Artenschutz-Drama in Schlosshof: Verkehrsumleitung gefährdet vitales Zieselvorkommen
Mindestens 30 tote Ziesel in Niederösterreich

Der Ziesel, auch in Wiener Neustadt oft ein Streitthema.
  • Der Ziesel, auch in Wiener Neustadt oft ein Streitthema.
  • Foto: Svetlik
  • hochgeladen von Peter Zezula

WIENER NEUSTADT, NÖ (OTS). Nicht nur in Wiener Neustadt haben die Ziesel kein leichtes Leben, kämpfen die Grünen für ein Tempolimit 30 in der Nova City (beim neuen Stadion).

Hilferuf einer privaten Tierschützerin: In der
Ortschaft Schlosshof (Bezirk Gänserndorf, Niederösterreich) ereignet
sich aktuell ein Tierdrama. Die dort durchführende Bundesstraße ist
aufgrund von Bauarbeiten gesperrt, sodass der Verkehr großräumig
umgeleitet wird. Ortskundige Autofahrer, die sich diese Umleitung
nicht antun wollen, nutzen eine kleine, sonst unbefahrene
Nebenstraße, wo sich ein sehr vitales Ziesel-Vorkommen befindet. „Die
Tiere dort sind an den Straßenverkehr nicht gewöhnt, haben nicht
gelernt zu flüchten und wurden von dem durchziehenden Verkehr völlig
überrascht“, sagt WTV-Präsidentin Madeleine Petrovic. Die erlaubte
Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h in dieser eigentlich verkehrsarmen
Zone tat ihr Übriges dazu: Dem Vernehmen nach wurden mindestens 30
Ziesel durch den Durchzugsverkehr getötet. Eine Tierfreundin wurde
auf die Situation aufmerksam und wandte sich hilfesuchend an den
Wiener Tierschutzverein (WTV).

Das Europäische Ziesel steht als „gefährdet“ auf der Roten Liste
der gefährdeten Tierarten der IUCN. In der Roten Liste Österreichs
ist die Art als „stark gefährdet“ eingestuft. Die Art steht
europarechtlich unter Schutz und wird in den Anhängen II („Art von
gemeinschaftlichem Interesse, für deren Erhaltung besondere
Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen“) und IV („Streng zu
schützende Art von gemeinschaftlichem Interesse“) der
Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) der EU geführt.

Nur durch beharrliche Intervention bei diversen Polizeistellen,
der BH Gänserndorf, dem Innenministerium und der
Landespolizeidirektion Niederösterreich war es möglich, eine
Zusicherung der Behörden zu bekommen, sich umgehend dieser
dramatischen Situation anzunehmen. „Sämtliche Beamtinnen und Beamten
zeigten sich sehr freundlich und kooperativ. Wir hoffen, dass
umgehend Maßnahmen zum Schutz der Tiere getroffen werden und werden
die Situation in Schlosshof sehr genau weiter beobachten“, sagt
Petrovic.

Zwtl.: Fehler im System

Die WTV-Präsidentin ortet den Fehler derartiger
Artenschutz-Dramen, die leider immer wieder passieren, keineswegs bei
den Behörden selbst, sondern im System. Denn den Behörden mangelt es
oft an Information über die rechtliche Lage und sie trauen sich
vielfach nicht einzuschreiten. „Es ist höchst an der Zeit, sämtliche
Polizeistellen in Österreich zu informieren, dass der Schutz streng
geschützter Tiervorkommen nach der FFH-Richtlinie im Verfassungsrang
steht. Sogar die fahrlässige Gefährdung dieser Tierarten ist
strafrechtlich verboten“, so Petrovic. Die WTV-Präsidentin betont
noch einmal: „Es geht hier nicht um ein Anpatzen der Behörden,
sondern es muss endlich bei den Exekutivorganen ankommen, dass Tiere
ein streng geschütztes Rechtsgut sind und ihr Schutz genauso zu
behandeln ist wie der Schutz von Leib und Leben oder der Schutz von
Eigentum. Die Bundesregierung muss hier endlich entsprechend
schulen“. Es bedürfe Polizeibeamtinnen und –beamten, die wissen, dass
sie bei Gefahr im Verzug sofort einschreiten dürfen.

„Das BMI möge umgehend mit dem WTV Kontakt aufnehmen. Wir geben
sofort die besonders unfallträchtigen Hot Spots in Sachen Ziesel
bekannt. So werden uns auch vom Bisamberg immer wieder Zieseltötungen
gemeldet. Es schreit zum Himmel, dass es noch keinen Masterplan der
Regierung zur Kennzeichnung von Habitaten geschützter Tiere, zur
Schulung des öffentlichen Dienstes und zum Schulterschluss mit
Tierschutzvereinen und Artenschutz-Initiativen gibt“, so Petrovic
abschließend.

Autor:

Peter Zezula aus Niederösterreich

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