Landesgericht St. Pölten
15-Jähriger raste Polizei davon

Verteidiger Ernst Gramm im Landesgericht St. Pölten.
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  • Verteidiger Ernst Gramm im Landesgericht St. Pölten.
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REGION (ip). Nicht zum ersten Mal startete ein 15-Jähriger aus dem Wienerwald in den frühen Morgenstunden des 28. Juli vergangenen Jahres den Audi A8 seiner Mutter für eine Spritztour. Als ihn die Polizei aufgrund seiner überhöhten Geschwindigkeit in Neulengbach aufhalten wollte, stieg der Bursche aufs Gas und raste mit etwa 160 km/h über kleine Landstraßen davon.
„Der Niki Lauda würde sich freuen, welcher Nachwuchs da heranwächst“, schmunzelte der St. Pöltner Richter Markus Grünberger, der immer wieder feststellte, dass der Lehrling alles so erzählte, als sei es das Normalste der Welt. Nach den ersten Fluchtkilometern, die der Beschuldigte seiner Aussage nach in Panik hinter sich ließ, habe er jedoch die Orientierung verloren. Während die Exekutive bereits intensiv nach dem Audi ohne Kennzeichentafeln Ausschau hielt, versuchte sich der Bursche bei einer Kreuzung in Murstetten mit Hilfe seines Handys zu orientieren.

Mit 140 durch Ortschaften

Mit Blaulicht überholten hier die Polizisten das stehende Fahrzeug und stellten den Streifenwagen schräg vor den Audi. „Ich bin ausgestiegen“, schilderte der Beamte, der am Beifahrersitz gesessen war. Als er merkte, dass der Audi plötzlich auf ihn zurollte, sprang er sofort zurück in den Wagen – rechtzeitig zum Glück, denn der 15-Jährige gab abermals Gas, rammte die offene Beifahrertüre und den Kotflügel des Polizeiwagens und fuhr abermals mit weit überhöhter Geschwindigkeit davon. Die Beamten verfolgten den Audi, die Beifahrertüre haltend, über Kreuzungen und durch mehrere Orte mit etwa 140 km/h, verloren ihn jedoch abermals aus den Augen. Auch Schüsse ins Erdreich konnten den Jugendlichen nicht stoppen. Dieser fuhr nach Hause und nachdem er sich ausgeschlafen hatte, kam am Nachmittag die Polizei.
Verteidiger Ernst Gramm wies auf das doch sehr junge Alter seines Mandanten hin. Er habe ein Geständnis abgelegt, eine versuchte Körperverletzung könne man ihm aber nicht zur Last legen, da er erst aufs Gas gestiegen sei, als der Beamte bereits wieder in dem Streifenwagen saß.

Widerstands gegen die Staatsgewalt

Grünberger kam zu dem selben Ergebnis und verurteilte den Burschen nur wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt und Sachbeschädigung in Höhe von rund 4.000 Euro. Eine Strafe setzte der Jugendrichter vorerst aus, ordnete jedoch Bewährungshilfe für die Dauer der Probezeit von drei Jahren an (nicht rechtskräftig). „Das hätte aber auch ganz anders ausgehen können“, gab der Richter zu bedenken.

Verteidiger Ernst Gramm im Landesgericht St. Pölten.
Richter Markus Grünberger

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