Rupprechter und Pernkopf: EU-Millionen im St. Pöltner Kuhstall

Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter und Agrarlandesrat Stefan Pernkopf im Milchstall der Grubers in St. Pölten.
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Auch das ist die Landeshauptstadt St. Pölten. Rund 50 Milchkühe fressen im Stall des Milchhofes Gruber im Stadtteil Waitzendorf. Hin und wieder stoffwechselt einer der Wiederkäuer. Mitten drin: Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter und Landesrat Stephan Pernkopf. Grund des hohen Besuches in der ländlicheren Ecke der Landeshauptstadt: Minister und Landesrat geben die EU-Pläne für die ländliche Entwicklung in Niederösterreich bekannt.

Rupprechter: „Unser ländlicher Raum hat sich seit dem EU-Beitritt gut entwickelt und viel Unterstützung erhalten. Wir dürfen uns aber nicht auf den Erfolgen ausruhen. Deswegen haben wir einen Plan bis 2020 ausgearbeitet. Der Masterplan fürs Land wurde heuer im Frühjahr der EU-Kommission übermittelt und im Juli haben wir 176 Fragen der EU-Kommission erhalten. Diese haben wir beantwortet und den Plan überarbeitet. Nun, bevor wir das Fest Allerheiligen feiern, liegt ein Schlussentwurf vor.“

Die Schwerpunkte des Programms sind Innovation und Bildung. Niederösterreich wird zehn Millionen mehr als bisher für Investitionen erhalten, das Geld verstärkt in die Wettbewerbsfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe gesteckt. Und als dritte Säule sind auch Sozialprojekte wie Kinderbetreuungund der Ausbau der Breitbandanbindung der ländlichen Region geplant. Aber auch in erneuerbare Energien und in Förderung von Jungunternehmer wird investiert. Rupprechter: „26 Millionen Euro werden alleine in die Unterstützung von Hofübernehmern fließen. Auch im Ausbau der Infrastruktur und der Sozialleistungen muss es Förderungen geben. Denn Leute am Land sollen etwa beim Breitband oder in der Kinderbetreuung die gleichen Angebote vorfinden wie in der Stadt.“

Landesrat Stephan Pernkopf erläutert die Details: „Als größtes Bundesland sind 300 Millionen Euro für Niederösterreich reserviert. Mit diesem Geld wird in die Infrastruktur investiert und die Wirtschaft angekurbelt. Unsere Bauern haben im vergangenen Jahr ein Einkommensminus von 7,7 Prozent erlitten, sie sind also auf Förderungen angewiesen.“

In den vergangenen sieben Jahren wurden in Niederösterreich 16.000 Projekte mit 250 Millionen Euro gefördert. Diese Förderungen haben insgesamt ein Investitionsvolumen von einer Milliarde Euro ausgelöst. Pernkopf rechnet vor: „Bekommt ein Bauer 10.000 Euro Förderung für einen neuen Stall, legt er 40.000 Euro aus eigener Tasche drauf und 50.000 Euro fließen in die lokale Wirtschaft.“

20.000 Projekte um 1,3 Milliarden Euro sollen in den nächsten sieben Jahren unterstützt werden. Das bedeutet eine deutliche Steigerung zur letzten Förderperiode. Pernkopf: „Wir investieren in die Fitness unserer Betriebe. Wie hier am Milchhof Gruber, wo vorbildlich investiert und somit Arbeitsplätze geschaffen wurden. Insgesamt wird das Förderprogramm 20.000 neue Arbeitsplätze in Niederösterreich schaffen. Ausserdem halten wir die Lebensmittelproduktion im Land. Denn jede Produktion die wir verlieren bedeutet: Wir exportieren Arbeitsplätze und importieren Lebensmittel von schlechterer Qualität.“

Inzwischen ist der Anteil vonBauern an der Bevölkerung auf vier Prozent geschrumpft. Um den restlichen 96 Prozent das Leben der Landwirte näherzubringen, haben in den vergangenen Jahren 15.000 Schüler einen Bauernhof besucht. Dieses Programm soll weiter gestärkt werden. Pernkopf: „Ziel ist es, dass jeder Schüler in Niederösterreich einmal einen bäuerlichen Betrieb besucht hat.“

Neben vielen guten Nachrichten gibt es aber auch weniger gute Nachrichten. Zwar wird die Förderung in Investitionen gestärkt, die Direktförderungen an die Bauern werden aber zurückgehen. Für manche Bauern wird es dadurch zu Einbußen von rund einem Drittel der EU-Förderungen kommen. Auch der Milchhof Gruber ist davon betroffen.
Der Hof der Familie Gruber wurde früher im Nebenerwerb geführt. Vor 20 Jahren wurde in einen modernen Stall und Milchvieh investiert.

Die Direktvermarktung ist ein wesentliches Standbein der Grubers, mehrere Großküchen in der Umgebung werden täglich mit Frischmilch beliefert. In den kommenden Jahren wird die Übergabe an die nächste Generation stattfinden. Da die Investitionen nun doch schon einige Zeit zurückliegen, wird der Sohn der Grubers wieder vor schweren Entscheidungen stehen.

Insgesamt bewirtschaften die Grubers 30 Hektar Fläche und produzieren 200 Liter Milch am Tag. Gruber: „Der Stall ist abgewohnt, die Melktechnik ist veraltet, bald wird es keine Ersatzteile mehr geben. Der Stall wird umgebaut werden müssen. Wir haben die Investitionen und die damit verbundenen Sorgen damals ohne gesundheitliche Schäden überstanden, ob das beim Junior auch so isein wird, ist unklar. Wir müssen abwarten wie sich die Situation am Markt entwickelt.“

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