Wiener Boulderhallen
Wo man in Wien bouldern kann

Ein Boulderer versucht sich in der Boulderbar am Wienerberg an einer schweren Route.
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  • Ein Boulderer versucht sich in der Boulderbar am Wienerberg an einer schweren Route.
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Die Wiener Boulderhallen boomen! Die erste kommerzielle Boulderhalle der Stadt eröffnete im Jahr 2012 in Brigittenau. Mittlerweile gibt es vier innerstädtische Hallen, die sich aufs Klettern in Absprunghöhe spezialisiert haben. Beim Hauptbahnhof entsteht bis Sommer 2019 eine neue Boulderhalle. 

WIEN. Den letzten Zug zum finalen Henkel schafft Joseph nicht mehr. Die Unterarme sind schon "zu". Vielleicht fehlt es auch an Chalk auf den Fingern des 32-Jährigen. Er reißt noch einmal kräftig an, verliert den Halt und stürzt auf die rettende Matte. Von unten studiert der Boulderer das Problem nun ganz genau – Zug für Zug spielt er die notwendigen Griffe in der Luft durch. Dann versucht er es erneut. 

Willkommen in der Boulderszene. Auch wenn Sie vielleicht nur Bahnhof verstanden haben, für eine steigende Anzahl von Wienern ist Bouldern zum beliebten Sport geworden. Ein Indikator sind die Mitgliederzahlen des Wiener Alpenvereins, die seit 2008 von 380.000 auf 573.000 gestiegen sind. Laut einer Studie des Deutschen Alpenvereins bouldern in Deutschland rund 20 Prozent der Mitglieder.

Worum es beim Bouldern geht? Kurz gesagt: Klettern in Absprunghöhe. Das Wort stammt vom englischen Begriff "boulder", was übersetzt Felsblock bedeutet. Boulderer klettern in freier Natur auf niedrigen Felsen und in den Wiener Hallen auf Holzstrukturen mit künstlichen Griffen in verschiedenen Farben und Formen. Von Griff zu Griff bewegt man sich in Zügen, wobei ein Henkel besonders einfach zu halten ist.  "Zu" nennt man einen Unterarm, wenn dieser seine Muskelkraft nicht mehr erfüllen kann. Chalk ist das englische Wort für Magnesium, das in Pulverform auf die Hände kommt, um maximalen Halt zu erzielen. Und die Matte? Das ist tatsächlich nur eine Matte, die den Fall des Boulderers dämpfen soll. Weil der Mattenkontakt mitunter sehr häufig sein kann, spricht man von Problemen, die es zu lösen gilt. 

Die Grundlagen des Boulderns werden in diesem Video erklärt:

Wo man die Wiener Boulderhallen findet

In Wien gibt es mittlerweile vier Hallen, die sich ausschließlich aufs Bouldern spezialisiert haben. War früher das Klettern in Absprunghöhe eher ein Nebenprodukt des Seilkletterns, so hat sich in den letzten Jahren eine große Boulderszene entwickelt. Die Boulderbereiche sind von den Nebenräumen der großen Seilkletteranlagen in eigene, oft mehr als 1.000 m2 große Hallen expandiert.

Edelweiß-Center Walfischgasse 10

Die erste Boulderhalle der Stadt in der Walfischgasse ist mittlerweile zur Grande Dame der Szene geworden. Sie ist ein echtes Unikat: Während ihre jüngeren Schwestern in alten Fabrikshallen errichtet wurden, ist die Edelweiß in einem Zinshaus im 1. Bezirk zu finden. Zwei Kellergeschoße und der erste Stock bieten nach eigenen Angaben über 1.000 m2 Boulderfläche. Die zentrale Lage der Edelweiß ist unschlagbar, doch das Konzept ist mittlerweile in die Jahre gekommen. Die Boulderwände erscheinen etwas konzeptlos und die Griffe sind keineswegs sparsam verschraubt. In modernen Boulderhallen gilt eigentlich: weniger ist mehr. Die Routen wechseln laut Szene-Insidern nur einmal jährlich und in manchen Sektoren sollte man keine Platzangst mitbringen. Dennoch ist die Walfischgasse gerade für Anfänger ein toller Spot, um erste Probleme zu  meistern. Die Mitgliedschaft beim Alpenverein ist allerdings Voraussetzung – die Halle wird nicht kommerziell betrieben. Pro Stunde werden 5,50 Euro verrechnet, wobei die ersten 20 Minuten als Umkleidezeit gutgeschrieben werden. Es gibt Kurse für Erwachsene und Kinder. Hier geht's zur Webseite

Boulderbar Hannovergasse 21

Ende der 2000er-Jahre träumten viele Wiener Kletterer von einer eigenen innerstädtischen Boulderhalle. Bernhard Kerschbaumer und weitere Geschäftspartner setzten schließlich den Traum in die Tat um und eröffneten im Jahr 2012 die erste kommerziell geführte Boulderhalle Wiens. Direkt am Brigittenauer Hannovermarkt gelegen, ist die "Boulderbar" seither zu einem legendären Trainingsort geworden. Zwei Hallen bieten rund 1.300 m2 Fläche zum Anreißen und Austoben. Nach Farben geschraubte Boulderprobleme gibt es in allen Schwierigkeitsgraden. Im Eingangsbereich ist die großzügige Bar mit Sofas und Tischen ausgestattet. Mittlerweile bietet der hauseigene Salewa-Shop alles, was fürs Bouldern benötigt wird. Alle Preise und die Öffnungszeiten sind auf www.boulderbar.net zu finden

Blockfabrik Schlossgasse 10

Boulder Brothers GmbH nennen Simon und Christian Götting ihr Unternehmen, mit dem sie das alte Verlagsgebäude im Herzen des 5. Bezirks bespielen. Warum ihre Geschichte in Flip Flops und in einem Wohnmobil beginnt, ist hier nachzulesen. Die Götting-Brüder erfüllten sich 2017 ihren langjährigen Traum von der eigenen Boulderhalle. Die Blockfabrik punktet nicht nur mit ihrer zentralen Lage, sondern auch mit den äußerst liebevollen Details – kein Wunder: Christian Götting ist gelernter Tischler. In unmittelbarer Nähe zum Schlossquadrat kann sich der ambitionierte Kletterer auf 1.200 m2 austoben. An der Bar gibt es sowohl eine zünftige Brettljause, als auch ein scharfes Thai-Curry. Über den Kletterwänden lädt eine kleine Terrasse zum Zuschauen und Entspannen ein. Neben regulären Kursen bietet die Blockfabrik auch Yoga für Kletterer an

Boulderbar Wienerberg

Der Neuzugang in der Gutheil-Schoder-Gasse 8 punket mit 1.400 m2 Kletterfläche und reichlich Parkplätzen. Besonders attraktiv ist der Standort für die südlichen Wiener Bezirke und den Speckgürtel in Richtung Wiener Neustadt. Design steht am Wienerberg Hoch im Kurs, doch auch dem Barkonzept wird man hier gerecht. Bar und Kletterzone sind durch eine riesige Glasscheibe getrennt – bei einer Melange hat man einen guten Ausblick auf die Sportler. Die beiden Bereiche könnten allerdings auch mehr Nähe vertragen. Doch diesbezüglich muss sich jeder sein eigenes Bild vor Ort machen. Auch in der Boulderbar Wienerberg wird seit einiger Zeit "Boulder Yoga" angeboten.


Neue Boulderhalle beim Wiener Hauptbahnhof

Die Boulderbar GmbH arbeitet derzeit an einem neuen Projekt. Im Neubaugebiet Sonnwendviertel in Favoriten wird bereits fleißig geschraubt: Die dritte Boulderbar Wiens entsteht in einer nagelneuen Halle. Die Eröffnung ist im Sommer 2019 geplant. Laut Geschäftsführer Bernhard Kerschbaumer soll die neue Halle ein Vorzeigeprojekt des Unternehmens werden. 

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