätsstörung“. Die diagnostischen Begriffe werden zurzeit überarbeitet. Transsexualität ist definiert über die Identifizierung mit dem „Gegengeschlecht“ des bei der Geburt zugewiesenen Geschlechts sowie den starken Wunsch nach Angleichung des Körpers. Trans*Organisationen kritisieren die medizinischpsychiatrische Pathologisierung, d.h. die Zuschreibung einer „Störung“.
Diese setzt die gesellschaftliche Zwei-Geschlechter-Norm voraus und reproduziert sie. Die strikte Regulierung des Zugangs zu trans*spezifischen Behandlungen durch psychologisch-psychiatrische Begutachtung, steht ebenfalls in der Kritik von Trans*Organisationen. Sie fordern mehr Selbstbestimmung von Trans*Personen über ihren Körper und medizinische Behandlungen.
„Transsexuell, transgender oder geschlechtsnichtkonform zu sein, ist ein Ausdruck von Vielfalt, nicht von Pathologie.“ (World Professional Association for Transgender Health)

Transidentität
Diese Bezeichnung vermeidet den irritierenden Sexualitätsbegriff in „transsexuell“. Es wird somit betont, dass es um Geschlechtsidentität und nicht um sexuelle Orientierung geht.
Transfrau Transfrauen identifizieren sich auf individuell unterschiedliche Weisen als weiblich (bei vormals zugewiesenem männlichen Geschlecht). Dies umfasst „eindeutig weibliche“ bis nicht-binäre Selbstdefinitionen (siehe auch Kapitel Nicht-Binär).
Transmann Transmänner identifizieren sich auf individuell unterschiedliche Weisen als männlich (bei vormals zugewiesenem weiblichen Geschlecht). Dies umfasst „eindeutig männliche“ bis nicht-binäre Selbstdefinitionen (siehe auch Kapitel Nicht-Binär).

Nicht-binär / non-binary

Nicht-binäre Personen verorten sich außerhalb der Zwei-Geschlechter-Norm. Ihre Identitäten lassen sich nicht oder nur zum Teil über das bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht und das „Gegengeschlecht“ beschreiben. Sie verorten sich jenseits der Kategorien Mann-Frau. Oft verwenden nicht-binäre Menschen gender-neutrale Pronomen. Dies können Kombinationen sein wie si_er, er_sie oder abwechselnd sie/er, kein Pronomen (z.B. Vorname statt Pronomen) oder eigene Pronomen wie x, per oder im Englischen they. Hinzu kommen geschlechtsneutrale Anreden, z.B. „Guten Tag Vorname Nachname“, „Liebe Teilnehmende“, Sehr geehrte_r Vorname Nachname“ (statt „Liebe Frau Y“/“Sehr geehrte Damen und Herren“). Auch nicht-binäre Personen haben individuell verschiedene Bedürfnisse, die von sozialer Transition (siehe auch Kapitel Transition) bis zu medizinischen Behandlungen reichen können.
„Nicht-binäre Menschen sind ebenso authentisch in ihrem Geschlecht wie Transgender-Personen mit eher binären Identitäten oder Ausdrucksweisen von Geschlecht.“ (Center of Excellence of Transgender Health)

Transition
Der Prozess der Transition betrifft individuell unterschiedliche Aspekte wie Vorname, Pronomen, Anrede, Kleidung, Frisur, Änderung der Personaldokumente, Stimmtraining, körperliche Veränderungen durch Hormoneinnahme, Epilation, Operationen und anderes. Die Transition ist auch ein emotionaler und sozialer Prozess, in dem sich Trans* und nicht-binäre Personen mit Reaktionen und Veränderungen ihres Umfelds auseinandersetzen müssen.
„Unter Transition versteht man den Prozess von der Erkenntnis, trans* zu sein, bis zum Ankommen in dem Leben, das du mit deiner Geschlechtsidentität haben möchtest.“ (Checkpoint Zürich)

Drag Queen
Meistens ist eine Drag Queen eine Person mit männlichem Geburtsgeschlecht, die unter anderem im Rahmen von Performances oder Partys Weiblichkeiten darstellt bzw. parodiert.
Drag King Meistens ist ein Drag King eine Person mit weiblichem Geburtsgeschlecht, die unter anderem im Rahmen von Performances oder Partys Männlichkeiten darstellt bzw. parodiert.

Cross-Dressing
Cross-Dressing bezeichnet das Tragen „gegengeschlechtlicher“ Kleidung, um zeitweilige Zugehörigkeit zum „anderen“ Geschlecht zu erleben, ohne Wunsch nach dauerhafter Geschlechtsangleichung oder chirurgischen Eingriffen. Meist sind dabei Personen mit männlichem Geburtsgeschlecht im Blick, es gibt jedoch auch Cross-Dresser, deren zugewiesenes Geschlecht „weiblich“ lautet. Der medizinisch-psychiatrische Begriff Transvestit für Cross-Dresser wird sehr oft als abwertend empfunden und sollte nicht ungefragt als Bezeichnung für eine Person verwendet werden. Transe ist ebenfalls eine abwertende Bezeichnung. Gelegentlich verwenden Trans*Personen oder auch Drag Performer_innen „Transe“ als ironische Selbstbezeichnung, aber: Bitte nicht mit diesem Begriff über eine Person sprechen!

Inter* / Intergeschlechtlich
Dies sind Selbstbezeichnungen von Menschen, die körperlich, genetisch und/oder hormonell nicht der binären Norm „männlich – weiblich“ entsprechen. Intersexualität ist eine medizinische Diagnose und wird von der Medizin als Krankheit definiert. Als Folge werden bis heute sehr viele Inter*Personen als Säuglinge oder Kinder „korrigierenden“ Operationen unterzogen, um sie der Norm anzupassen. Inter*Personen beschreiben dies als Körperverletzung und Traumatisierung. Intersex*Organisationen fordern den Stopp von menschenrechtsverletzenden Operationen an Säuglingen und Kindern.

Cis / Cisgender / Cisgeschlechtlich
Die Vorsilbe Cis bedeutet lateinisch „diesseits, auf dieser Seite“. Cisgender oder cis-geschlechtlich sind Bezeichnungen für Menschen, die sich mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Vergleichbar mit dem Begriff Heterosexualität, welcher später entstanden ist, als das Wort Homosexualität, dient „Cis“ zum Bezeichnen der oft nicht benannten gesellschaftlichen Norm: Nicht nur Trans*Menschen, auch Cis-Personen haben eine Geschlechtsidentität.
Trans* ist keine sexuelle Orientierung! Trans* bezieht sich auf die Ebene der geschlechtlichen Identität. Alle Menschen haben eine geschlechtliche Identität (auch wenn viele sich darüber nie Gedanken gemacht haben), und auch Trans*Personen haben eine sexuelle Orientierung. Diese kann beispielsweise homo-, hetero- bisexuell, queer oder pansexuell sein.

Ein Text der AIDS-Hilfen Österreichs

Florian Friedrich, Psychotherapeut in Ausbildung unter Supervision (Logotherapie und Existenzanalyse)

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