Eine Reise nach Kärnten - eine Reise in die Vergangenheit des Flugfeldes

Diskussion "Religion und Sozialismus" im Pfarrheim von St. Anton mit Bruno Kreisky
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  • Diskussion "Religion und Sozialismus" im Pfarrheim von St. Anton mit Bruno Kreisky
  • Foto: Familie Tessmann, Eberstein
  • hochgeladen von Michael Klosterer

Wiener Neustadt - Eberstein: Als Gemeinderat Michael Klosterer und seine Frau Sabine einen Kurzurlaub in der „Bioarche“ in Eberstein in der Nähe von St. Veit/Glan antraten, staunten sie nicht schlecht, als sie an der Rezeption mit den Worten „Sie kommen aus Wiener Neustadt? Da kennen Sie ja vielleicht das Flugfeld und St. Anton“ begrüßt wurden. Näheres Nachfragen wurde mit interessanten Geschichten zur Geschichte unserer Stadt und zahlreichen Bilddokumenten belohnt......

Der Vater des derzeitigen Hotelbesitzers Tessman Ilmar jun. war Mag. Tessmann Ilmar sen., der einigen Wiener Neustädtern – und speziell Flugfeldern – doch geläufig sein dürfte. Am 08.02.1931 in Prag geboren und Student der Theologie 1956 bis 1961 verschlug es Mag. Tessmann im Oktober 1961 nach Wiener Neustadt, wo er zum Kuraten der Dompfarre bestellt wurde. 1965 wurde er vorerst zum Pfarrprovisor, am 18. Jänner 1966 von einem gewissen Erzbischof Franz König definitiv zum Pfarrer von St. Anton ernannt, nachdem sein Vorgänger Imre Virágh nach Wien versetzt worden war und Johann Sobotka die Pfarre interimistisch geführt hatte. Und auch schon damals war – wie Jahre später bei der Gründung seines Bio-Hotels - Ilmar Tessmann seiner Zeit voraus – er hielt sogenannte „Jazz-Messen“ in St. Anton und setzte damit Akzente, um moderne Elemente in die Kirche einzubinden.
Doch auch in der Lokalpolitik mischte Mag. Tessmann mit. Nun ist es nicht jedermanns Sache, dass Kirchenleute sich in die Politik einbringen, Mag. Tessmann tat dies jedoch nicht aus politischer Überzeugung, sondern um den ihm anvertrauten Menschen zu helfen. So solidarisierte er sich mit den Arbeitern insofern, dass er – als die Sirenen als Protest über die geplante Schließung der Rax-Werke über Wiener Neustadt heulten - gleichzeitig „seine“ Kirchenglocken läuten ließ. Er ließ es sich auch nicht nehmen, im Sommer selbst als Arbeiter in Neustädter Fabriken zu arbeiten und den politischen Dialog zu fördern. So wurde Bruno Kreisky zur Diskussion „Sozialismus und Religion“ ins Pfarrheim von St. Anton eingeladen – das Interesse war damals so groß, dass das Pfarrheim die Interessenten nicht fassen konnte und die Veranstaltung per Lautsprecher auf den Vorplatz der Kirche übertragen wurde. All dieses Wirken führte auch dazu, dass Mag. Tessmann als „der rote Pfarrer“ in die Geschichte von St. Anton und darüber hinaus einging.
Auch so mancher Wiener Neustädter verbindet Mag. Tessmann mit der eigenen Geschichte: So traute er den jetzigen Gemeinderat Hans Machowetz und seine Helga am 05. Mai 1969.
Die Geschichte nahm jedoch eine unerwartete Wendung, als er bei einem Kuraufenthalt in Puchberg am Schneeberg Rosalinde kenne und lieben lernte. Er ließ sich von der Gehaltsliste der Erzdiözese streichen und verabschiedete sich von seinem Priesteramt mit einem herzlichen „Grüß Gott“. Er folgte seiner Frau nach Kärnten und baute ab den 1970er-Jahren sein Hotel „Bio Arche“ auf, welches auch das 1. Öko- und Biohotel Österreichs ist.

So nahm nicht nur die Lebenseschichte des "roten Pfarrers" vom Flugfeld eine interessante Wendung, sondern auch ein Urlaub eines interessierten Gemeinderates der "Allzeit Getreuen"......

Autor:

Michael Klosterer aus Wiener Neustadt

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