Kasematten: Stadtbefestigung werden restauriert und erhalten

Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Bürgermeister Klaus Schneeberger, Stadtrat Franz Dinhobl und Stadtbaudirektor Manfred Korzil beim Lokalaugenschein vor den Wiener Neustädter Kasematten.
  • Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Bürgermeister Klaus Schneeberger, Stadtrat Franz Dinhobl und Stadtbaudirektor Manfred Korzil beim Lokalaugenschein vor den Wiener Neustädter Kasematten.
  • Foto: Stadt WN/Weller
  • hochgeladen von Doris Simhofer

WIENER NEUSTADT (Red). Im Rahmen der Restaurierung und Revitalisierung der Wiener Neustädter Kasematten für die NÖ Landesausstellung 2019 sind auch namhafte Archäologen beigezogen, um eine Dokumentation der Geschichte der historischen Stadtbefestigungsanlage zu erstellen. Diese Untersuchungen ergaben teilweise sensationelle Ergebnisse: So konnten die Archäologen unter anderem große Teile einer „Zwingermauer“, die ab dem 13. Jahrhundert der Stadtmauer als weiterer Schutz vorgelagert war, freilegen. Aufgrund einer Förderung des Bundeskanzleramtes können Teile dieser europaweit einzigartigen Schätze nun für die Nachwelt erhalten und gezeigt werden.

Bürgermeister Klaus Schneeberger und Baustadtrat Franz Dinhobl zu den Ausgrabungen: „Wir waren uns bewusst, dass die Kasematten eine bauhistorisch sehr wertvolle Anlage sind. Die Dimension und die Einzigartigkeit unserer Stadtbefestigung haben aber erst die Archäologinnen und Archäologen während der letzten Monate im wahrsten Sinne des Wortes zu Tage gebracht. Es sind nunmehr alle einzelnen Epochen des Baus der Kasematten, aber auch der gesamten Stadtmauer nachvollziehbar und auch für Laien erkennbar.“

„Die Kasematten sind ein wahres Schmuckkästchen bei der kommenden Landesausstellung in Wiener Neustadt. Durch die nun abgeschlossene Restaurierung und Revitalisierung hat diese bedeutende historische Stätte wieder neuen Glanz erlangt. Die umfassenden Arbeiten in den letzten Jahren waren notwendig, um die Kasematten für viele weitere Generationen zu erhalten und zugänglich zu machen. Deswegen werden wir die Kasematten danach als Kultur- und Besucherzentrum nutzen und schaffen damit einen zentralen Begegnungsort für die Stadt, ihre Bewohner und ihre Gäste“, freut sich Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner.

„Es war den Archäologen und Bauhistorikern zwar bekannt, dass in Wiener Neustadt eine der Stadtmauer vorgelagerte Zwingermauer existierte, im Zuge der aktuellen Ausgrabungen wurden jedoch bislang unbekannte Teile dieser Zwingermauer entdeckt. Diese können wir nun erhalten und der Bevölkerung zugänglich machen. Außerdem wird auch einer der Ecktürme der Stadtmauer revitalisiert und begehbar gemacht. Mein Dank gilt einerseits den Archäologinnen und Archäologen für ihre Arbeit und andererseits Minister Gernot Blümel für die Subvention, sowie Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, die diese zusätzlichen Arbeiten vollinhaltlich mitträgt und unterstützt“, so der Bürgermeister zu den weiteren Plänen.

Eckpunkte der Baugeschichte der Stadtbefestigung
Die aus der Zeit der Stadtgründung im späten 12. Jahrhundert stammende Stadtmauer mit einem der vier Ecktürme ist im betreffenden Bereich sowohl in ihrer ursprünglichen Substanz als auch mit den Aufzonungen aus dem zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts, aus dem späten 15. sowie aus der Mitte des 16. Jahrhunderts erhalten. Damit zeigt die Stadtmauer in diesem Abschnitt auf engstem Raum ihre komplexe Entstehungsgeschichte.

Einzigartig ist aber vor allem die Tatsache, dass vor der südwestlichen Stadtmauer auch noch die Zwingermauer mit Zinnenabschluss aus dem frühen 13. Jahrhundert steht – ein bedeutendes Dokument einer der frühesten Zwingerbefestigungen im deutschsprachigen Raum.

Die hochmittelalterliche militärische Befestigung Wiener Neustadts ist damit an dieser Stelle besonders authentisch erhalten geblieben. Die räumliche Beengtheit eines Zwingers ist in dieser Anlage gut veranschaulicht.

1551 entstanden die heute noch vorhandenen Reste der vor die Stadtmauer gestellten Bastion bestehend aus einem Geschützhof zum Bestreichen der Mauer, aus der geböschten Flankenmauer der Bastion und dem Ansatz der geböschten Front. In der Stadtmauer sind die vermauerten Portale auf die Bastei und in den Geschützhof erhalten.

Durch die Freistellung dieser Bauelemente kann das renaissancezeitliche Bastionärsystem, das in Wiener Neustadt nach dem Vorbild Wiens konzipiert wurde, von dem in Wien jedoch keine derartigen Bauteile mehr erhalten sind, österreichweit einzigartig erleb- und nachvollziehbar gemacht werden.

In Kombination mit der dahinter befindlichen Strada Coperta und den drei Röhren der Kasematten kann für den Besucher die Funktionsweise einer Bastion vollständig veranschaulicht werden.
Der südwestliche Eckturm der Stadtmauer, sowie die ihm vorgelagerten Reste der Zwingermauer in typischer Fächerform können nun konserviert und erhalten werden.

Autor:

Doris Simhofer aus Wiener Neustadt

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