Jeder Vierte im Bezirk ist zu dick

Mag. Petra Ruso, Gesundheitswissenschaftlerin und Argef-Geschäftsführerin setzt sich für gesunde Ernährung ein.
  • Mag. Petra Ruso, Gesundheitswissenschaftlerin und Argef-Geschäftsführerin setzt sich für gesunde Ernährung ein.
  • Foto: Argef
  • hochgeladen von Doris Simhofer

WIENER NEUSTADT/BEZIRK (ds).  Am 24. Mai ist europäischer Adipositas-Tag: Jeder vierte Erwachsene im Bezirk ist übergewichtig. Es kommt noch dicker. Bis 2030 wird jeder Zweite übergewichtig sein, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor einer "Übergewichts-Krise". Schuld daran ist unser Ernährungsverhalten, "viele essen kaum mehr gemeinsam am Familientisch, unsere Esskultur ist bedenklich", sagt Petra Ruso, Gesundheitswissenschaftlerin und Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Gesundheitsförderung (Argef) in Wr. Neustadt. "Hinzu kommt, dass wir zuviel Zucker und zuviel Fett konsumieren." Die Argef hat dazu eine Studie mit 300 Teilnehmern durchgeführt, 126 Übergewichtige litten bereits an Diabetes Typ 2. Übergewicht in Kombination mit Bewegungsmangel ist ein Umstand, der nicht nur zu Diabetes Typ 2 sondern in der Folge auch zu Herzkreislauferkrankungen, Herzinfarkt und Schlaganfall führt.

Richtig essen von Anfang an

Alarmierend: Jedes 5. Kind ist zu dick, auch diese Zahl wird sich verdoppeln. Doch die Kinder sind nicht schuld daran, denn sie lernen das Essverhalten ihrer Eltern. Diese sind daher mehr denn je gefordert.
"Schon während der Schwangerschaft prägt die Ernährung der Mutter das spätere Ernährungsverhalten des Kindes und dessen Geschmacksvorlieben", sagt Petra Ruso. Für das Baby sei Stillen die natürlichste Nahrungsquelle, so Ruso: „Muttermilch ist die erste Wahl, damit kriegt das Baby alles, was es braucht. Muttermilch schmeckt immer anders, dieses Geschmackserlebnis geht bei industriell gefertigter Milchfertignahrung verloren, sie schmeckt immer gleich.“

Stillen schützt vor Adipositas

Bestätigt wird das von einer im April 2019 veröffentlichten WHO-Studie. „Je länger ein Kind gestillt wird, desto besser ist es vor Adipositas geschützt. Dieses Wissen könnte unsere Bemühungen um die Prävention von Adipositas verstärken. Der Adipositas im Kindesalter – einschließlich der schweren Adipositas – den Kampf anzusagen, kann erhebliche positive Auswirkungen haben – nicht nur für die Gesundheit und das Wohlbefinden von Kindern, sondern auch für die nationalen Gesundheitssysteme. Daher müssen wir alles in unserer Macht Stehende tun, um das Stillen in der gesamten Region zu fördern und zu schützen“, sagte Dr. Bente Mikkelsen, Direktorin der Abteilung Nichtübertragbare Krankheiten und Gesundheitsförderung im gesamten Lebensverlauf beim WHO-Regionalbüro für Europa. Die WHO empfiehlt, einen Säugling während der ersten sechs Lebensmonate ausschließlich zu stillen. Danach sollte das Stillen möglichst bis zum 2. Lebensjahr oder darüber hinaus fortgesetzt und zusätzlich nahrhafte Beikost zugefüttert werden.

Auf Zutaten achten

Doch auch hier lohnt sich ein kritischer Blick: „In handelsüblichem Babybrei sind oft zu viel Zucker, Salz und Zusatzstoffe enthalten“, warnt Petra Ruso, „zudem vermittelt die Werbung oft ein falsches Bild mit Slogans, sogenannte Kinderlebensmittel sind nicht gesund, sie enthalten viel Fett und Zucker.“ Ein prüfender Blick auf die Zutatenliste ist also ein Muss.
Laura Webber vom britischen Gesundheitsforum, die ein Projekt gemeinsam mit der WHO durchgeführt hat, appelliert an die Politik: "Regierungen müssen mehr tun, um das Marketing für ungesundes Essen zu begrenzen und gesundes Essen erschwinglicher zu machen."

Eltern als Vorbilder

Wenn sie Kinder von Anfang an bewusst und gesund ernähren, wird dies auch später für sie selbstverständlich sein, weiß Petra Ruso und appelliert an die Eltern: „Seien Sie ein Vorbild. Wenn Sie selber kein Obst und Gemüse essen, wird es auch Ihr Kind nicht tun.“ Die Gesundheitsexpertin hat bereits vor 10 Jahren das Projekt "Babycouch" entwickelt. Diese bietet Raum für Vorträge, Beratung, Information, gegenseitigen Erfahrungsaustausch und den Aufbau eines Netzwerks. Schwangere, Stillende und Mütter von Kindern bis zum dritten Lebensjahr treffen hier in ruhiger, warmherziger Umgebung aufeinander. Inhaltliche Schwerpunkte der Treffen werden je nach Bedarf festgelegt, auch nach den Wünschen der Mütter, sagt Projektleiterin Ruso: „Die Babycouch ist mehr als ein Mama-Kind-Treffen. Dort setzen wir uns mit dem Thema Gesundheit auseinander, es sind immer wieder Experten vor Ort, die zu einem bestimmten Thema informieren.“

Seit Anfang 2014 hat sich auch die NÖGKK zum Ziel gesetzt, die von Petra Ruso entwickelte Bundesinitiative „Richtig essen von Anfang an!“ im Regelbetrieb in der Babycouch anzubieten. „Richtig essen von Anfang an!“-Workshops widmen sich den Themen Ernährung in der Schwangerschaft, in der Stillzeit und im Beikostalter der bis zu Einjährigen.

Buchtipp
"Mein Baby isst mit – die besten Rezepte für die Schwangerschaft". Von Ariane Hitthaller, Petra Ruso & Lisa Peterlik. Das Buch enthält viele Tipps bei Schwangerschaftsbeschwerden, alles über Top-Nährstofflieferanten in der Schwangerschaft und viele köstliche Rezepte.

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