Gericht: Aus Geldnot Kupfer entwendet

Rechtsanwalt Thomas Trixner verwies auf die familiäre Situation.
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REGION WIENERWALD (ip). Zwei Burschen (21, 19) aus einer Wienerwald-Gemeinde teilten sich die Anklagebank am Landesgericht St. Pölten, wo Jugendrichter Markus Grünberger mit Blick auf die Zukunft der beiden jungen Männer Milde walten ließ.

Motorrad versteckt

Mit einem umfassenden Geständnis wartete der 21-Jährige auf, den der Richter zunächst mit einem Versicherungsbetrug konfrontierte, für den auch eine falsche Aussage vor der Polizei und die Vortäuschung einer mit Strafe bedrohten Handlung herhalten musste. Aufgrund seiner Schulden, unter anderem auch bei der Großmutter, habe er keinen anderen Ausweg gesehen, beteuerte der Mechaniker. Er sei dem Rat von Freunden gefolgt, habe sein Motorrad versteckt und Mitte Dezember 2017 eine Diebstahlsanzeige aufgegeben.

Versicherungsbetrug

Von der Versicherung erhielt er dabei 8.330 Euro Entschädigung, mit dem Geld deckte er seine Schulden ab. Als die Beamten später das Motorrad bei einem Freund fanden, kam es zur entsprechenden Anzeige. Verteidiger Thomas Trixner, der auf die schwierige familiäre Situation seines Mandanten verwies, legte Grünberger Nachweise über eine Vereinbarung mit der Versicherung für Ratenzahlung und bereits zum Teil geleistete Wiedergutmachung des Schadens vor. Der Zweitangeklagte stand wegen Einbruchs vor Gericht. Laut Strafantrag habe er im vergangenen März das Fenster einer Firma in Neulengbach eingeschlagen und rund 350 Kilo hochwertige Kupferkabel gestohlen. Bei einem zweiten Coup brach er Mitte April 2018 in den Baucontainer einer Firma in Pressbaum ein und ließ rund 50 Kilo Kupfer und Bronzeseile mitgehen.

Kupfer gestohlen

Gemeinsam mit dem 21-Jährigen brachte er am 17. und 19. April Diebsgut ausgerechnet zu jener Firma im Bezirk Tulln, in deren Zweigstelle im Wienerwald die 350 Kilo fehlten. Vor Gericht ließ sich jedoch nicht beweisen, dass es sich dabei um das Kupfer aus Neulengbach handelte, zumal der 19-Jährige diesen Einbruch bestritt, jenen in Pressbaum jedoch zugab. Für die verkauften 50 Kilo erhielten die Burschen insgesamt rund 670 Euro. Der Erlös wurde geteilt, wobei sich der 19-Jährige davon unter anderem eine neue Brille leistete, die er vor Gericht auch noch trug. Grünberger sprach ihn für den größeren Einbruch im Zweifel frei, für die gestohlenen 50 Kilo brummte er ihm diversionell 80 Stunden soziale Leistungen auf. Mit sechs Monaten bedingt und Bewährungshilfe während der dreijährigen Probezeit kam der Mitangeklagte davon (rechtskräftig).

Text und Fotos: Ilse Probst

Rechtsanwalt Thomas Trixner verwies auf die familiäre Situation.
Jugendrichter Markus Grünberger in St. Pölten.

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