09.11.2016, 14:02 Uhr

Startschuss für Projekt "Kasematten und Neue Galerie"

WIENER NEUSTADT. Heute Mittwoch haben Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll und Bürgermeister Mag. Klaus Schneeberger gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Preisgerichts Univ.-Prof. DI András Pálffy das Ergebnis des internationalen Architektenwettbewerbs für das Projekt „Kasematten und Neue Galerie Wiener Neustadt“ präsentiert. Insgesamt hat es 54 eingereichte Projekte gegeben, aus denen die Jury jenes des slowenischen Architekturbüros Bevk Perović aus Laibach ausgewählt hat.

„Die Landesausstellung 2019 wird in Wiener Neustadt zwei architektonische Herzstücke haben. Einerseits die Kasematten, welche die zentrale Anlaufstelle für die Besucherinnen und Besucher sein werden. Andererseits das Stadtmuseum und St. Peter an der Sperr, welche ebenfalls vor der Landesausstellung revitalisiert werden. Insgesamt investieren wir dafür seitens des Landes Niederösterreich 25 Millionen Euro. Damit ist die Landesausstellung ein ganz wesentlicher Entwicklungsmotor für die Stadt und ein Entwicklungsimpuls für die Region. Diese Landesausstellung soll nämlich der Schlüssel zu einer erfolgreichen Stadt-Land-Entwicklung sein, indem die Regionen Bucklige Welt und Wechselland, Schneebergland, Welterberegion Semmering-Rax sowie Wiener Neustädter Kanal eingebunden werden“, informierte Pröll.

„Die Landesausstellung 2019 ist die Trägerrakete, um Wiener Neustadt wieder auf die Überholspur zu führen. Rund 900 Tage bleiben noch, um uns auf dieses Großereignis vorzubereiten. Neben der Region unter dem Motto ‚Stadt und Land mitanand‘ sollen auch das Neukloster und die Theresianische Militärakademie eingebunden werden. Das Herzstück werden aber die Kasematten sein. Sie werden nicht nur das größte je gezeigte Ausstellungsstück einer Landesausstellung, sondern aufgrund der Tatsache, dass es sich um die größten Kasematten Mitteleuropas handelt, auch weit über diesen Zeitpunkt hinaus attraktiver Anziehungspunkt sein“, so Schneeberger.

An den kommenden zwei Tagen werden die Kasematten für Schulklassen geöffnet. Am Samstag und Sonntag ist im Zeitraum von 10 bis 17 Uhr das heute vorgestellte Siegerprojekt im Zuge eines „Tages der offenen Tür“ in den Kasematten für die Öffentlichkeit ausgestellt.

Das Projekt „Kasematten und Neue Galerie Wiener Neustadt“
Die Kasematten, das Welcome-Center und die Neue Galerie werden nicht als Gegenpole aus unterschiedlichen Zeitaltern verstanden, sondern als Erweiterung derselben Struktur, die das ‚Alte’ als selbstverständlichen Teil des ‚Neuen’ sieht – und umgekehrt. Die unterschiedlichen Elemente werden miteinander verbunden und zur Stadt und zum Park geöffnet. Das Projekt nutzt die Kasematten als verbindende Struktur, um alle Aspekte des neuen Programms mit den Kasematten in ein nahtloses Ganzes zu fügen: Der Weg durch die Kasematten, vom Eingang im Welcome Center in die Neue Galerie sowie in das Café prägt den Charakter des Ortes. Die Kasematten sind damit nicht mehr bloß das versteckte Denkmal, sondern werden zu einem zentralen Ort in der Stadt, zum lebendigen Teil eines Ganzen. Für Wiener Neustadt entstehen zahlreiche neue Nutzungen. Sie lassen ein neues vitales und flexibles Zentrum entstehen und schaffen – verbunden mit der Festung der Stadtmauer und der ganzen Stadt – einen Ort der gleichwertigen Verknüpfung von Geschichte und Gegenwart, Geschichte und Zukunft:

Vorplatz – mit einer leichten Neigung führt er von der Ebene der Stadt hin zum Eingang des Welcome-Centers. Er verbindet den Stadtraum mit dem Bestandsniveau der Kasematten.
Welcome Center – die monumentale Eingangshalle fungiert als Foyer für die Neue Galerie und Kasematten.
Kasematten-Pfad – die bestehenden Räume bilden jene Struktur, die den gesamten Komplex verbindet – die Erfahrung der Kasematten wird zum intrinsischen Teil des gesamten Projekts.
Café – ein Teil der Kasematten wird als Café genutzt, der sich mit einer Patio-Terrasse an der alten Basteimauer zum Park hin öffnet.
Kasematten–Hallen – die drei langgestreckten Gewölberäume werden von allen Einbauten befreit, gereinigt und lassen sich für Aufführungen und Performances nutzen, die ein historisches Ambiente benötigen
Neue Galerie – der multifunktionale Ausstellungs-/Konzert-/Kongresssaal, halb ins Gelände auf das Niveau der Kasematten versenkt, bildet eine Schwelle, einen Filter zu den dahinter liegenden Parkplätzen.
Belvedere/Lapidarium – die obere Terrasse, die Außen-Fläche auf den Kasematten, auf die man von der Bahngasse über den Stiegenaufgang beim Vorplatz gelangt, wird zum Belvedere Wiener Neustadt – mit Überblick über den Park und einem Lapidarium für Fundstücke der Ausgrabungen um die Stadtmauer. Außerdem befindet sich hier ein kleines Freiluft-Auditorium.

Auch außerhalb der Öffnungszeiten des gesamten Komplexes bilden der Vorplatz (Kasemattenplatz) und das Belvedere/Lapidarium auf den Kasematten neue öffentliche Räume für Wiener Neustadt. Bis Ende 2018 werden die Bauarbeiten andauern, dann werden die Neue Galerie und die Kasematten für die Landesausstellung 2019 vorbereitet. Nach der Landesausstellung wird die Neue Galerie für Ausstellungen, Konzerte, Kongresse und diverse Veranstaltungen nutzbar sein.

Die Architekten: Bevk Perović arhitekti
Bevk Perović arhitekti wurden 1997 von Matija Bevk und Vasa Perović in Ljubljana (Slowenien) gegründet und beschäftigen 12 - 15 MitarbeiterInnen. Ihr Portfolio reicht mit zahlreichen Projekten unterschiedlicher Größe in verschiedenen europäischen Ländern von großen Wohnbauten – gefördert wie frei finanziert, öffentlichen und kulturellen Bauten, Universitäten, Museen, Bürobauten, Kongresszentren bis hin zu Einfamilienhäusern.

Die Arbeiten des Büros wurden mehrmals prämiert: 2007 mit dem Preis der Europäischen Union für zeitgenössische Architektur – dem „Mies van der Rohe Award“, 2006 mit dem „Kunstpreis Berlin“, 2005 mit dem „Piranesi Award“ sowie mit zahlreichen nationalen Preisen in Slowenien.

Bevk Perović arhitekti sind in zahlreichen internationalen Publikationen vertreten. Unter anderem wurden dem Büro Monografie-Ausgaben des spanischen Magazins El Croquis sowie des japanischen Magazins A+U gewidmet. Die Arbeiten des Büros wurden in Solo-Ausstellungen im Kunstverein Bielefeld, der Fragner Gallery in Prag und in der COAC Gallery in Girona gezeigt.

Zu den „Kasematten“ (ital. casamatta – Wallgewölbe)
Wiener Neustadt zählte im Mittelalter zu den am stärksten befestigten Städten Europas. Die wehrhafte Anlage mit einer turmbewehrten Stadtmauer, vier Stadttoren und einem vorgelagerten Wassergraben schützte die Menschen. Ein umlaufender Bereich, der Zwinger zwischen der Stadtmauer und der niedrigeren Zwingermauer, bot zusätzlichen Schutz. Mit den nach 1531 errichteten Kasematten, einer 2.700 m² großen, überwölbten Anlage an der südlichen Stadtmauer, ließ König Ferdinand I. die gewaltige Befestigung weiter ausbauen.

Die gut erhaltenen Baustufen vom 13. bis zum 19. Jahrhundert machen die Kasematten von Wiener Neustadt zu einer kulturhistorischen Besonderheit von europäischem Rang. Die Festung im Stadtpark wird im Zentrum der Landesausstellung 2019 stehen.
Zahlen, Daten & Fakten der „Kasematten“:
älteste Teile: Ende 12. Jahrhundert (Zeit der Stadtgründung)
Zu- und Umbauten: 13., 15., 16. & 17. Jahrhundert
heutige Fläche: 2.500 Quadratmeter
Raumhöhe: bis zu 8 Meter
Anzahl der Räume: 39
Baumaterial: Steine aus den Fischauer Steinbrüchen

Weitere Infos zur Niederösterreichischen Landesausstellung 2019 erhalten Sie auch im „Büro 2019“ (Neunkirchner Straße 17, 2700 Wiener Neustadt, Email: office@buero2019.at, Telefon: 02622 / 373-316). Dort steht auch der „gelbe Postkasten“ für Ihre Ideen bereit!
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