Interview mit Neustadts Grüne-Chefin Tanja Windbüchler-Souschill
"Wir haben bis jetzt einen guten Job gemacht"

Tanja Windbüchler-Souschill im Gespräch mit Bezirksblätter-Redakteur Peter Zezula. Das Foto wurde in Corona-entspannteren Zeiten geschossen.
2Bilder
  • Tanja Windbüchler-Souschill im Gespräch mit Bezirksblätter-Redakteur Peter Zezula. Das Foto wurde in Corona-entspannteren Zeiten geschossen.
  • Foto: Szivatz
  • hochgeladen von Peter Zezula

Es ist ein Zebrastreifen, der notwendig ist und wofür man interveniert, genauso wichtig wie das Budget für die Frauenhäuser im Bund.
Tanja Windbüchler-Souschill

WIENER NEUSTADT. Die Grünen entschieden sich nach der Gemeinderatswahl im Jänner für die einzige Opposition in einer "bunten Regierung". Bis jetzt sind sie, so deren Parteivorsitzende und Stadträtin Tanja Windbüchler-Souschill (43), ganz gut damit gefahren.

Wie haben Sie die erste größere Corona-Pause beruflich wie privat gemeistert?
TANJA WINDBÜCHLER-SOUSCHILL: Der Lockdown Mitte März war natürlich ein Schock für mich, so wie für fast alle. Wirtschaft, Gewerbe, Schulen - alles ist geschlossen worden. Natürlich ist auch meine Familie vor der Herausforderung gestanden, dass die Kinder nicht mehr in der Schule sein können, ich bin berufstätig, mein Mann in einem systemerhaltenden Beruf (Buschauffeur bei der wnsks, Anm. d. Red.), das mussten wir natürlich organisieren. Beruflich, die Politik steht ja nie still, versuchten wir über Internettelefonie oder Skypekonferenzen miteinander in Kontakt zu sein und natürlich auch mit der Bundesregierung und mit dem Büro Rudi Anschober. Als angelobte Stadträtin für Veterinäres war der Pferde-Freizeitsport ein großes Thema, da durften die Pferdebesitzer zunächst nicht in die Reitställe, das ist dann zum Glück eh gegangen.

Jetzt, ein Dreivierteljahr nach der Wahl: War die Entscheidung, mit Grün in die Opposition zu gehen, die richtige?
Ja (lacht). Alleine, wenn ich den Michael Schnedlitz beobachte in der Bundespolitik... Zuletzt auch seine NS-Sprüche ("Unkrautbekämpfungsmittel" gegen Zuwanderung, Anm. d. Red.). Das fallt ja auch auf Wiener Neustadt zurück, wir stehen ständig negativ in den Schlagzeilen. Klaus Schneeberger hat sich für die FPÖ entschieden und da war für uns kein Platz mehr. Jetzt denk ich mir, es braucht eine Opposition. Es braucht jemanden, der genau hinschaut, der ihnen auf die Zehen steigt.

Konnten die Grünen als Opposition schon Erfolge einfahren, etwa Obststadt Breitenauer Siedlung?
Ja, mehrere. Wenn ich mir anschaue wie sehr die bunte Regierung jetzt zum Beispiel die Grünflächen von Wiener Neustadt preist, dann denk ich mir, wir haben einen guten Job gemacht.  Bienenwiesen, statt normalen Rasen, zum Beispiel. Die Wichtigkeit wird erkannt. Weiters das Thema Obststadt. Bürger beschweren sich und kommen dann zu uns, wir schauen uns das an und dann ist eh meistens Feuer am Dach, dann intervenieren wir. Den Bürgern ist es dann auch wichtig, mit ihnen gemeinsam eine Lösung zu suchen. Je breiter Themen aufgestellt sind, desto naheliegender ist es auch, dass die Regierung einlenken muss. Das ist auch unser Auftrag und unsere Aufgabe. Ein weiterer Erfolg sind die neuen Radwege, 'Sicheres Radfahren' propagieren wir seit rund 20 Jahren.

Wie sieht die Kommunikation mit den anderen Parteien aus? Ist sie durch die Oppositionsarbeit schwieriger geworden?
Wir sind nun Teil des Stadtsenates, und das ist auch eine ganz neue Erfahrung für mich. Das ist ein Gremium, da kann man auch ganz normal miteinander reden und Argumente austauschen. Beim Artenschutz, etwa bei den Zieseln, sind die Rollbalken seitens der ÖVP aber bereits runtergefahren. Da ist es schwierig, ein Gespräch zu führen. Meine Ansprechpartner sind prinzipiell die Schwarzen, was soll ich mit den Blauen. Und mit den Roten, ganz ehrlich? Da suche ich noch nach Punkten, wo ich sage, da können wir drüber reden. Zum Beispiel 'Sozialcard' für die Aqua Nova (Ermäßigung für Einkommensschwächere auch am Wochenende, Anm. d. Red.), dass da die SPÖ nicht mitgegangen ist, verstehe ich nicht.

Die Grünen haben also "ihre" Themen gefunden. Hat das auch damit zu tun, dass Sie sich jetzt ausschließlich Wiener Neustadt widmen und nicht mehr im Nationalrat tätig sind?
Mit Sicherheit. Es war die beste Entscheidung meines Lebens, zu sagen, nach fast zehn Jahren im Nationalrat widme ich mein ganzes 'Dasein' der Wiener Neustädter Politik, weil Neustadt eh groß genug ist. Es ist ein Zebrastreifen, der notwendig ist und wofür man interveniert genauso wichtig wie das Budget für die Frauenhäuser im Bund. Da hat es für mich nie Unterschiede gegeben, aber wenn man sich in Wiener Neustadt richtig reinhängt, ist es ein Fulltime-Job. Ich genieße es aber sehr, dass ich jetzt alles in Wiener Neustadt habe. Ich kann aufs Rad steigen, habe hier alles, was ich brauche, meine Kinder sind in Wiener Neustadt in der Schule, es beruhigt und ist ein Lebensmittelpunkt-Gefühl.

Und ihr Team?
Zwischen uns passt kein Blatt, wir - Anneliese Weichart, Selina Prünster, Michael Diller-Hnelozoub, Andreas Löffler und ich - sind das Kernteam. Jede Person für sich kann Politik machen und sich um Anliegen kümmern. Wir haben aber auch eine Baumschutzgruppe oder eine Fluglärmgegnergruppe und da kristallisiert sich auch heraus, wer mehr machen will.

Was halten Sie vom "STEP 2030" - Stadtentwicklungsplan?
Ich glaube, die letzte Sitzung war vor eineinhalb Jahren. Das ist schade, weil es echt gut angefangen hat. Die Bürgerdialoge haben einiges zum Vorschein gebracht, z.B. die Pläne für den Fohlenhof. Den wollten sie zubetonieren und jetzt gibt es einen Plan zur Erhaltung. Das ist sicher auch ein Erfolg. Aber momentan geschieht nichts.

Wird beim Thema "Ostumfahrung" jemals dafür oder dagegen entschieden werden?
Wir haben beim Gericht Stellungnahmen eingebracht, dass die Ostumfahrung nicht umweltverträglich ist, das Land NÖ sagt, sie wäre umweltverträglich. So oder so, der Straßenbau im Naherholungsgebiet ist und bleibt eine politische Entscheidung der ÖVP und SPÖ.

Tanja Windbüchler-Souschill im Gespräch mit Bezirksblätter-Redakteur Peter Zezula. Das Foto wurde in Corona-entspannteren Zeiten geschossen.
  • Tanja Windbüchler-Souschill im Gespräch mit Bezirksblätter-Redakteur Peter Zezula. Das Foto wurde in Corona-entspannteren Zeiten geschossen.
  • Foto: Szivatz
  • hochgeladen von Peter Zezula

Tanja Windbüchler-Souschill im Wortrap

Welche App können Sie momentan empfehlen?
Runtastic

Welche Musik darf auf Ihrer Playlist nicht fehlen?
Die von Johnny Cash

Ihr liebstes Urlaubsziel?
Italien

Idole aus Ihrer Kindheit?
Die Mädchengruppe Bananarama

Ihr Traumjob (außer Politikerin)?
Historikerin

Kochen Sie, wenn ja, was am liebsten?
Ja, Kartoffelgratin,  vegetarisch

Ihre Hobbies?
Meine Kinder

Tanja Windbüchler-Souschill im Gespräch mit Bezirksblätter-Redakteur Peter Zezula. Das Foto wurde in Corona-entspannteren Zeiten geschossen.
Tanja Windbüchler-Souschill im Gespräch mit Bezirksblätter-Redakteur Peter Zezula. Das Foto wurde in Corona-entspannteren Zeiten geschossen.

Kommentare

?

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Weitere Beiträge aus dem Bundesland

Gustav Gustenau bei den letzten Vorbereitungen für Olympia.
Video 4

Olympia Niederösterreich
Olympia-Studio am 31.07.2021 (+Video!)

Warum heute unsere stellvertretende Chefredakteurin Karin Zeiler die Moderation übernimmt, wo Werner Schrittwieser ist, wie man einen Eiskaffee auf Japanisch bestellt und wie es unserem NÖ Marathon-Läufer Lemawork Ketema geht – all' das erfährst du in der heutigen Ausgabe unseres Olympia-Studios! Hier gibt's die ganze Show Mehr zu Olympia 2020 findest du unter meinbezirk.at/olympia-niederösterreich.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Du möchtest selbst beitragen?

Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Foto des Tages einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen